Comedian Mittermeier: "Nur Drogenkinder und Ossis heißen Kevin."

Ist dieser Vorname wirklich ein Fluch? So schwer haben es Kevins

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Mir ihm fing alles an: Macaulay Culkin 1990 als Kevin in der US-Komödie "Kevin - Allein zu Haus".

Seitdem Juso-Chef Kevin Kühnert die Politik aufmischt, wird auch über seinen Vornamen geredet. Haben es Kevins wirklich so schwer? Wir haben zwei gefragt.

Wenn man dem Kasseler Doktoranden Kevin Schumann einen Kevin-Witz erzählt, macht er es so wie der Juso-Chef Kevin Kühnert. Der Gag geht so: "Geht ein Kevin zur Uni." Kevin Schumann lacht dann laut. Der Sozialdemokrat Kühnert, der seit der SPD-Debatte über die GroKo der berühmteste Kevin der Republik ist, hat in den vergangenen Wochen ziemlich viele Witze einfach so weggelacht, die Journalisten ihm erzählt haben.

Der Berliner Nachwuchspolitiker musste ziemlich oft erklären, warum es besser sei, in der Opposition zu sitzen statt Politik zu gestalten. Und fast so oft musste er erzählen, wie schwer es ist, als Kevin durchs Leben zu gehen. Der Name ist der Horst für die 20- bis 30-Jährigen und ein Phänomen. Es gibt ellenlange Aufsätze, in denen beschrieben wird, wie ein ganz normaler Name zum Horror wurde.

Kevin Schumann hat seinen Namen noch nie verflucht. Aber es vergeht kaum eine Woche, in der er nicht mit Kevin-Klischees konfrontiert wird. Gerade erzählte ihm die Cousine seiner Freundin, die in einem Kinderheim arbeitet, von zwei auffälligen Jungen in der Gruppe. Die heißen - natürlich: Kevin.

Kevin Schumann

Es gibt Studien, die beweisen, dass Grundschullehrer Kevins benachteiligen. Bei dem Namen denken sie automatisch an Kinder, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen, vielleicht unter ADHS leiden und in der Pause die Sebastians verkloppen. Vielleicht ist daran der Comedian Michael Mittermeier schuld. Der witzelte 2005 zum ersten Mal: "Nur Drogenkinder und Ossis heißen Kevin." Väter, die ihren Sohn danach noch Kevin nannten, waren so mutig (oder von Sinnen) wie die Frauen, die sich ein Arschgeweih über dem Steiß tätowieren ließen.

Im Internet gibt es einen Kevinometer, mit dem angehende Eltern herausfinden können, welche Vornamen schon zu oft vergeben wurden. Wenn man Leute nach berühmten Kevins fragt, fallen ihnen die gelinde gesagt verhaltensauffälligen Fußballer Kevin Großkreutz und Kevin Prince-Boateng sowie andere Sportler ein, aber keine Wissenschaftler, Schriftsteller oder angehende Nobelpreisträger.

Vielleicht ändert sich das durch junge Männer wie Kevin Schumann. Der 26-Jährige, der aus Melsungen stammt, hat in Heidelberg Jura studiert und promoviert nun in Kassel am Institut für Wirtschaftsrecht über "Sekundärinsolvenzverfahren nach der Europäischen Insolvenzverordnung 2017. Schattendasein oder ein wichtiger Schritt in Richtung europäischer Sanierungskultur." Als Nichtjurist ist man schon froh, wenn man bei der Aussprache des Titels keine Insolvenz anmelden muss.

In Seminaren nimmt er sich manchmal selbst auf den Arm. Er sagt: "Als Kevin strahle ich nicht die ganz große Kompetenz aus. Aber ich habe Rechtswissenschaften studiert und darf daher etwas über europäisches Insolvenzrecht erzählen. Das kommt nicht nur bei denen gut an, die ebenfalls Kevin heißen.

Als er 1991 geboren wurde, war Kevin einer der beliebtesten Namen in Deutschland, und zwar nicht nur in den neuen Bundesländern. Im Kino lief gerade die US-Komödie "Kevin – Allein zu Haus" und Hollywood-Star Kevin Costner war so beliebt wie heute Leonardo DiCaprio. Schumanns Eltern hatten einfach ein Faible für angelsächsische Namen. Wäre seine Schwester Linda ein Junge geworden, hätte sie den Namen Adam bekommen.

Kevin Koch

Auch die Eltern von Kevin Koch waren weder Fans von Kevin Costner noch vom ehemaligen englischen Nationalkicker und HSV-Profi Kevin Keegan, wegen dem der Berliner Juso-Chef Kühnert Kevin heißt. "Er sollte einfach gut klingen mit Koch", sagt der 27-Jährige, der aus Vellmar stammt, in Göttingen Wirtschaftsinformatik studiert hat und dort nun über Empörungswellen in sozialen Medien promoviert, also Shitstorms. 

Das passt schon deshalb, weil man als Kevin ständig eine Art Shitstorm über sich ergehen lassen muss. Koch erinnert sich an seine Schulzeit: "Meine Grundschullehrerin war bei mir genervter als bei anderen. Allerdings war ich auch nicht der Ruhigste."

Heute ist er davon überzeugt, dass man auch "als Kevin etwas werden kann. Eine Name ist nur ein Name." Der Satz klingt mehr nach Philosophie als nach Wirtschaftsinformatik. Er und Schumann sind nicht die einzigen Kevins an den Universitäten. Schumann hatte etwa einen Kommilitonen, der "auch nicht auf den Kopf gefallen war und ein sehr akzeptables Staatsexamen" abgelegt hat. 

Beide wissen noch nicht, wie ihre Kinder heißen sollen, wenn sie irgendwann Väter werden sollten. Vielleicht lassen sie sich vom Kevinometer inspirieren. Vielleicht erzählen sie auf der nächsten Uni-Party auch einfach diesen Kevin-Witz: "Die 18-jährige Mutter Chantal hat zwei Söhne, beide heißen Kevin. Woran kann man sie unterscheiden? Am Nachnamen." Gegen Chantals haben es Kevins im Leben ziemlich leicht.

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