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Familie aus Kassel streitet mit Eon um Gasversorgung - die es gar nicht gibt

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Von: Andreas Hermann

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Trotz Sterbeurkunde und Hausverkauf hielt Energieversorger Eon an den Forderungen gegenüber einer Familie aus Kassel fest.

Kassel/Vellmar – Aktuell befürchten Gaskunden, dass ihnen wegen der Energiekrise im Winter der Gashahn abgedreht werden könnte. Ein ganz anderes Problem mit einem Energieversorger beschäftigt Sandra und Achim Noll aus Kassel. Die Eon schickt seit Monaten Rechnungen und Mahnungen, droht sogar bei Nicht-Zahlung die Unterbrechung einer Gasversorgung an, die es überhaupt nicht gibt. Denn das Ehepaar aus dem Stadtteil Jungfernkopf hat mit dem Unternehmen gar keinen Versorgungsvertrag abgeschlossen. Es erhält kein Gas von der Eon.

Wer nun meint, dieses Problem müsste sich doch mit einem Anruf oder Schreiben klären lassen, der denkt falsch. Denn wie Familie Noll berichtet, sind bisher alle ihre Versuche, dem Unternehmen den Sachverhalt darzustellen, ohne Erfolg geblieben. Die Eon lässt nicht davon ab, Rechnungen, Mahnungen, Drohungen zu schicken. Die Zahlungsaufforderungen summieren sich mittlerweile auf 2100 Euro.

Familie aus Kassel soll Gasrechnung zahlen - Auf Sterbeurkunde des Vaters folgt neue Mahnung

Eigentlich liegen die Dinge auf der Hand: Bei dem Objekt, um das es geht, handelt es sich um das ehemalige Haus von Achim Nolls verstorbenen Eltern. Der Vater hatte tatsächlich einen Versorgungsvertrag mit Eon. Das Haus in Vellmar haben die Nolls aber nach seinem Tod im September 2021 im April verkauft. Weil sie für den verstorbenen Vater einen Nachsendeantrag gestellt haben, landet an ihn gerichtete Post nach wie vor in ihrem Briefkasten – auch die der Eon.

Wollen die Angelegenheit endlich abschließen: Achim und Sandra Noll mit dem Schriftverkehr zum nicht existierenden Gasversorgungsvertrag mit der Eon.
Wollen die Angelegenheit endlich abschließen: Achim und Sandra Noll mit dem Schriftverkehr zum nicht existierenden Gasversorgungsvertrag mit der Eon. © Andreas Hermann

„Wir sollen für einen Gasanschluss Abschlagszahlungen von monatlich 540 Euro zahlen, obwohl wir das Haus bereits vor sechs Monaten verkauft haben“, sagt Achim Noll. Und der neue Eigentümer habe längst einen Gasversorgungsvertrag mit einem anderen Unternehmen.

„Das tut uns leid“ - Eon reagiert auf HNA-Nachfrage und räumt internen Fehler ein

Auf mehrere Anrufe und Schreiben zur Richtigstellung des Sachverhalts habe die Eon jedes Mal mit einer weiteren Mahnung reagiert und erklärt, sie sei der Grundversorger. An dieser Fehleinschätzung habe auch das Zusenden einer Sterbeurkunde nichts geändert, berichten die Nolls. Deshalb haben sie jetzt einen Anwalt eingeschaltet. „Ich will, dass diese Sache endlich abgeschlossen wird“, sagt Achim Noll.

Auf Anfrage unserer Zeitung kommt doch noch Licht ins Dunkel. Die Eon Energie Deutschland GmbH räumt Fehler ein. „Vorab möchten wir bei Familie Noll in aller Form um Entschuldigung bitten“, schreibt ein Unternehmenssprecher. „Der interne Fehler, der zum Versand der Briefe geführt hat, hätte nicht passieren dürfen.“ Nolls hätten im Juli über den Verkauf des Hauses informiert. „Aufgrund eines Bearbeitungsfehlers“ sei das Vertragskonto jedoch nicht korrekt abgemeldet worden. „Das tut uns sehr leid.“

Schluss mit der Gasversorgung, die es nicht gibt: Eon storniert Forderungen an Familie aus Kassel

Eon kündigt an, die offenen Forderungen unverzüglich zu stornieren und den Forderungsbetrag auszubuchen. Aller Voraussicht nach ist also mit Forderungen für eine Gasversorgung, die es nicht gibt, wirklich Schluss. (Andreas Hermann)

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