Landgericht spricht Urteil im Prozess

Bluttat am Jungfernkopf: Neun Jahre Haft wegen versuchten Totschlags

Kassel. Im Prozess um das blutige Beziehungsdrama am Jungfernkopf hat das Kasseler Landgericht den Angeklagten am Donnerstag zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Kammer sprach den 55-jährigen Kasseler des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig.

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Der Mann hatte im Februar seine Ex-Partnerin in der ehemals gemeinsamen Wohnung auf einen Kaffee besucht, wie er es oft tat. Im Gehen begann er dann plötzlich seine brutale Attacke auf die Frau. Mit schwersten Verletzungen und hohem Blutverlust war die Kasselerin nur knapp dem Tod entronnen. Noch am selben Abend hatte der 55-Jährige versucht, sich selbst umzubringen und war schwer verletzt gerettet worden.

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass der Kasseler die Nebenklägerin an jenem Tag nicht aufgesucht hatte, um sie zu töten. Vielmehr habe der 55-Jährige sich auf einer Art „Abschiedstour“ befunden, weil er - nach dem Rauswurf aus der Wohnung im Stadtteil Jungfernkopf und ohne neue Partnerin zunehmend depressiver geworden - seinen Selbstmord plante.

Er hatte morgens normal gearbeitet und auch noch bei einem Freund vorbeigeschaut. Niemand merkte ihm etwas an. Den Auslöser für das Umschlagen der geplanten Aggression gegen sich selbst in eine Aggression gegen die Nebenklägerin vermutete die Kammer in einer Alltagsszene: Nachdem der Angeklagte eine Weile bei seiner Ex-Partnerin gewesen war, habe sie ihn aufgefordert zu gehen, weil sie sich hinlegen wolle. Das sei bei dem 55-Jährigen wie ein weiterer Rauswurf angekommen - „und das an dem Tag, an dem er sich umbringen wollte“.

Der Angeklagte sei der Aufforderung gefolgt. Doch „spätestens zum Zeitpunkt im Flur“ habe er sich entschlossen, die Nebenklägerin zu töten. Mehrfach verwies der Vorsitzende Richter Volker Mütze darauf, dass Zeugen den Angeklagten als in sich gekehrt und nicht aggressiv beschrieben hätten - als jemanden, der Streit aus dem Weg ging. Die Tat lasse sich daher „nur durch einen impulsartigen Durchbruch“ erklären.

„Psychischer Ausnahmezustand“: Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Freitagsausgabe (13. Dezember 2013) der Hessischen Allgemeinen

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