Angebot zu niedrig - feindliche Übernahme noch möglich

K+S will sich nicht von Kanadiern kaufen lassen

Kassel. Der Kasseler Kali- und Salzkonzern K+S will sich nicht vom kanadischen Branchenkollegen Potash Corp. (PCS) kaufen lassen.

Vorstand und Aufsichtsrat haben beschlossen, das Angebot "nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung der Gesamtumstände" abzulehnen. Das teilte K+S in einer sogenannten ad-hoc-Mitteilung am Donnerstagnachmittag mit.

Aktualisiert um 18.35 Uhr

K+S-Chef Norbert Steiner bezeichnete das Angebot als zu niedrig. Die gebotenen 41 Euro je Aktie seien nicht genug. Der Gesamtwert.des Geschäfts hätte sich damit auf 7,8 Milliarden Euro belaufen und PCS zum weltweiten Branchenprimus auf dem Kalimarkt gemacht. 

Lexikonwissen:

Alle Informationen zu K+S finden Sie in unserem Regiowiki.

Allein das neue Bergwerk in Kanada sei mit elf Euro je Aktie zu bewerten und habe ein Potenzial von 21 Euro. Die vorgeschlagene Transaktion spiegele nicht den fundamentalen Wert des Unternehmens wider und sei nicht in seinem Interesse, teilte K+S weiter mit. Zudem habe Potash trotz Nachfrage keine verbindlichen Zusagen zu den Interessen der weltweit mehr als 14.000 Beschäftigten von K+S gemacht.

Auf die Fragen, ob der Vorstand ein höheres Angebot akzeptieren würde und es einen Plan B gebe, für den Fall, dass Potash an den Übernahmeplänen festhält, antwortete Steiner ausweichend. "Wir haben ein Angebot erhalten, und dazu haben wir uns positioniert", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Das neue, rund drei MilliardenEuro teure K+S-Bergwerk in der kanadischen Provinz Saskatchewan liegt praktisch vor der Haustür des Konkurrenten PCS und soll Ende 2016 in Betrieb gehen. Das Vorhaben liege im Zeit- und Kostenplan, sagte Finanzvorstand Burkhrd Lohr. K+S-Vorstandschef Steiner stellte mit Blick auf Legacy und das Sparprogramm "Fit für die Zukunft" ein kräftiges Wachstum des Konzerns in Aussicht: Bis 2020 solle sich der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 1,6 Milliarden Euro fast verdoppeln. Einer Übernahme können die Kasseler auch aus diesem Grund nichts abgewinnen: "Potash braucht uns, wir sie nicht", sagte Steiner und verwies auf die gewaltigen Überkapazitäten der Kanadier, die nicht am Markt unterzubringen seien - es sei denn, man kaufe K+S und ersetze die Mengen des Konzerns durch eigene. Zudem scheine Potash kein nachhaltiges Interesse zu haben, die verbundenen Düngemittel- und Salzaktivitäten des nordhessischen Konzerns in ihrer jetzigen Form weiterzuführen.

Ob sich die Kanadier nun zurückziehen bleibt abzuwarten. Möglich wäre auch eine so genannte feindliche Übernahme. Dazu müsste sich PCS an der Börse und bei Großinvestoren mit K+S-Aktien eindecken. Bei einem Angebot von 41 Euro je Aktie dürfte es dann kaum bleiben - die Kanadier müssten kräftig nachlegen.

Bereits 1996 hatte PCS einen Anlauf zur Übernahme genommen. Die damalige K+S-Mutter BASF wollte ein 51-Prozent-Paket am Grubengeschäft ihrer nordhessischen Tochter weiterreichen. Das Geschäft scheiterte jedoch am Bundeskartellamt. Auch der damalige Wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) lehnte den Antrag ab, den Verkauf trotz des Neins der Wettbewerbshüter zu genehmigen. Die K+S-Aktie verlor an der Frankfurter Börse bis Handelsschluss rund zwei Prozent auf 37,02 Euro.

Video

K+S hat ein Video veröffentlicht, in dem Vorstand Norbert Steiner erklärt, warum das Übernahmeangebot abgelehnt wurde. Hier sehen Sie den Beitrag.

Die HNA und Kassel Live sind dabei und berichten von der Pressekonferenz.

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