Verwirrung um Müll-Definitionen

Rentner ärgert sich: Stadtreiniger nahmen Sperrmüll nicht mit

+
Stehen gelassen: Diese Gegenstände nahm die Sperrmüllabfuhr bei Wolfgang Weiss nicht mit. Foto:  Privat

Kassel. Als Wolfgang Weiss kürzlich bei sich zu Hause am Jungfernkopf ausmistete, bestellte er zur Abholung der ausrangierten Sachen den Sperrmüll. Als die Stadtreiniger kamen, staunte der Rentner nicht schlecht, als sie die Hälfte stehen ließen.

Unter anderem große Blumenkästen, Metallstangen und Porzellanbehälter. Dafür seien zusätzlich zu den 35 Euro für den Sperrmülltransport noch mal 43 Euro fällig, da es sich nicht um Sperrmüll handele, erklärte man dem verdutzten Anwohner.

Eine Gebühr von insgesamt 78 Euro für einen Haufen Altmöbel und sperriger Haushaltsgegenstände sei völlig überzogen, findet der Rentner. „Bei so hohen Kosten läuft man nur Gefahr, dass die Leute ihren Sperrmüll wild entsorgen.“ Verärgert fuhr der Jungfernköpfer die übrig gebliebenen Sachen schließlich selbst zum Recyclinghof, wo man erst nach dem Hinweis, dass schließlich auch verwertbarer Metallschrott dabei sei, auf eine Gebühr verzichtete. „Ich verstehe die Welt nicht mehr“, sagt Wolfgang Weiss. „Da bringt man seinen Müll selbst weg und soll trotzdem noch bezahlen? Jeder Schrotthändler hätte die Sachen mit Kusshand mitgenommen.“

Möglichst in die Tonne

Bei der Abholung sei ein Fehler passiert, sagt Birgit Knebel von den Kasseler Stadtreinigern auf Anfrage der HNA. Die Metallteile gehörten in der Tat zum Sperrmüll und hätten mitgenommen werden müssen. Die anderen zurückgelassenen Teile gehörten aber nicht zum Sperrmüll, sondern zum normalen Restmüll. Als Sperrmüll zählen sperrige Gegenstände aus dem Haushalt wie Möbel oder Teppiche, die nicht ohne Weiteres zerkleinert werden können. Andere, kleinere Abfälle - wie beispielsweise die Blumenkästen - müssten hingegen nach und nach in der Mülltonne entsorgt werden, ansonsten falle eine zusätzliche Gebühr von 43 Euro pro halben Kubikmeter an.

Sperrmüllabfuhr: Gestern holten die Stadtreiniger Sperrmüll in der Frans-Hals-Straße in der Südstadt ab, im Bild die Mitarbeiter Ralf Lieberwirth (vorn) und Ralf Felchner. Für den Transport berechnen die Stadtreiniger 35 Euro. Foto: Koch

Hintergrund sei, dass die Gebühren für die Müllabholung sich nach der Tonnengröße richteten, erklärt die Stadtreiniger-Sprecherin. Die Extragebühr für Restmüllentsorgung über die normale Leerung hinaus solle verhindern, dass Haushalte möglicherweise gezielt nur für kleine Tonnen bezahlen, aber viel mehr Müll entsorgen lassen. „Das wäre unfair den anderen Gebührenzahlern gegenüber.“

Allerdings räumt die Sprecherin der Stadtreiniger auch ein, dass die Klassifizierung in Sperrmüll oder Restmüll manchmal auch Auslegungssache ist: „Man kann nicht für jedes denkbare Einzelteil eine Festlegung treffen, einen gewissen Spielraum gibt es da schon.“

Zudem weisen die Stadtreiniger auf günstigere Entsorgungsvarianten von überschüssigem Restmüll hin. Man kann beispielsweise einen „amtlichen Abfallsack“ (5,80 Euro) kaufen und zum Müll stellen oder eine Sonderleerung der Tonne beantragen (bei 80-Liter-Tonne 6,70 Euro). Außerdem gebe es Faltcontainer mit einem Kubikmeter Fassungsvermögen, die für 69 Euro abgeholt werden.

Bei Fragen zur Entsorgung: Kasseler Stadtreiniger, Tel. 0561/5003 -115 oder -116.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.