Nach Entscheidung gegen Katzenschutzverordnung

Wau-Mau-Insel: Kassels OB Hilgen scheint kein Tierfreund zu sein

Kassel. Enttäuscht und verärgert hat das Tierheim Wau-Mau-Insel auf die Entscheidung von Oberbürgermeister Hilgen (SPD) gegen eine Katzenschutzverordnung reagiert.

Die CDU spricht von "Gutsherrenpolitik".

Als einen Skandal bezeichnet es das Tierheim Wau-Mau-Insel, dass in Kassel rechtliche Bedenken vorgeschoben werden, um die Katzenschutzverordnung zu verhindern. „Mit Tierschutz scheint Oberbürgermeister Bertram Hilgen nichts am Hut zu haben. Und ein Tierfreund scheint er auch nicht zu sein“, meint die Wau-Mau-Insel zur Entscheidung des OB, wegen des Prozessrisikos für die Stadt die Verordnung nicht einführen zu wollen.

Jahrelang hätten sich Kasseler Tierschützer, das Tierheim Wau-Mau-Insel sowie Politiker von SPD und Grünen für die Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen eingesetzt. 2013 habe die Stadtverordnetenversammlung einstimmig für die Katzenschutzverordnung entschieden. „Und dies sicherlich nicht zuletzt, da unser Tierheim finanziell dafür gerade gestanden und 80 000 Euro zur Verfügung gestellt hätte, damit bedürftige Kasseler Bürger Kastrationsgutscheine erhalten und sich nicht von ihren Tieren trennen müssen“, berichtet Claudia Bioly von der Wau-Mau-Insel.

Verantwortung wegschieben

Seitdem habe das Rechtsamt die Verordnung in der Warteschleife gehalten. „Nun entscheidet OB Hilgen im Alleingang, dass diese Verordnung nicht notwendig ist. Und schiebt die Verantwortung von der Politik weit weg.“ Nach OB-Meinung genüge es, wenn Tierschutzvereine, Stadt und andere an die Vernunft der Katzenbesitzer appellierten. „Wie weit man damit kommt, kann sich jeder vorstellen“, kritisiert das Heim an der Schenkebier Stanne.

In anderen Städten sei man da wesentlich weiter, deutschlandweit hätten bereits etwa 350 Kommunen die Katzenschutzverordnung umgesetzt. „Aber Kassel hat schon bei der Einführung zum Wildtierverbot in Zirkussen gezeigt, dass man in Sachen Tierschutz lieber zwei Schritte zurück als einen Schritt nach vorne geht“, so die Wau-Mau-Insel.

„Enttäuscht hat auch die CDU auf die Entscheidung des OB reagiert. Mit einem Antrag in der Stadtverordnetenversammlung wollte sie erreichen, dass der Beschluss für eine Katzen-Kastrationspflicht erneuert und der OB aufgefordert wird, seine Meinung zu ändern. Am Montagabend fand sich in der Sitzung jedoch nicht die benötigte Zweidrittelmehrheit, um den Antrag zusätzlich auf die Tagesordnung zu setzen. SPD und Grüne lehnten ihn ab.

Stefan Kortmann (CDU) kritisierte, OB Hilgen dürfe den Parlamentsbeschluss von 2013 nicht einfach beiseite schieben. „Das ist Gutsherrenpolitik.“ Man könne anderer Auffassung als der OB sein, meinte SPD-Fraktionschef Dr. Günter Schnell. Die Stadtverordnetenversammlung sei aber nicht der richtige Ort. Die rechtlichen Hintergründe der Katzen-Kastrationspflicht müssten im Fachausschuss diskutiert werden.

Rubriklistenbild: © Gewert

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