Tierheim hat finanzielle Probleme

Weniger Spenden und Erstattungen: Wau-Mau-Insel fehlt das Geld

Erst seit einer Woche im Tierheim: Der Mischlingsrüde Fidel wurde am vergangenen Montag als Fundtier aus Kassel abgegeben. Sein Alter wird auf zwei Jahre geschätzt. Die 19-jährige Auszubildende Jacqueline Döring hilft im Tierheim ehrenamtlich mit. Foto:  Pia Malmus

Kassel. Gut jedem zweiten Tierheim drohe die Insolvenz, sagt Marius Tünte, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes. Auch dem Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel fehlt Geld.

750 000 Euro brauche das Tierheim im Jahr für die Tiere, alle Mitarbeiter und sonstige Kosten, sagt Tierheimleiter Karsten Plücker.

Mit der Einführung des Mindestlohns am 1. Januar 2015 musste das Tierheim die Schutzgebühren für den Kauf von Hunden und Katzen aus dem Tierheim anheben, um die Mitarbeiter weiterhin bezahlen zu können. Die Gebühren dienen zur Kostendeckung und sollen auch von unbedachten Tierkäufen abhalten. „Für Hunde nehmen wir 20 Euro und für Katzen zehn Euro mehr. Anders geht es nicht, denn zehn Mitarbeiter sind von der Lohnerhöhung betroffen“, sagt Plücker.

Ein größeres Problem sei jedoch die Erstattung für die Betreuung von Fundtieren. Die Tierheime übernehmen es für die Kommunen, Fundtiere aufzunehmen, zu pflegen und zu ernähren und bekommen diese Kosten erstattet. Wie viel die Städte und Gemeinden jedoch dafür zahlen, handelt jedes Tierheim selbst aus.

Trauriger Blick : Die einjährige Katze Dakota wurde im Tierheim Wau-Mau-Insel als Fundtier aus Vellmar abgegeben. Sie ist eine Europäische Kurzhaarkatze. Foto:  Pia Malmus

Im Durchschnitt benötige die Wau-Mau-Insel 400 Euro pro Hund und Katze und 200 Euro pro Kleintier im Jahr, sagt Plücker. Mit der Stadt Kassel gebe es seit 2010 eine nahezu kostendeckende Jahrespauschale, die genau ausgerechnet wurde. Problematisch sei die Erstattung für Fundtiere aus dem Landkreis: „Die Gemeinden zahlen eine Tagespauschale bis maximal 30 Tage pro Tier, egal wie lange es hier ist. Pro Hund liegt sie bei ungefähr 8,50 Euro“, sagt Plücker. Hinzu kämen Tiere aus Sicherstellungen, für die das Veterinäramt zahle. Bei jedem einzelnen Tier aus den Gemeinden müsse er mit dem Veterinäramt des Landkreises verhandeln. Für Tiere aus der Stadt Kassel seien die Kosten auch durch die Jahrespauschale gedeckt. Er wolle die Gemeinden nun anschreiben und zumindest einen höheren Tagessatz erreichen, so der Tierheimleiter.

Auch die Spendenstruktur habe sich verändert. Es kämen mehr Spenden, dafür aber weniger große Beträge, sagt Plücker. Die Wau-Mau-Insel habe gegenüber kleinen Tierheimen aber den Vorteil, dass sie durch die hohe Fluktuation von 1 500 Tieren im Jahr mehr potentielle neue Spender ansprechen könnten. Auch die Zusammenarbeit mit neun Tierheimen im Verein „Bund gegen Missbrauch der Tiere“ sorge für gegenseitige Hilfestellungen. Die Existenz der Wau-Mau-Insel sei zwar nicht bedroht, aber „wenn die Spenden wegfallen, wird es eng“, sagt Karsten Plücker. Daher zähle jede Unterstützung.

Wer helfen möchte, kann an das Spendenkonto bei der Kasseler Sparkasse überweisen: IBAN: DE19 5205 0353 0000 0707 00,

BIC: HELADEF1KAS

Infos: www.wau-mau-insel.de

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