Das Schnitzel war der Hit

Im Laubenpieper bleibt die Küche kalt: Betreiber des einzigen Lokals am Jungfernkopf ziehen sich zurück

Ute und Thomas Rohpeter stehen vor der Gaststätte Laubenpieper, die sie acht Jahre lang betrieben haben. Vorne auf dem Zaun ihr Laubenpieper-Maskottchen.
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„Das war hier unsere Familie“: Ute und Thomas Rohpeter haben acht Jahre lang nebenberuflich die Gaststätte Laubenpieper betrieben.

Der Laubenpieper ist die einzige Gaststätte am Jungfernkopf. Nun ist klar, dass die bisherigen Betreiber nicht wieder öffnen werden. Eine Nachfolge ist noch ungewiss.

Jungfernkopf – Ein letztes Mal wurde noch gefeiert. Dabei flossen womöglich auch einige Getränke, doch vor allem die Tränen: Ute und Thomas Rohpeter ziehen sich aus dem „Laubenpieper“ zurück. Acht Jahre lang hat das Ehepaar aus Kirchditmold die einzige Gaststätte am Jungfernkopf betrieben. „Das war schon ein Gänsehautgefühl“, sagt die 56-Jährige über den Abschied, zu dem viele Stammgäste und Weggefährten kamen und sogar die Kasseler Drum&Brass-Band aufspielte, die regelmäßig im Laubenpieper probte.

Geschlossen ist das Lokal, das zur umliegenden Kleingartensiedlung am Frasenweg gehört, schon seit dem Gastronomie-Lockdown im vergangenen November. Dass es gar nicht wieder öffnen würde, war eigentlich nicht geplant. Zwar hatten die Rohpeters, die selbst Kleingärtner sind, schon länger beschlossen, dass sie die Wirtschaft nach diesem Sommer aufgeben: Der Kasseläner und die Kasselanerin, die zwei erwachsene Töchter haben, wollen nächstes Jahr in ihre neue Wahlheimat Ostfriesland umziehen. Dann erlitt Thomas Rohpeter im April einen Schlaganfall im Rückenmark, der ihm heute noch Schwierigkeiten beim Laufen bereitet. Und so war früher Schluss mit dem Laubenpieper als gedacht.

Dass sie mit Herzblut bei der Sache waren, versteht sich von selbst, wenn man erfährt, dass sie die Gaststätte nebenberuflich betrieben haben: Ute Rohpeter arbeitet als Kassiererin, ihr Mann Thomas ist gelernter Schlosser. Nach Feierabend ab 17 Uhr stand sie fünf Tage die Woche als Chefin an der Theke und er als „Smutje“ am Herd. „Man muss schon ein bisschen sadomasochistisch veranlagt sein, um sowas zu machen“, sagt er und lacht. Ganz ernst gemeint ist, was er hinterherschiebt: „Unsere Gäste hier oben auf dem Berg waren toll.“ Wie eine erweiterte Familie, bestätigt seine Frau. Viele Stammgäste, Parteien und Vereine kamen regelmäßig in den Laubenpieper, der auch für sein gleichnamiges Schnitzel in der Roggenpanade berühmt war.

Überhaupt: das Essen. Anders als man bei einem Kleingarten-Lokal erwarten könnte, kam im Laubenpieper im Wortsinn Hausmannskost auf den Tisch – von der Gulaschsuppe über Rumpsteak bis Fisch. „Tiefkühl geht gar nicht“, sagt Thomas Rohpeter, der leidenschaftlicher Koch ist. In einem Abschiedsbuch, das er in der Reha-Klinik schrieb, hat er seine beliebtesten Rezepte für treue Gäste hinterlassen.

Auch Anekdoten und lustige Sprüche aus acht Jahren Gastronomie-Alltag sind darin aufgeführt. Ob die 1100-Jahrfeier Kassels im Stadtteil, bei der der Laubenpieper aus allen Nähten platze oder den Besuch eines Skatclubs, der mit fast 20 Mann kam, speiste und trank und dann darauf verwies, dass doch ein kostenloses Probeessen üblich sei. Nur so viel: Die Kartenspieler fanden ihr Stammdomizil nicht im Laubenpieper.

Ob der Zapfhahn in der einzigen Gaststätte im Stadtteil bald wieder läuft, ist noch offen. Laut der Gartensiedlung Frasenweg, die zur Bahn-Landwirtschaft gehört, gibt es Interessenten für die Nachfolge. Bei der Vereinssitzung am 1. Oktober steht das Thema auf der Tagesordnung. (Katja Rudolph)

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