Parkbesucher ergriffen die Flucht

Junikäferschwarm sorgte an der Orangerie für Aufregung

Ergriffen die Flucht: Parkbesucher verließen wegen des Käferschwarms am Freitagabend die Karlsaue. 

Kassel. Freitagabend auf der Karlswiese vor der Orangerie. Viele documenta-Besucher und Kasseler genießen den Sonnenuntergang. Plötzlich ergreifen alle die Flucht. Der Grund: Junikäfer.

Ein lauer Sommerabend und von der Orangerie her tönte Livemusik. Viele hatten es sich am Freitag auf der Wiese in der Kasseler Karlsaue mit einem Picknick gemütlich gemacht, spielten Frisbee oder saßen auf den Bänken. Entspannt - bis neue Besucher aus der Luft kamen. Plötzlich brauch Hektik aus und fluchtartig verließen Menschen in Scharen die Wiese. Was war denn da los?

Erst tauchten sie vereinzelt auf, dann wurden es immer mehr: Junikäfer. Auffällig große Insekten, die sich scheinbar unkontrolliert fliegend auf ihre menschlichen Ziele zubewegten. Die abendliche Stille wurde von einem lauten Brummen gestört, mit dem sich heranfliegende Käfer ankündigten. Zuerst wurden vorwiegend stehende Personen angeflogen. Mit Vorliebe nah an den Ohren vorbei. Die Käfer setzten sich auf mehr oder weniger gemachte Frisuren und gesellten sich auf Picknickdecken mit dazu. Wenn sie im Schwarm fliegen, orientieren sich die Insekten nämlich am Horizont und peilen hohe Dinge wie Bäume oder Häuser an. In der Karlsaue sind das dann eben stehende Menschen. Vor denen haben Junikäfer nämlich keine Angst. Sie treten in der Dämmerung oft in ganzen Schwärmen auf und sorgen gerade in Stadtgebieten für Wirbel.

Man könnte meinen, es ist ihre Größe, die es ihnen unmöglich macht, elegant durch die Lüfte zu gleiten. Sie wirken behäbig und betrunken, wie sie durch die Sommerabendluft torkeln. Der Grund für ihre kopflosen Flüge ist aber ein anderer. Die Junikäfer sind auf Partnersuche. Da kann man ja schon mal die Orientierung verlieren. Das passierte allerdings auch einigen Parkbesuchern beim Zusammentreffen mit den Käfern.

Ergriffen die Flucht: Parkbesucher verließen wegen des Käferschwarms am Freitagabend die Karlsaue. 

Jeder schlug wie wild um sich. Eine junge Frau dabei aus Versehen ihre Freundin. Eine Gruppe Jugendlicher versuche einen verirrten Käfer unter einem T-Shirt zu befreien. Reihenweise sprangen die vorher ruhig dasitzenden Sonnenuntergangsgenießer auf. Käfer in den Haaren und in der Kleidung. Mit Decken und Jacken über dem Kopf flüchteten sie in den hinteren Teil der Aue.

Und nicht nur kreischende Teenie-Mädels, auch Zwei-Meter-Männer brachten die Brummer mühelos in Bewegung. Ein kleines Mädchen stellte mit Maikäfer im Nacken eine neue Bestzeit auf ihrem Fahrrad auf.

Dabei sind Junikäfer für Menschen harmlos, im Garten allerdings können sie zum Problem werden, wenn sie beispielsweise ganze Büsche kahl fressen.

So plötzlich wie sie kamen, verzogen sie sich die abendlichen Besucher auch wieder. Nach einer Viertelstunde war der Käfer-Spuk dann schon vorbei. Gut zu wissen, dann kann man die nächste Begegnung entspannter angehen lassen. 

Von Maxi Weber und Miriam Benhadid

Hintergrund: Der Junikäfer

Der Junikäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer und sind mit den Maikäfern eng verwandt. Regional werden auch Maikäfer, die im Juni auftreten als Junikäfer bezeichnet. Die Käfer haben eine Körperlänge von etwa 14 bis 18 Millimetern. Die Käfer sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber. Sie fliegen in der Dämmerung warmer Nächte von Ende Juni bis in den Juli hinein in teilweise großen Schwärmen. Im Stadtgebiet und im Landkreis wurde zuletzt vielfach von Käferschwärmen berichtet. Wegen ihres unkoordinierten Flugs würden die behaarten Käfer auch „Torkelkäfer“ genannt. Durch den brummenden Flügelschlag entsteht der Eindruck, man werde angegriffen. Für Menschen allerdings sind die Käfer ungefährlich. Sie beißen und stechen nicht.

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