Für Reihenhaussiedlung am Nordend

Zu viele Bäume gefällt: Am Jungfernkopf wurde geschützter Bestand gerodet

Schneise durch geschützten Baumbestand geschlagen: In dem Bereich, der zur Straße „Bei den Weidenbäumen“ führt, wurden 480 Quadratmeter zu viel gerodet. Foto: Rudolph

Jungfernkopf. Bei Rodungsarbeiten für die geplante Reihenhaussiedlung am Nordend ist eine Panne passiert: Es wurden von einem Subunternehmen 480 Quadratmeter mehr gerodet als beauftragt war.

Schlechter Start für das Neubauprojekt am Nordendweg: Bei den vorbereitenden Arbeiten für die Reihenhaussiedlung am Jungfernkopf wurden mehr Bäume gefällt als geplant. Statt nur die Baufläche zu roden, hat das mit der Rodung beauftragte Unternehmen eine Schneise bis zur Straße „Bei den Weidenbäumen“ geschlagen.

Die Deutsche Reihenhaus AG als Bauträger bestätigte die Panne auf Nachfrage der HNA. „Das hätte nicht passieren dürfen“, sagte ein Sprecher. Es handele sich um eine Fläche von 480 Quadratmetern, auf der rund 25 Bäume und Sträucher versehentlich gefällt worden seien. Der beauftragte Unternehmer habe dafür keine Anweisung gehabt, betonte der Sprecher.

Problematisch ist der Fehler vor allem, weil die Stadt das Gehölz in diesem Bereich als schützenswert eingestuft hatte. Seit Bekanntwerden der Neubaupläne hatte es in der Nachbarschaft Protest gegen die Erschließung der Reihenhaussiedlung gegeben, die vom Nordendweg erfolgen wird. Die Forderung der Anwohner nach einer Zuwegung von Norden von der Straße „Bei den Weidenbäumen“ her, hatte die Stadt mit Verweis auf den unberührten, alten Baumbestand abgelehnt, der nun zum großen Teil gerodet wurde.

2018 soll alles fertig sein: 27 Reihenhäuser sollen auf dem schmalen Grundstück entlang der ICE-Strecke am Jungfernkopf entstehen. Die Nachfrage nach den Häusern ist laut Deutscher Reihenhaus AG bereits groß. Foto: Deutsche Reihenhaus/nh

Die Deutsche Reihenhaus AG bemüht sich nun um Wiedergutmachung. An der geplanten Erschließung über den Nordendweg ändert sich durch die versehentliche Rodung des Bereichs nichts. Sprecher Achim Behn betonte, dass man keinen Vorteil davon habe, dass die Bäume weg seien. „Im Gegenteil, wir erleiden dadurch einen wirtschaftlichen und einen Imageschaden.“ Eine mögliche Erklärung, wenn auch keine Entschuldigung für den Fehler sei, dass bei Baumzählungen im Vorfeld der Arbeiten viele Stämme markiert worden seien, so Behn. „Vielleicht wurde das von unserem Auftragnehmer missinterpretiert.“

Die Stadt Kassel hat bereits ein Verfahren wegen der unerlaubten Baumfällung eingeleitet. Man habe der Deutschen Reihenhaus AG im Zuge der Baugenehmigung eine Erlaubnis für Baumfällungen im Bereich der Baufläche erteilt, nicht jedoch für den geschützten Bereich im Norden, sagte ein Rathaussprecher. Die Rodung dort stelle einen „erheblichen Eingriff“ nach Naturschutzrecht dar. Man sei mit der Deutschen Reihenhaus bereits im Gespräch, wie der Bereich wieder aufgeforstet werden könne. Über mögliche weitere Konsequenzen für den Bauträger konnte die Stadt noch nichts sagen.

Die Panne „passt ins Bild“, sagt Ortsvorsteher Christian Unverzagt (SPD) über die versehentlich gefällten Bäume. Damit setze sich die mangelhafte Informationspolitik im Vorfeld des Bauprojekts konsequent fort. Die Anwohner, deren Wunsch nach einer Erschließung mit Hinweis auf den schützenswerten Baumbestand versagt worden sei, müssten sich beim Anblick des Kahlschlags belogen fühlen. 

Hintergrund

Die Deutsche Reihenhaus AG baut in dem neuen „Wohnpark Am Jungfernkopf“ 27 Reihenhäuser. Das Unternehmen aus Köln investiert nach eigenen Angaben 6,7 Millionen Euro in das Vorhaben. Die Häuser (Typ: „120m2 Wohnraum“) bieten jeweils 120 Quadratmeter Wohnfläche. Die Preise für ein Reihenmittelhaus inklusive Grundstück starten bei 210 000 Euro. Auf dem Gelände entstehen auch 43 Parkplätze, davon 18 in Garagen, sowie 54 Fahrradstellplätze. Mit dem Bau der Häuser soll im zweiten Quartal des Jahres begonnen werden. Bis zum Sommer 2018 soll der Wohnpark nach derzeitiger Planung fertig sein. Die Nachfrage nach den Reihenhäusern am Jungfernkopf ist laut Deutscher Reihenhaus „hervorragend“. Täglich meldeten sich vier bis fünf neue Interessenten. Erste Reservierungen sollen in diesen Tagen geschrieben werden.

Die Reihenhausanlage am Jungfernkopf ist das zweite Projekt der Deutschen Reihenhaus AG in Kassel. Am Lindenberg hat das Unternehmen auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei bereits einen Wohnpark mit 53 Reihenhäusern errichtet. Er soll Ende des Jahres fertig sein.

http://www.reihenhaus.de/

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