Kasseler Konzern: Es liegt kein neues Angebot von Potash vor

Kurssprung bei K+S nach spekulativem Bericht über feindliche Übernahme

Notfalls mit Gewalt: Bislang wehrt sich K+S gegen das Übernahme-Angebot von Potash. Der Förderturm der Kali-Grube der K+S Kali GmbH in Unterbreizbach (Thüringen). Foto: dpa

Seit Ende Juni bemüht sich der Potash-Konzern um den Kasseler Düngemittel- und Salzproduzenten K+S. Bislang bissen die Kanadier bei den Hessen auf Granit.

Mehrfach hatte der K+S-Vorstandsvorsitzende Norbert Steiner die Offerte von 41 Euro je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen, da das langfristige Wachstumsprofil nicht angemessen widergespiegelt werde. Auch fehlen dem Kasseler Management zufolge verbindliche Zusagen zum Schutz der Interessen der weltweit mehr als 14 000 K+S-Beschäftigten. Daran hat sich aktuell nichts geändert.

Gestern Abend sorgte ein Vorabbericht des Handelsblatts für einen regelrechten Kurssprung der Aktie: Sie stieg bis 18 Uhr um 7,25 Prozent auf 36,11 Euro. Zeitweise lag der Kurs sogar über 37 Euro. Dem Bericht zufolge will der kanadische Bergbau- und Düngemittelkonzern Potash den deutschen Konkurrenten K+S im Zweifelsfall feindlich übernehmen. Einen entsprechenden Plan habe der Potash-Finanzchef Wayne Brownlee vor Brokern in Kanada ausgebreitet. Das Handelsblatt beruft sich auf Finanzkreise in Montreal.

Treffen in der Staatskanzlei

Auch die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden sei über das weitere Vorgehen der Kanadier informiert gewesen – vor gut zwei Wochen habe es ein Treffen mit Ministerpräsident Volker Bouffier gegeben, so das Handelsblatt. Laut Potash sei es dabei um weitreichende Standort- und Arbeitsplatzgarantien gegangen. Die hessische Staatskanzlei bestätigt dies so nicht. Es habe zwar das Treffen gegeben, „um eine feindliche Übernahme ist es dabei aber nie gegangen“, sagte gestern Abend Michael Bußer, Sprecher der Staatskanzlei. Potash habe seine Absichten offen gelassen. Das Gespräch habe im vertraulichen Rahmen stattgefunden. In der Konzernzentrale von K+S war von derartigen Plänen nichts bekannt. „Sollte ein neues Angebot vorliegen, werden wir es sorgfältig prüfen“, sagte gestern K+S-Sprecher Michael Wudonig.

Mehr Berater

Bereits am Wochenende hatte ein Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Übernahmefantasien an den Börsen angeheizt und den Aktienkurs von K+S angeschoben: Am Montag legte die Aktie bereits um 4,14 Prozent auf 33,67 Euro zu. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat der kanadische Konzern im Ringen um K+S bereits im Juli mit der Bank of America Merrill Lynch eine dritte Investmentbank als Fusionsberaterin angeheuert – neben Morgan Stanley und der Deutschen Bank.

Nach dem gestrigen Schub für die Aktie gehen Marktteilnehmer mittlerweile davon aus, dass die Aktie sich nun rasch der 40 Euro-Marke nähern wird. Die Kanadier bieten bislang 41 Euro je Aktie.

Außergewöhnlich bei diesem Kali-Poker ist, dass sich die Hedgefonds-Manager bislang ruhig verhalten. Normalerweise wären sie nach dem Potash-Angebot eingestiegen. Denkbar wäre, dass sie Aktienpakete aufkaufen würden und darauf spekulieren, dass es zur Übernahme kommt. Ziel wäre, Potash zu einem höheren Gebot zu bewegen. Offensichtlich glauben die Spekulanten nicht so recht daran, dass Potash mit seinem 41-Euro-Gebot das Rennen macht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.