Vorstand bittet, Verkaufsentscheidungen zu vertagen

K+S will wissen, ob Aktionäre verkaufen wollen

Bekanntes Logo in der Region: K+S wehrt sich gegen eine Übernahme. Foto: Archiv

Der von Übernahme bedrohte Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S bittet seine Aktionäre in einem Schreiben, mit der Entscheidung über den Verkauf ihrer Aktien an den kanadischen Konkurrenten Potasch bis zur Vorlage eines öffentlichen Angebots abzuwarten.

K+S versucht zudem über einen Fragebogen die Stimmung der Anteilseiger in dieser Frage auszuloten.

Wie berichtet, haben die Kanadier Ende Juni Vorstand und Aufsichtsrat der Kasseler in einer vorläufigen Offerte 41 Euro je Aktien angeboten. Bei 192,4 Millionen Anteilsscheinen würde sich der Kaufpeis einschließlich Schulden und sofort rückzahlbaren Anleihen auf fast zehn Milliarden Euro summieren.

K+S hatte das vorerst freundliche Angebot Anfang Juli abgelehnt. Begründung: Es spiegele nicht den wahren Wert des Unternehmens wider und berücksichtige nicht die Interessen der 14 300 Beschäftigten und der Regionen, in denen K+S tätig sei. Unberücksichtigt beibe auch der Wertbeitrag des Legacy-Projekts (Vermächtnis), eines neuen Bergwerks, das die Kasseler derzeit in Kanda erschließen und das im kommenden Jahr angefahren werden soll.

K+S verweist in diesem Zusammenhang auch auf die angestrebte Verdoppelung des Ergebnisses von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EbitDa) auf 1,6 Mrd. Euro bis 2020 und die Dividendenpolitik des Dax-Konzerns, der traditionell 40 bis 50 Prozent des Reingewinns an die Anteilseigner ausschüttet, sowie auf das nach Ansicht des Managements große Kurspotenzial der Aktie hin.

In dem Fragebogen, der bis morgen zurückgegeben werden kann, wird unter anderem gefragt, ob die Aktionäe sich aussreichend informiert fühlen, die Ablehnung des Übernahme-Angebots unterstützen oder ein offizielles Angebot annehmen würden. K+S-Sprecher Michael Wudonig erklärte: „Die Meinung der Aktionäre ist uns sehr wichtig. Daher wollen wir uns anhand dieser Befragung ein aktuelles Stimmungsbild unter den Aktionären einholen, um auch in Zukunft deren Interessen bestmöglich vertreten zu können“.

K+S, Belegschaft und Gewerkschaft, die Region und das Land befürchten, das Potash deutsche Standorte schließt und Stellen abbaut, was die Kandier verneinen. Das Mangement verlangt gerichtsfeste Beschäftigungssicherungs- und Standortzusagen, die Potash laut K+S bislang nicht abgegeben hat.

Hilgen sichert Kali-Konzern Hilfe zu

In einem Brief an K+S-Chef Norbert Steiner sowie Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Harald Döll sichert Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen Management und Belegschaft jede Hilfe bei der Abwehr einer Übernahme zu. „„Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen, um im Sinne des Unternehmen und seiner Mitarbeiterschaft Unterstützung zu leisten“, schreibt er.

Die Stadt schätze sich glücklich, dass K+S seinen Unternehmenssitz in Kassel hat – nicht nur, weil das Unternehmen ein attraktiver und verantwortungsvoller Arbeitgeber sei. Hilgen: „Auch im gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens ist K+S mit großem gemeinwohlorientiertem Engagement präsent und unterstreicht damit seine Verbundenheit mit Stadt und Region.“ Welche Konsequenzen ein Wechsel in die Hände des kanadischen Mitwerbers hätte, sei auf mittlere Sicht unabsehbar.

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