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Neue Fahrradständer in Kassel sorgen für Ärger

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Von: Katja Rudolph

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 Neben sieben weiteren Standorten sind am Bolzplatz am Kiefernweg im Stadtteil Jungfernkopf neue Fahrradbügel angebracht worden.
Parkplatz für Fahrräder auf der Straße: Neben sieben weiteren Standorten sind am Bolzplatz am Kiefernweg neue Fahrradbügel angebracht worden. © Katja Rudolph

1800 neue Fahrradstellplätze schafft die Stadt Kassel an. Nicht überall sorgt das für Begeisterung. Teilweise sind Autofahrer verärgert.

Kassel – Auf dem Weg zur Verkehrswende wird auch der autoreiche Jungfernkopf in Kassel mit Fahrradständern ausgestattet. An acht Standorten im Stadtteil hat das städtische Straßenverkehrs- und Tiefbauamt kürzlich Fahrradbügel installiert. Dabei sorgte es bei einigen Anwohnern zunächst für Verwunderung, dass Arbeiten auf der Straße stattfinden – so etwa am Kiefernweg in der Höhe des Spielplatzes und an der Kita „Wilde Kerle“ an der Straße Am Fichtenrain. Was ist denn da los, fragten sich auch einige HNA-Leser.

Dass die Fahrradständer an mehreren Standorten auf der Fahrbahn angebracht wurden, hat seine Richtigkeit, wie es auf Nachfrage aus dem Rathaus heißt. Bei der Planung achte man darauf, dass keine weiteren Grünflächen versiegelt und eine Mindestbreite auf dem Gehweg eingehalten wird, teilte ein Sprecher auf HNA-Anfrage mit. „Oftmals ist es darüber hinaus durch eine geringe Straßenbreite, Leitungslagen, ausgewiesene Privatparkplätze oder Flächen in Privateigentum nicht möglich, Fahrradständer exakt am Wunsch-Standort zu setzen.“

Kassel: Fahrradständer am Fahrbahnrand und auf Parkplätzen für Autos

Ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Standorte hatte der Ortsbeirat. Neben dem Spielplatz am Wäldchen und der Kita hatten die Stadtteilvertreter beschlossen, dass neue Fahrradständer an der Kirche, am Einkaufszentrums Hirtenkamp, am Seniorenzentrum und am Bürgerhaus angebracht werden sollen.

Bei der Planung suche man in der Regel öffentliche Straßenflächen, die sich im Nahbereich der von den Ortsbeiräten benannten Hausnummern befinden, heißt es aus dem Straßenverkehrsamt. „Diese können dann auch am Fahrbahnrand liegen und Kfz-Parkplätze ersetzen.“

900 neue Fahrradbügel für die Kasseler Stadtteile

Die Aufstellung der Fahrradbügel geht auf einen Stadtverordnetenbeschluss von September 2019 zurück. Demnach sollten zur Förderung des Radverkehrs mindestens 1800 weitere Fahrradabstellmöglichkeiten in Kassel geschaffen werden. Durch die Stadt werden nun schrittweise 900 Fahrradbügel (daran können je zwei Räder angeschlossen werden) in den Stadtteilen aufgestellt. In dem Stavobeschluss ist auch festgehalten, dass „die Anzahl öffentlich nutzbarer Radabstellplätze in einem Bezugsgebiet circa 40 Prozent der Anzahl der Kfz-Stellplätze im öffentlichen Raum betragen soll“ und dass die Flächen dafür vom Kfz-Verkehr kommen werden.

Pro Fahrradbügel kalkuliert das Kasseler Straßenverkehrs-und Tiefbauamt samt Baumaßnahmen mit Kosten von rund 500 Euro. Es gibt eine Förderung durch das Land Hessen in Höhe von 80 Prozent.

Kassel: Neue Fahrradständer an manchen Standorten „völlig überflüssig“

Mit der Platzierung der Fahrradbügel am Kiefernweg ist die Jungfernköpferin Sabine Meschkat gar nicht einverstanden. Die Ständer stehen kurz vor der Einmündung Günterslohe und Kesselbreite, wo sie täglich auf dem Arbeitsweg mit dem Auto entlang fährt. „Will man in diese Straßen einbiegen, muss man jetzt auf die Gegenfahrbahn ausweichen“, sagt die 65-Jährige. Dass der Verkehrsfluss absichtlich behindert werde, ärgert sie. „In einem Wohngebiet, wo es fast nur Einfamilienhäuser gibt, sind die Fahrradständer auch völlig überflüssig“, findet sie. Sie habe noch keine einziges Fahrrad dort stehen sehen. „Das ist ein Spielplatz, wo die Mamas mit ihren Kindern per Auto hinfahren“, sagt sie.

Dorothee Köpp als stellvertretende Ortsvorsteherin findet es grundsätzlich gut, dass im Stadtteil Abstellmöglichkeiten für Räder geschaffen werden und dass dafür im Zweifel ein Parkplatz am Fahrbahnrand wegfällt. „Wenn dort ein Auto steht, muss man auch ausweichen“, sagt die Grüne.

Mit dem Standort der Ständer am Kiefernweg ist sie allerdings auch nicht ganz glücklich. Eigentlich habe man sich Ständer am Spiel- und Bolzplatz gewünscht. Dort hätte man auch die drei vorhandenen Ständer auf der bereits befestigten Fläche am Spielplatz ergänzen können, sagt Köpp. Bei anderen Standorten habe das Straßenverkehrsamt die Örtlichkeiten per Markierung im Stadtplan mit dem Ortsbeirat abgestimmt. Für den Kiefernweg, den der Ortsbeirat vorgeschlagen habe, sei eine Rückmeldeschleife leider ausgeblieben, so die Vize-Ortsvorsteherin. „Da hätten wir gerne nochmal genauer geguckt.“ (Katja Rudolph)

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