Der Kasseler Konzern will Schulden abbauen und profitabler werden

K+S schließt Abbau von Stellen nicht aus 

Kassel. Der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S will ab 2021 jährlich 150 Millionen Euro einsparen und schließt einen Stellenabbau nicht aus. Das sagte Vorstandschef Dr. Burkhard Lohr am Donerstag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. 

Aktualisiert um 17.50 Uhr - Details zu möglichen Stellenstreichungen im Zusammenhang mit der Zukunftsstrategie "Shaping 2030" gebe es aber noch nicht. Auf Nachfrage der HNA räumte er aber ein, dass eine „Straffung des Apparats“ eher die Verwaltung an insgesamt neun Standorten treffe. K+S beschäftigt weltweit 14.800 Mitarbeiter, davon etwa 700 am Unternehmenssitz Kassel. 

Unterdessen hat sich der Rohstoff-Konzern 2017 wacker geschlagen. Der Umsatz legte um fast fünf Prozent auf knapp 3,63 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis stieg sogar um 18 Prozent auf fast 271 Mio. Euro. Unterm Strich blieb ein Reingewinn von 145 Mio. Euro – ein Plus von elf Prozent. Daraus resultiert ein Dividendenvorschlag von 35 (Vorjahr: 30) Cent je Aktie. 

Ohne die Sonderaufwendung von 43 Mio. Euro für die beschlossene Schließung des Bergwerks Sigmundshall nordwestlich von Hannover zum Ende des Jahres und einen negativen Steuereffekt von 30 Mio. Euro in den USA hätte der Reingewinn bei gut 200 Mio. Euro gelegen – ein respektabler, aber gemessen an den renditestarken Vorjahren unterdurchschnittlicher Wert.

K+S hakt schwieriges Jahr ab

Der K+S-Konzern, dessen Vorstandschef Dr. Burkhard Lohr, das gesamte Management und die Beschäftigten haben ein bewegtes und anspruchsvolles Jahr hinter sich. In Kanada wurde Mitte 2017 das neue Kali-Bergwerk Bethune – die mit drei Milliarden Euro größte Einzelinvestition in der 129-jährigen Geschichte des Unternehmens – in Betrieb genommen und zum Laufen gebracht. Es trug bereits 500.000 Tonnen zum Gesamtausstoß aller K+S-Kali-Gruben von 6,7 Millionen Tonnen bei und soll schrittweise bis zur Maximal-Kapazität von zwei Millionen Jahrestonnen hochgefahren werden. 

Gleichzeitig leitete der Rohstoffkonzern mit Sitz in Kassel die Schließung des erschöpften Bergwerks Sigmundshall bei Hannover zum Jahresende ein und schloss die größte Umweltinvestition aller Zeiten im hessisch-thüringischen Kali-Revier ab. Außerdem legten die Kasseler den jahrelangen Streit mit dem BUND und der Gemeinde Gerstungen ums Trinkwasser bei und einigten sich mit den Aufsichtsbehörden über die für die Produktion im Werra-Revier unverzichtbare Erweiterung der Halde Hattorf bei Philippsthal. Ein Mammutprogramm. 

K+S will neue Geschäftsfelder erschließen

„2017 war ein Übergangsjahr, in dem wir Hürden aus dem Weg geräumt und Anlauf für die Zukunft genommen haben“, sagte Lohr bei Vorlage der Zahlen für 2017. Was er damit meint: Nach Herstellung des „Umweltfriedens“ will Lohr mit der gesamten Mannschaft nach vorn schreiten, bestehende Geschäftsfelder ausbauen und neue erschließen. 

Wenn er auch einen kurzfristigen Stellenabbau nicht ausschließen mag, mittel- und langfristig will Lohr das MDax-Unternehmen auf Wachstum trimmen. „Wir werden 2030 nicht weniger, sondern mehr Mitarbeiter haben und bekennen uns klar zu den deutschen Standorten“, sagte er. Grubenstilllegungen wie jetzt in Sigmundshall werde es lange Zeit nicht geben. Zunächst aber will K+S seine Schulden abbauen. 

Mehr Schulden als ein Jahresumsatz

Der Konzern steht mit über vier Milliarden Euro in der Kreide und schuldet damit mehr als einen Jahresumsatz. Zu viel, wie auch Finanzvorstand Thorsten Boeckers meint. Die Verbindlichkeiten sollen bis 2020 halbiert werden. Dabei helfen soll neben Investitionszurückhaltung auch strikte Kostendisziplin. Für Einsparungen sieht auch Boeckers noch genügend Spielräume. Gleichzeitig soll weiterhin ein Ankeraktionär gesucht werden, also einer, der K+S vor feindlicher Übernahme schützt. Erst 2015 scheiterte der kanadische Rivale Potash beim Versuch, K+S zu vereinnahmen. 

Unterdessen erwartet der Vorstand für das laufende Jahr einen „spürbaren Umsatz- und deutlichen Ergebnisanstieg“. Konkrete Zahlen mochten Lohr und dessen Finanzchef aber nicht nennen. Traditionell prognostiziert K+S erst nach Vorlage der Halbjahreszahlen im Spätsommer. 

In der Frage der umstrittenen Oberweser-Pipeline, durch die salzhaltiges Abwasser aus dem Kalirevier bis in den Nordzipfel des Landkreises Kassel gepumpt werden soll, erklärte Lohr, dass diese Entsorgungsalternative nicht die bevorzugte sei. Vielmehr favorisiere man die Einstapelung salzhaltigen Abwassers in ungenutzten Bergwerken. Das sei nicht ganz einfach werde derzeit geprüft. 

Wie berichtet, läuft Ende 2021 die Erlaubnis zur Versenkung von salzhaltigem Abwasser in den Untergrund endgültig aus. Wenn die Einstapelung bis dahin nicht gelingt, bleibt parallel zur Entsorgung in die Werra, nur noch die Einleitung in die Weser, was deren Anrainer strikt ablehnen. 

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