Bauprojekt soll zehn Jahre dauern

JVA Wehlheiden wird saniert - Anwohner fürchten jahrelangen Lärm durch Lkw-Verkehr

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Sie planen die Sanierung der Justizvollzugsanstalt Kassel I in Wehlheiden: (von links) Anstaltsleiter Jörg-Uwe Meister, Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Torsten Kunze, Abteilungsleiter Strafvollzug im Justizministerium, und Architekt Michael Müller.

Die JVA Wehlheiden soll saniert werden - das Bauprojekt ist angelegt auf zehn Jahre. Anwohner fürchten sich jetzt vor jahrelangem Lärm durch Lkw-Verkehr.

Die JVA Kassel I in Wehlheiden, in der 460 Gefangene inhaftiert sind, soll saniert werden. Zehn Jahre lang soll das dauern. 

Die Menschen, die rund um das Gefängnis mit höchster Sicherheitsstufe in Hessen leben, sind besorgt, dass sie durch Lkw-Verkehr und Lärm über Jahre belästigt werden. 

Die JVA Kassel I in Wehlheiden wurde 1882 gebaut

Nach über 137 Jahren soll das Gebäude zum ersten Mal grundsaniert werden. Über 100 Menschen, die rund um die beiden Gefängnisse in Wehlheiden leben, haben am Dienstagabend an einer Infoveranstaltung mit Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Anstaltsleiter Jörg-Uwe Meister, dem Architekten Michael Müller und weiteren Experten im Sara-Nussbaum-Zentrum teilgenommen.

Mittlerweile liegt die Baugenehmigung für die Sanierung vor, die zwischen 100 und 120 Millionen Euro kosten soll und voraussichtlich zehn Jahre dauern wird. Bei solch einer Großbaustelle haben die Anwohner natürlich viele Fragen und Befürchtungen. 

JVA-Sanierung: Die Antworten zu den wichtigsten Fragen zum Bauprojekt:

Warum ist eine Sanierung des Gefängnisses notwendig?

Nach so einer langen Zeit ist es eigentlich klar, dass Dach und Fassade erneuert werden müssen. Zudem müssen der Brandschutz, Elektro- und Wasserinstallationen sowie die sanitären Anlagen auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden, sagte Anstaltsleiter Meister. 

Zudem müsse die Sicherheitstechnik in dem Gefängnis mit höchster Sicherheitsstufe in Hessen erneuert werden (die JVA sei derzeit natürlich auch noch sicher). Die Sanierung sei ein großer Schritt für die JVA, auf die man lange gewartet habe. Es würden nicht nur die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten verbessert, sondern auch die Unterbringung der Inhaftierten.

Ein Anwohner wollte wissen, warum man das Gefängnis nicht einfach abreißt und mit Blick auf die vielen Baustellen in Wehlheiden eine neue Anstalt irgendwo anders baut?

Die Frage sei diskutiert worden, so Kühne-Hörmann. Die Ministerin wies aber auch darauf hin, dass die JVA an dieser Stelle schon seit mehr als 137 Jahren steht, die Nachbarn seien erst später gekommen. Zudem wolle man das vorhandene Gefängnis nicht vergrößern, sondern nur den Zustand der Gebäude verbessern. Es handele sich um eine JVA mit gefährlichen Gefangenen. Es sei nicht einfach, dafür einen neuen Standort zu finden. Ein Gefängnis für 460 Gefangene irgendwo neu zu bauen, sei ein Experiment. Ein Neubau sei auch nicht unbedingt günstiger als die Sanierung. Meister wies auch darauf hin, dass die JVA mit 335 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber in Kassel ist. Darüber hinaus profitierten viele Handwerksbetriebe und Dienstleister von dem Standort.

Warum dauert die Sanierung zehn Jahre?

Ministerin Kühne-Hörmann verglich die Sanierung der JVA mit einer Operation am offenen Herzen. Man könne aus Sicherheitsgründen nicht alle Gebäude auf einmal räumen und sanieren, sondern nur Abschnitt für Abschnitt. Zudem seien für die eigentlichen Bauarbeiten am Gefängnis viele Vorarbeiten notwendig. In den nächsten Tagen werde zum Beispiel damit begonnen, die Grünfläche an der Windmühlenstraße, wo später die Lkw und weitere Baufahrzeuge geparkt werden, nach Kampfmitteln abzusuchen. In einem zweiten Schritt soll dann eine drei Meter hohe Sicht- und Lärmschutzwand entlang der Windmühlenstraße errichtet werden. Diese rund 80 Meter lange Mauer, die begrünt wird, soll die Anwohner vor Belästigungen durch die Baustelle schützen.

Wie kommen die Lkw zur Baustelle?

Das werde mit den Firmen vertraglich vereinbart, so Architekt Michael Müller, der mit der Generalplanung für die Sanierung beauftragt worden ist. Alle Lkw sollen von der Ludwig-Mond-Straße kommen. Am Düsseldorfer Hof biegen sie in den Zwehrener Weg und dann in die Windmühlenstraße ab, wo sie die Baustelle etwa in Höhe der Boppenhausenstraße befahren und hinter der Schutzmauer verschwinden. Es sei nicht geplant, dass irgendein Baufahrzeug auf der Windmühlenstraße parke. Den Anwohnern würden während der Bauphase auch keine Parkplätze weggenommen.

Der Zwehrener Weg und die Windmühlenstraße seien schon jetzt in einem schlechten Zustand. Viele Häuser hätten Risse, weil der Untergrund der Straße nicht für schwere Fahrzeuge wie Busse und Lkw geeignet sei, sagten Anwohner. Wer kommt für die Schäden auf, die durch die JVA-Sanierung entstehen?

In den nächsten Wochen würden Gutachter die Anwohner der betroffenen Häuser in den beiden Straßen aufsuchen, um dort eine Beweissicherung vorzunehmen, so Kühne-Hörmann. Das bedeutet: Der Istzustand der Häuser werde dokumentiert. Sollten durch den Lkw-Verkehr Schäden an den Häusern entstehen, hätten die Bewohner entsprechende Ansprüche an das Land. 

Zudem würden auch die beiden Straßen von den Gutachtern unter die Lupe genommen. Seien diese für den schweren Lkw-Verkehr nicht geeignet, müssten Stadt und Land nach einer Lösung suchen, so die Ministerin.

Viele Anwohner fürchten den Baustellenlärm. Wann wird damit zu rechnen sein?

Laut Generalplaner Müller wird werktags von 7 bis 16 Uhr gearbeitet. Zudem versuche man, die Anfahrt der Lkw zu entzerren. Hinter der Schutzmauer werde in der Mauer zur JVA eine Sicherheitsschleuse mit Drehtoren gebaut, die mechanisch von Hand bedient werde. JVA-Bedienstete sind übrigens auch für die Sicherheit an der Schleuse zuständig. Außen würden nur Dach und Fassade der JVA saniert, der Baukörper bleibe an und für sich erhalten, so Müller. Ein Großteil der Sanierungsarbeiten finde innerhalb der JVA-Mauern statt.

Werden die Gefängniszellen in der sanierten Anstalt größer?

Nein, sagt Architekt Müller. Nur die Fenster würden nach unten hin vergrößert. Als das Gefängnis im Jahr 1882 gebaut wurde, gab es die Philosophie, die Fenster so hoch in die Zelle einzubauen, damit die Gefangenen nur zu Gott hochschauen konnten, um geläutert zu werden. 

Höhere Fenster sollen den Gefangenen nicht nur mehr Licht liefern, sondern auch den Energieverbrauch in der Anstalt senken. Gitter kommen natürlich auch vor die neuen Fenster. Die Zellen werden mit neuen Möbeln und Toiletten ausgestattet. Letztere sollen künftig vom Rest des Raums abgetrennt werden.

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