Streit unter albanischen Spielern führte zur Schlägerei

Fußball-Massenschlägerei: Prozess wurde eingestellt

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Kassel. Das juristische Nachspiel einer Massenschlägerei auf einem Spielfeld der Waldauer Wiesen im November 2013 ist am Mittwoch vor dem Kasseler Amtsgericht schnell beendet gewesen.

Das Verfahren gegen die drei Angeklagten im Alter von 26, 29 und 30 Jahren wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen Geldauflagen eingestellt. Die Männer müssen zwischen 300 und 1000 Euro an gemeinnützige Institutionen zahlen.

Es habe zwar ein öffentliches Interesse an der Verfolgung der Verantwortlichen der Massenschlägerei gegeben, sagte Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt. Allerdings würden den Steuerzahlern mit der Einstellung des Verfahrens mindestens zwei weitere Verhandlungstage sowie die Anhörung von 30 Zeugen erspart. Es sei nämlich auch nicht abzusehen gewesen, was in diesem Verfahren herausgekommen wäre, wenn alle Zeugen ausgesagt hätten.

Fest steht, dass zumindest der 30-jährige Angeklagte (die beiden anderen schwiegen vor Gericht) der Anklage widersprach. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, am 3. November 2013 im Vorfeld des Fußballspiels zwischen Hajduk Kassel und SVH Kassel einen 25-jährigen Hajduk-Spieler ohne Vorwarnung auf dem Parkplatz geboxt und geschlagen zu haben. Beide kennen sich und haben albanische Wurzeln. Zwei Stunden später soll der 30-Jährige mit den beiden Mitangeklagten das Spielfeld gestürmt haben, um den 25-Jährigen erneut zu attackieren.

„Das stimmt so nicht“, sagte der 30-Jährige. Als er damals aus seinem Auto auf dem Parkplatz ausgestiegen sei, sei er von dem 25-Jährigen Hajduk-Spieler geschlagen worden. Anschließend sei er zu seinem Platz gegangen und habe von der Ersatzbank aus das Spiel seiner Mannschaft AFC Kassel (Albanischer Fußballclub Kassel) gegen Serbia verfolgt. In der 71. Minute sei er dann eingewechselt worden. Von der Massenschlägerei auf dem Nachbarplatz habe er nichts mitbekommen. Zudem habe er auch nicht die beiden Mitangeklagten, seinen jüngeren Bruder (26) und einen 28-Jährigen aus Kassel, dazu angestiftet, den Nebenplatz zu stürmen.

Welche Rolle die beiden Letzteren bei der Massenschlägerei auf dem Fußballplatz gespielt haben, wurde vor dem Amtsgericht nicht erörtert. Beide gaben nur an, dass sie dabei auch verletzt worden seien. Blaue Augen, Prellungen am ganzen Körper und eine gebrochene Nase wurden von Ärzten attestiert. Die Verletzungen spielten schließlich auch eine Rolle, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen.

Die Ursache der Massenschlägerei ist offenbar auch auf einem Fußballplatz zu finden. Der 30-jährige Angeklagte erzählte, dass es vier Wochen zuvor mit dem 25-jährigen Hajduk-Spieler in Kaufungen zu einem Streit gekommen war, nachdem dessen Bruder sich mit einem schwarzen AFC-Spieler vor einem Freistoß geohrfeigt habe. Der 25-jährige Hajduk-Spieler sei daraufhin zu ihm gekommen und habe gesagt: „Wir sind doch alles Albaner. Warum lässt du uns den Schwarzen nicht schlagen?“

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