Bürgerinitiative gegründet

Kasseler Neubaugebiet Nordendweg: Anwohner fordern andere Erschließung

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So soll die Siedlung aussehen: Am Nordend sollen entlang der ICE-Stecke 27 Reihenhäuser gebaut werden. 

Jungfernkopf. Am Jungfernkopf hat sich eine neue Bürgerinitiative gegründet. Sie kämpft gegen die Pläne für das Neubaugebiet Nordendweg.

Zankapfel ist vor allem die Erschließung. Die geplante Reihenhaussiedlung im Neubaugebiet Nordendweg sorgt am Jungfernkopf weiter für Ärger. Jetzt haben Anwohner der umliegenden Straßen eine Bürgerinitiative (BI) gegründet. Sie wollen vor allem erreichen, dass die Erschließung nicht wie geplant über den Nordendweg erfolgt. Stattdessen plädiert die BI dafür, das Baugebiet von Norden her zugänglich zu machen, wo sich derzeit eine Grünfläche befindet. Dagegen hat jedoch die Untere Naturschutzbehörde ihr Veto eingelegt.

Auf dem schmalen Grundstück entlang der ICE-Trasse will die Deutsche Reihenhaus AG (Köln) eine Neubausiedlung mit 27 Reihenhäusern bauen. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen. Man rechne in den nächsten Tagen mit der Baugenehmigung von der Stadt, sagte ein Sprecher der Deutschen Reihenhaus auf Nachfrage der HNA. Noch in diesem Jahr solle mit der Vermarktung der Häuser begonnen werden.

Reiner Koch

Die Anwohner im Bereich des Nordends fühlen sich von den Plänen, die im vergangenen Sommer bekannt wurden, überrumpelt. Sie kritisieren die „mangelhafte Informationspolitik“ der Stadt. Bei einer so große Baumaßnahme müsse der Ortsbeirat frühzeitig eingebunden werden, sagt Reiner Koch, Sprecher der neuen BI und Mitglied im Ortsbeirat. Der ersten Versammlung der Bürgerinitiative hatten sich etwa 60 Anwohner angeschlossen. Wenn die Erschließung, wie vorgesehen, über den Nordendweg erfolgt, befürchten sie, für den Ausbau der Straße mit zur Kasse gebeten zu werden.

Die Straße ist derzeit zum Teil nur geschottert. Zuletzt hatte es noch keine verlässliche Aussage über die Kostenregelung für einen Ausbau gegeben. Auf Nachfrage der HNA versicherte jetzt ein Sprecher der Deutschen Reihenhaus, dass die Anwohner an den Kosten für den Ausbau der Straße nicht beteiligt werden.

Die BI befürwortet ohnehin eine Erschließung von Norden, ausgehend von der Straße „Bei den Weidenbäumen“. Der Einspruch der Unteren Naturschutzbehörde dagegen sei nicht nachvollziehbar, sagt Koch. Diese beruft sich auf den Schutz von Pflanzen und Bäumen in dem von der Bebauung ausgenommenen Grünstreifen. Mit den Reihenhäusern würden ohnehin 90 Prozent der vorhandenen Natur zerstört, sagt Koch. Bei der unter Schutz gestellten Fläche handelte sich nur um ein „ökologisches Feigenblatt.“ 

Das sagt die Stadt

Eine Erschließung des Baugebiets von Norden kommt für die Stadt Kassel nicht in Frage. Auf der Fläche nördlich des Baugrundstücks gebe es einen alten, geschlossenen Baumbestand, der relativ unberührt sei und Tieren Rückzugsraum biete, teilte ein Stadtsprecher mit. Daraus ergebe sich die besondere Schutzwürdigkeit. Dort Gehölze zu entfernen und Flächen zu versiegeln, stelle einen Eingriff nach Naturschutzrecht dar, der auszugleichen wäre. Mit der südlichen Erschließung sei eine zumutbare Alternative vorhanden. Die dort vorhandenen Gehölze hätten eine „geringere Wertigkeit“ als auf der Fläche im Norden.

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