Umstrittener Stufenplan zur Kaliförderung

Umweltschützer: Eine Kampfansage an K+S

Umweltschäden durch Versalzung: Das Bild entstand am K+S- Werk Zielitz bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Dort steht eine Erweiterung der riesigen Abraumhalde (im Hintergrund) um 210 Hektar Fläche in einem alten Laubwald an. Foto: Blankenburg (nh)

Kassel. Der Kasseler Kreisverband im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Bürgerinitiative „Salzfreies Märchenland“ in Hofgeismar sagen dem Stufenplan der hessischen Landesregierung und des Kasseler Bergbaukonzerns K+S zur weiteren Kaliförderung den Kampf an.

Die Umweltverschmutzung durch den Kalibergbau gehe weiter, die Landesregierung Hessens schütze die Gewinnmargen des DAX-Konzerns K+S, kritisieren BUND-Vorstandsmitglied Wilfried Bonnet und Professor Wolfgang Wiest für die Bürgerinitiative.

Das Thema werde den BUND auch auf Bundesebene beschäftigen, kündigt Bonnet an. Mit Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt seien fünf Bundesländer von den Umweltschäden durch den Kali-Bergbau betroffen.

Die Umweltschützer wollten auf jeden Fall und möglicherweise auch mithilfe von Gerichten verhindern, dass die hessische Landesregierung auf der Grundlage des Stufenplans einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit K+S abschließt. Außerdem setze man darauf, dass die Europäische Union der geplanten weiteren Gewässerverschmutzung durch die Kalilauge ein Ende setze, erklärt Bonnet. In Spanien seien der Kaliindustrie bereits klare Auflagen zum besseren Schutz der Umwelt gemacht worden. Der spanisch-israelische Konzern „Iberpotash“ werde ab 2015 keine Salzlauge mehr abstoßen und seine Kalihalden bis 2035 komplett abbauen.

Weil K+S sich aus Kostengründen weigere, die Abwässer einzudampfen und Rückstände der Kaliproduktion wieder zurück ins Bergwerk zu schaffen, würden sich in Deutschland die riesigen Kalihalden in den nächsten Jahrzehnten nahezu verdoppeln. Mit der Oberweser-Pipeline und großen Zwischenlagerbecken kämen weitere schwere Belastungen bis zum Jahre 2060 hinzu. Bürgerinitiativen würden sich zusammen mit Kommunen und Landkreisen mit allen Mitteln gegen die Oberweser-Pipeline wehren. Gerade im besonders schützenswerten Reinhardswald wirke eine baumfreie Schneise und das nun auf 80 Hektar Waldfläche geplante Sammelbecken für salzhaltiges Abwasser verheerend. Die Einleitung in die Oberweser sorge im Fluss für massive Schädigungen des Ökosystems.

Sanfter Tourismus

Für unsere Region, deren Entwicklung des sanften Tourismus ein wesentlicher Entwicklungsfaktor sei, „ist ein so rücksichtsloser Umgang mit der Natur untragbar“, sagt Bonnet. Notwendig und ökologisch sinnvoll wäre eine Grundsatzentscheidung zugunsten umweltverträglichem, zukunftsfähigem Bergbau anstelle von kurzfristiger Profitmaximierung. Dann seien bereits ab 2028 ein guter ökologischer Zustand der Werra herzustellen und die europäischen Wasserrahmenrichtlinien einzuhalten.

Kritik am Stufenplan von K + S und dem Land Hessen

Der von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und K+S-Vorstandschef Norbert Steiner vorgestellte Stufenplan für Werra und Weser gilt Umweltschützern als Kapitulation vor den Profitinteressen des Kasseler Konzerns. Zwar soll die als besonders riskant geltende Kaliabwasserversenkung im Erdboden bis 2021 beendet werden. Aber von der früher geplanten Nordsee-Pipeline für die Salzlauge ist keine Rede mehr. Das Kaliabwasser soll weiter in die Flüsse geleitet werden. Seit 100 Jahren dient die Werra als Deutschlands salzigster Fluss als Abwasserkanal. Und das wird, befürchten Kritiker des Plans, auch noch Jahrhunderte so bleiben.

Der Plan sieht vor, eine 140 Kilometer lange Pipeline aus dem Werrarevier zur Oberweser zu bauen. Wenn die Salzlauge ab 2021 nicht mehr in die Erde gepumpt werden darf, soll ein Teil des Abwassers nicht mehr in die Werra, sondern per Pipeline in die Oberweser fließen. Der Plan, in dem sich K + S verpflichtet, für weitere 400 Millionen Euro die Abwasserlast zu verringern, reicht bis zum Jahr 2075. Schon 2032 rechnet der Konzern mit einem Ende der Produktion im thüringischen Werk Unterbreizbach. 2060 sollen die Standorte Hattorf und Wintershall im Kreis Hersfeld-Rotenburg wegen erschöpfter Lagerstätten aufgegeben und die Halden, aus denen jeder Regen Lauge auswäscht, abgedeckt werden. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen lehnen die Oberweser-Pipeline ab, Thüringen will die Versenkung der Kali-Abwässer in den Boden und deren Einleitung in die Werra nicht mehr dulden.

Von Jörg Steinbach

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