Anwohner fordern häufigere Leerung

Überquellende Altglas-Container in Kassel: Gefahr für Kinder und Hunde

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Da gehört der Glasmüll hin: Sascha Holstein entsorgt mit seiner Tochter Enie Leonore (8) und seinem Sohn Ben Henry (9) eine Flasche an dem Altglascontainer an der Wegmannstraße neben der Schule Jungfernkopf. Mit dabei ist auch Familienhund Hektor (9), ein Mischling aus Rhodesian Ridgeback und Altdeutschem Hütehund, der hier schon mal in eine Scherbe getreten ist und sich die Pfote verletzt hat.

Kassel. Das Kasseler Altglas-Problem erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet. In Jungfernkopf haben wir mit Anwohnern gesprochen. Sie sorgen sich vor allem um ihre Kinder.

Auf dem Gehweg liegen leere Glasflaschen. Viele sind zerbrochen. Der Frost hat die Scherben erstarren lassen. Einige stehen spitz empor. Das war vergangene Woche, als die Russenpeitsche Kassel Kälte lehrte. Der Ort: die Wegmannstraße im Stadtteil Jungfernkopf, direkt neben Grundschule und Kindertagesstätte.

Überfüllte Container Nr. 3: Dieses Bild wurde direkt neben der Schule Jungfernkopf aufgenommen. 

Dort also, wo täglich über 100 Kinder entlang gehen und wo gefrorene Glasscherben besonders gefährlich werden. „Gerade bei Grundschulkindern kommt es häufig mal zu einem Gerangel, da wird geschubst und dann stürzen sie in die Scherben“, sagt Anwohner Thomas Reimann. Der 32-Jährige hat eine dreijährige Tochter. Gerade an der Grundschule stehe der Glasmüll oft bis auf die Straße. „Das ist ein ganz gewaltiges Problem.“

Überfüllte Container Nr. 5: In der Nähe des Altenheims im Stadtteil Jungfernkopf steht der Glasmüll auf dem Gehweg. 

Das sieht Sascha Holstein (44) genauso. Der Vater eines Sohnes (9) und einer Tochter (8) bemängelt die Leistung der für die Entsorgung zuständigen Firma Remondis: „Die Container werden zu selten geleert, von jetzt auf gleich ist wieder alles voll.“ Passiert ist seinen Kindern und auch der Tochter von Reimann bisher glücklicherweise nichts.

Überfüllte Container Nr. 1: Anwohnerin Evelyn Mergard empfindet die nicht entsorgten Flaschen am Parkplatz Mombachstraße, Ecke Holländische Straße, als eine „bodenlose Frechheit“. 

Doch Holstein ist auch Hundehalter. Sein neunjähriger Mischlings-Rüde Hektor sei vor dem Container mal in eine Scherbe getreten und habe sich eine Schnittverletzung an der Pfote zugezogen. Auch ohne Frost bestehe vielerorts eine dauerhafte Gefahr durch leere Flaschen.

Überfüllte Container Nr. 2: ICE-Bahnhof, Vorplatz.

Tatsächlich findet man überfüllte Container mit ringsherum abgestelltem Glasmüll überall in der Stadt – ob am Jungfernkopf, am Vorplatz des ICE-Bahnhofs und am Backmeisterweg in Wilhelmshöhe, der Firnsbachstraße in Brasselsberg, der Heinrich-Heine-Straße in der Südstadt oder der Mombachstraße in der Nordstadt.

Überfüllte Container Nr. 4: Auch am Brasselsberg in der Firnsbachstraße stehen zuhauf leere Flaschen rum. 

„Sind die Container überfüllt, bleiben die Flaschen tagelang stehen“, sagt Anwohnerin Anne Schäfer. Es werde nicht schnell genug aufgeräumt. Neben der Verletzungsgefahr macht sich Schäfer auch Sorgen, dass Kinder Alkoholreste aus den Flaschen trinken könnten. Schäfer hat drei Kinder. Zwei besuchen die Grundschule, eines die Kita am Jungfernkopf.

Kontakt zur Firma Remondis unter Tel.: 0800/1155999

Wussten Sie schon, dass ...?

  • in Kassel rund 900 Altglas-Container stehen, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen?
  • im vergangenen Jahr 4150 Tonnen Altglas gesammelt wurden? Diese Zahl ist seit 2007 (4312 Tonnen) relativ stabil.
  • sich die Leerungsintervalle nach dem tatsächlichen Aufkommen richten und deshalb variieren? Im Allgemeinen werde laut Rhenus wöchentlich bis 14-tägig geleert.
  • es in Kassel zwei unterschiedliche Sammelsysteme gibt, nämlich die farbgetrennte Sammlung (Weiß-, Grün-, Braunglas) und Mischglas?
  • seit zwei Jahren ein sukzessiver Austausch der etwa 600 kleineren Mischglas-Container gegen größere Iglu-Behälter läuft? Dadurch soll zwar die Gesamtzahl an Behälter verringert werden, dass Fassungsvolumen insgesamt aber soll steigen.

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