Übernahme wäre leicht

Analyse: Die meisten K+S-Aktionäre werden verkaufen, wenn der Preis stimmt

Kassel. In den Übernahme-Poker um den Kasseler K+S-Konzern kommt Bewegung. Gestern erneuerte der kanadische Düngemittelriese Potash sein Angebot über 41 Euro je Aktie.

Ob er angesichts der erneuten Abfuhr aus Kassel die feindliche Übernahme wagt, ist weiter unklar. Völlig klar dagegen ist, dass es vergleichsweise einfach wäre, weil K+S keinen starken Anteilseigner, einen so genannten Ankeraktionär, hat, der den Angreifer mit einer Sperrminorität von mindestens 25,1 Prozent abwehren könnte. Denn für die Komplettübernahme muss der Bieter über 75 Prozent der Aktien einsammeln, um dann über den so genannten „Squeeze out“ (herausdrängen) die restlichen Aktien zwangsweise kaufen zu können.

Wenn die Kanadier die Kasseler um jeden Preis übernehmen wollen - also auch gegen den Willen von Management, Beschäftigten, Gewerkschaften, Regionen und Politik - brauchen sie nur ein paar Euro draufzulegen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die meisten Aktionäre nur darauf warten, dass Potash nachbessert.

Die zehn größten K+S-Anteilseigner, die gemeinsam 28 Prozent des Kapitals halten, sind alle Investmentgesellschaften, Großbanken und Versicherungen. Ihre Geschäftspolitik orientiert sich ausschließlich an der Rendite. Das größte Aktienpaket hält US-Investor Blackrock, der global bedeutendste Vermögensverwalter. 5,21 Prozent der 191,4 Millionen Aktien nennt er sein eigen - also knapp zehn Mio. Titel. Auf den nächsten Rängen folgen der Meritus Trust (Bermudas), der britische Versicherer Prudential, die Deutsche Bank und schließlich auf Platz fünf der Schweizer Bankriese UBS.

Aber auch den meisten Kleinaktionären kann man unterstellen, dass sie sich bei diesem Poker nicht von Emotionen, sondern allein von der Rendite leiten lassen - zumal 82 Prozent des Kapitals von ausländischen Investoren gehalten wird. Viele von ihnen wissen nicht einmal, wo Kassel, das hessisch-thüringische Kalirevier oder Grubenstandorte in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt liegen. Mit Solidarität mit Regionen und Beschäftigen ist da nicht zu rechnen. Mit Spannung wird die Auswertung einer Aktionärbefragung Anfang kommender Woche erwartet. Dann wird man sehen, wie die Kleinanleger über die angestrebte Übernahme denken.

Ob Potash bereit ist, den Preis entgegen derzeitiger Ankündigungen doch noch anzuheben und in welchem Umfang, ist unklar. Während einige Analysten die gebotenen 41 Euro für angemessen halten, sehen andere eine realistische Bewertung bei bis zu 55 Euro.

Die Frage ist, wie weit Potash gehen kann und darf: Bei einem Preis von beispielsweise 48 Euro je Aktie müssten die Kanadier einschließlich Schulden und sofort rückzahlbaren Anleihen rund elf Milliarden Euro auf den Tisch legen - auch für sie viel Geld. Sowohl intern als auch unter den Aktionären wachsen nach Informationen aus Branchenkreisen Bedenken gegen diesen Mega-Deal, der aus Käufersicht Chancen, aber auch unwägbare Risiken birgt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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