Streit um die Finanzierung

Tierheim Wau-Mau-Insel Kassel nimmt keine Tiere aus dem Kreis mehr auf 

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Kümmern sich nur noch um Hunde, Katzen und Kleintiere aus der Stadt Kassel: Das Tierheim Wau-Mau-Insel hat seine Zusammenarbeit mit den Landkreiskommunen beendet. Unser Bild entstand beim Tierheimfest 2017.

Kassel. Das Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel macht sich Sorgen um seine Finanzierung. Deshalb hat es bereits Ende 2017 seine Verträge mit elf Städten und Gemeinden aus dem Landkreis Kassel gekündigt. 

Damit ist der Weg für Tiere, die in den Landkreiskommunen gefunden werden, in das einzige Tierheim der Region versperrt. In Kassel gefundene Tiere sind davon nicht betroffen.

„Die Unterbringung von jährlich rund 150 Tieren aus dem Kreis hat uns ungefähr 150.000 Euro gekostet. Dem gegenüber standen Erstattungen aus den Kommunen von 15.000 Euro. Da musste ich irgendwann die Reißleine ziehen“, begründet Tierheimleiter Karsten Plücker die Kündigung der Verträge. Die Differenz sei bislang durch Spenden und Erbschaften aufgefangen worden. Weil nächstes Jahr ein neues Hundehaus für eine Million Euro gebaut werden müsse, sei dieser Spielraum nicht mehr gegeben.

Während die Stadt Kassel für die jährlich etwa 400 Fundtiere eine kostendeckende Pauschale von 250.000 Euro an das Tierheim überweist, basierte die Finanzierung durch die Kreiskommunen bislang auf einer Unterscheidung zwischen herrenlosen Tieren und Fundtieren. Herrenlose Tiere sind solche, bei denen die Gemeinden davon ausgingen, dass kein Halter existiert. Fundtiere galten als entlaufene Tiere. Nur für Fundtiere hielten sich die Kommunen für zuständig und zahlten Geld an das Tierheim – aber nur für vier Wochen. Nach Ablauf dieser Zeit wurde davon ausgegangen, dass es sich um herrenlose Tiere handelte.

Nach einem Monat kein Geld mehr für Tiere aus dem Kreis

Dies stellte die Wau-Mau-Insel vor Probleme. Denn spätestens nach einem Monat floss kein Geld mehr für die Tiere aus dem Kreis. Ein Unding, findet Plücker vom Tierheim. Er sieht seine Position durch ein aktuelles Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gestärkt. Demnach ist die Unterscheidung zwischen herrenlosen Tieren und Fundtieren nicht haltbar. Jedes gefundene Tier ohne feststellbaren Halter müsse als Fundtier behandelt werden, so die Richter. Somit ist die jeweilige Kommune für die Unterbringung und deren Kosten zuständig.

Weil die Wau-Mau-Insel nun keine Tiere mehr aus dem Kreis mehr annimmt, müssen sich die Kommunen selbst darum kümmern. Michael Steisel, Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung und Bürgermeister von Söhrewald, hat die Verhandlungen mit der Wau-Mau-Insel geführt. Die vom Tierheim gestellten Forderungen von mehreren tausend Euro pro Kommune hätten das Budget gesprengt. 

Auf dem Land mehr Möglichkeiten, Tiere unterzubringen

Weil im Kreis das Fundtierproblem nicht so groß sei wie in Kassel, hätten sich die Bürgermeister entschieden, sich innerhalb ihrer Kommunen selbst darum zu kümmern. Im ländlichen Raum gebe es mehr Möglichkeiten Tiere – etwa auf Bauernhöfen – unterzubringen. Planungen, ein eigenes Tierheim für den Kreis zu etablieren, seien verworfen worden.

„Wenn die Wau-Mau-Insel moderate Beträge vorschlägt, können wir nochmal über neue Verträge reden“, sagt Steisel.

Hier liegt die Wau-Mau-Insel in Kassel

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