Streit von Unitymedia mit ARD und ZDF: Wird Kabel-TV deswegen teurer?

Der Extremfall: Sollten sich ARD und ZDF nicht bis Jahresende mit den Kabelanbietern über die Einspeisevergütung einigen, könnte es passieren, dass die Netzbetreiber Programme aus ihrem Netz verbannen – oder ihre Kunden stärker zur Kasse bitten.

Kassel. ARD und ZDF wollen nicht mehr dafür zahlen, dass ihre Programme im Kabelfernsehen übertragen werden. Es geht um jährlich 60 Millionen Euro für die großen Kabelanbieter wie Unitymedia.

Gibt es in dem Streit bis Jahresende keine Einigung, könnte das Auswirkungen auf die Fernsehzuschauer in der Region haben. Womöglich werden Kabelanschlüsse dann teurer oder öffentlich-rechtliche Sender nicht mehr übertragen.

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Dass diese beiden Möglichkeiten bestehen, bestätigte der Pressesprecher von Unitymedia, Johannes Fuxjäger: „Das sind aber alles Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen wollen.“ Es gebe bislang keine Pläne für den Fall, dass keine Einigung zustande kommt. Unitymedia, das Kassel und die meisten Kommunen im Landkreis mit Kabelfernsehen versorgt, setze auf Verhandlungen.

ARD und ZDF haben den Vertrag mit den Kabelanbietern zum Jahresende gekündigt. In den 80er-Jahren war das Einspeiseentgelt ein Beitrag für den Ausbau des Kabelnetzes. Das gehört – von kleinen Anbietern abgesehen, die nichts von der Vergütung erhalten – drei großen Konzernen. „Es ist nicht mehr zu rechtfertigen, dass Gebühren an Unternehmen gezahlt werden, die mit der Vermarktung unserer Programme gutes Geld verdienen“, sagt ZDF-Intendant Thomas Bellut.

Es geht um viel Geld

Laut Fuxjäger haben Unitymedia und Kabel BW, die zum internationalen Kabelnetzkonzern Liberty Global gehören, 2011 sieben Prozent des Umsatzes mit Einspeiseentgelten gemacht. Bei 1,7 Milliarden Euro Umsatz waren das 120 Millionen Euro, von denen die öffentlich-rechtlichen Anstalten weniger als die Hälfte gezahlt hätten.

Hintergrund

Die drei großen Kabelanbieter Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW decken etwa die Hälfte Deutschlands mit Fernsehempfang ab. In der Region Kassel können sich etwa 130.000 Haushalte Kabelfernsehen von Unitymedia liefern lassen. Wie viele Kunden es tatsächlich sind, gibt die Firma nicht preis. Neben Fernsehen bietet sie über die gleichen Leitungen Internet und Telefonie. (mcj)

„Die Kapazität unseres Kabelnetzes ist das wertvollste Gut, das wir haben“, sagt Fuxjäger, „das wollen wir nicht verschenken.“ Für die Übertragung per Satellit und Antenne zahlten ARD und ZDF schließlich auch – pro Nutzer sogar noch mehr. „Die Kabeleinspeisung ist nicht mit der Verbreitung über Satellit und Antenne vergleichbar“, erwidert Bellut. Es gebe heute viele Empfangswege, etwa das Internet, für die ebenfalls nicht gezahlt werde. Zudem kassierten die Kabelanbieter nur in Deutschland sowohl bei den Sendern, als auch bei den Zuschauern.

Auch Unitymedia zieht den Vergleich zum Ausland: In den USA koste ein regulärer Kabelanschluss umgerechnet etwa 95 Euro im Monat, sagt Fuxjäger. Unitymedia verlangt 17,90 Euro. Das könnte sich ändern, wenn die Verhandlungen scheitern.

Oder Unitymedia könnte sich weigern, zum Beispiel die dritten Programme zu übertragen. Die Sender setzen womöglich darauf, dass dann die Landesmedienanstalten die Kabelanbieter zwingen, die Sender einzuspeisen. Doch so eindeutig scheint die so genannte Must-Carry-Regelung der Landesmediengesetze, die die Grundversorgung sicherstellen soll, nicht zu sein.

Von Marcus Janz

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