Platz für 16 Jugendliche

Jungfernkopf: Wohnheim für minderjährige Flüchtlinge wird eingerichtet

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Hier ziehen bald jugendliche Flüchtlinge ein: Die Hephata Diakonie richtet in dem Haus am Wäldchen ein Wohnheim ein.

Jungfernkopf. 16 jugendliche Flüchtlinge, die ohne ihre Familie nach Deutschland gekommen sind, bekommen bald ein Zuhause am Jungfernkopf. Im „Haus am Wäldchen“ in der gleichnamigen Straße unweit der Regiotram-Haltestelle richtet die Jugendhilfe Hephata ein Wohnheim für ungbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) ein.

Ende November sollen die ersten Mädchen und Jungen einziehen.

Es ist das zweite Flüchtlingsheim im Stadtteil. In einem Haus am Oberen Nordendweg leben seit vorigem Sommer bis zu neun Asylbewerber in einer städtischen Kleinunterkunft.

In dem Haus am Wäldchen waren früher psychisch kranke Erwachsene untergebracht. Der Betreiber der Einrichtung hat sich aber vor einiger Zeit zur Ruhe gesetzt. Von dem neuen Eigentümer hat die Hephata das Gebäude samt Garten jetzt für zunächst fünf Jahre gemietet, teilte Henning Wienefeld, UMF-Fachberater bei der Hephata Diakonie, am Donnerstag im Ortsbeirat Jungfernkopf mit. Die Renovierungsarbeiten haben bereits begonnen, um das Haus für die neuen Bewohner herzurichten.

Die Jugendlichen, die bereits wenige Wochen nach ihrer Ankunft die Schule besuchen, werden in Zwei-Bett-Zimmern untergebracht und rund um die Uhr von Sozialpädagogen betreut. Auch nachts ist ein Mitarbeiter im Haus. Minderjährige Asylbewerber, die allein hierherkommen, werden von der Jugendhilfe genauso behandelt wie deutsche Jugendliche.

Die jungen Flüchtlinge, die von der Hephata im Auftrag der Stadt Kassel betreut werden, kommen überwiegend aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und zunehmend auch aus Syrien, berichtete Wienefeld. Die meisten hätten eine „heftige Flucht“ von bis zu zwei Jahren Dauer hinter sich.

Über 20 Anwohner waren zur Ortsbeiratssitzung gekommen, um sich über das Vorhaben zu informieren. Während viele die neuen Bewohner willkommen heißen und ihnen Hilfe anbieten wollen, äußerten einige der Zuhörer auch Bedenken. Ob bei so vielen verschiedenen Nationalitäten Spannungen wie jüngst in der Caldener Zeltstadt zu erwarten seien, wollte ein Anwohner wissen. „So etwas wie in Calden gab es bei uns noch nie“, versicherte der Hephata-Vertreter. Die Bedingungen der Unterbringung seien nicht zu vergleichen, zudem hätten die Jugendlichen sofort eine Tagesstruktur. Das Zusammenleben in den Wohngruppen sei „fast familienanalog“ – mit einem Konfliktpotenzial das dem unter Geschwistern oder Klassenkameraden vergleichbar sei.

Ein älterer Mann, der unweit des Basketballplatzes am Kiefernweg wohnt, befürchtete, dass die Jugendlichen künftig bis in die Nacht „da rumbolzen“. Schon jetzt leide die Nachbarschaft unter dem Lärm, wenn dort Ball gespielt werde. Ortsvorsteher Christian Unverzagt reagierte erstaunt: Beschwerden deswegen seien noch nie an den Ortsbeirat herangetragen worden.

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