Amtsübergabe am 10. Mai an Nachfolger Burkhard Lohr 

K+S-Chef Steiner verabschiedet sich mit einer verhagelten Bilanz

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Tritt am 10. Mai im Anschluss an die Hauptversammlung ab: K+S-Vorstandsvorsitzender Norbert Steiner. Er führt den Konzern seit 2007.  

Kassel. Sein letztes Jahr als K+S-Vorstandschef hatte sich Norbert Steiner sicherlich anders vorgestellt: Mit Umsatzplus, einem guten Ergebnis und der Inbetriebnahme des neuen Bergwerks in Kanada.

Es kam anders, ganz anders. Wegen der drastischen Beschneidung der Erlaubnis zur Versenkung von salzhaltigem Abwasser in den Untergrund und einer leeren Werra gab es monatelange Produktionsausfälle im Verbundwerk im hessisch-thüringischen Kalirevier, die dem MDax-Konzern 200 Millionen Euro gekostet und die Bilanz verhagelt hat. 

Havarie in kanadischem Bergwerk
Damit nicht genug. Eine schwere Havarie im obertägigen Kaliwerk in Kanada – dort stürzte ein zigtonnen schwerer und 28 Meter hoher Prozessbehälter zu Boden und zerstörte weite Teile der nagelneuen Anlage – führte zu einer Verzögerung der nun für dieses Frühjahr geplanten Inbetriebnahme.

Anklage wegen Gewässerverunreinigung 
Und als ob das alles noch nicht reichte, kam dann noch eine – mittlerweile nicht angenommene – Anklage der Thüringer Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Gewässerverunreinigung gegen den 62-Jährigen und Noch-Aufsichtsratschef Ralf Bethke sowie zwölf weitere hochrangige K+S-Mitarbeiter und drei Beschäftigte des Thüringer Bergamts hinzu. „Es war ein wirklich schlimmes Jahr“, resümierte der 62-jährige Jurist gestern während der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Wird neuer Chef: Der K+S-Finanzvorstand Burkhard Lohr.

Es war die letzte von insgesamt 17 dieser Termine. Denn seit 2000 nahm er zunächst als Vorstand und ab 2007 als dessen Vorsitzender an dieser Veranstaltung teil. Nach der Hauptversammlung am 10. Mai ist Schluss, wechselt Steiner in den Ruhestand. Wehmut, versicherte er den anwesenden Journalisten, habe er nicht. Er sei nach wie vor voll im Geschäft und schließlich noch 56 Tage im Amt. „Ich habe ordentlich zu arbeiten“, erklärte er.

Mehr reisen

Die Frage, was er im Ruhestand zu tun gedenke, beantwortete Steiner ausweichend. Nur so viel: Er sei in zwei Aufsichtsräten und könne sich vorstellen, in einem weiteren Kontrollgremium mitzuarbeiten. Ach ja, seine Frau wünsche, häufiger und länger zu reisen. „Ich bin sicher, dass ich die Zeit danach gut nutzen werde“. Und wie es sich für einen Bergmann geziemt, verabschiedete sich Steiner am Ende mit einem kraftvollen „Glückauf“.

Arbeit unter Tage: Bergbautechnologe Marcel Sauermann setzt am K+S Standort Fulda-Neuhof die Firstanker. Sie werden in die Firste (Decke) gebohrt und sorgen für Stabilität in großer Tiefe.  

Zuvor hatten er und sein designierter Nachfolger, Dr. Burkhard Lohr, noch einmal die mittelfristigen Perspektiven des deutschen Rohstoffkonzerns umrissen. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung werde der Bedarf an Kali, das in einer leistungsfähigen Landwirtschaft durch nichts ersetzt werden könne, steigen.

K+S könne den Markt sowohl mit Standardprodukten – künftig auch mit solchen aus der neuen kanadischen Mine – als auch mit hochpreisigen Spezialitäten aus Deutschland sowie von einer zugekauften Tochter in China und einer Beteiligung in Saudi-Arabien bedienen. „Wir sind auf zwei Geschäftsfeldern hervorragend aufgestellt“, sagte Lohr unter Hinweis auf die Sparten Kali und Salz. Man werde neue Märkte und Geschäftsfelder erschließen, die Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern und die Arbeitsplätze sichern.

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