Besuch bei Schäfer Frank Plötzer, der gestern acht eisige Stunden im Freien verbracht hat

„Kälte? Was für eine Kälte?“

Bei Wind und Wetter draußen: Schäfer Frank Plötzer hat sich warm angezogen und ist abgehärtet. Ihm macht die Kälte ebenso wenig aus wie seinen Schafen auf der Wiese neben der Damaschkebrücke. Foto:  Koch

Kassel. Auf der verschneiten Wiese am Fuldaufer neben der Damaschkebrücke bekommt der Begriff „gefühlte Temperatur“ eisige Konturen. Die acht Grad minus, die das Thermometer im Auto eben noch angezeigt hat, sind höchstens ein Richtwert. Über die Wiese fegt ein eisiger Wind, es ist garstig kalt.

Zumindest für jemanden, der sich morgens für die Arbeit im Büro angezogen hat. Schäfer Frank Plötzer (52) kann da nur mitleidig lächeln. „Kälte? Was für eine Kälte?“, fragt der Mann, der heute acht Stunden im Freien verbringen wird. Zusammen mit Hund Atz - der hört aufs Wort - hütet er eine Herde von 600 Schafen. Die gehören zur Schäferei Dissen in Wolfsanger und scheinen sich auf ihrer schneebedeckten Weide rundum wohlzufühlen.

„Denen macht das Wetter genauso wenig aus wie mir.“

Schäfer Frank Plötzer

„Denen macht das Wetter genauso wenig aus wie mir“, sagt Frank Plötzer. Die Tiere in ihrem wolligen Winterpelz kratzen sich immer wieder kleine Flächen frei, um an das Gras zu kommen. Wenn das nicht reicht, bekommen sie Heu als Zugabe.

Auch die Nacht bei Temperaturen um minus 16 Grad haben die Schafe im Freien verbracht. Die Tiere sind abgehärtet, Schäfer Frank Plötzer auch. Und er hat Mitgefühl. „Da vorn sind ein paar Büsche, dahinter spürt man den Wind nicht so“, sagt er. Dort könne man sich auch unterhalten, ohne dass der zitternde Gesprächspartner Frostbeulen bekommt. Schäferhund Atz übernimmt so lange die Herde. Das macht der dreijährige Rüde überaus pflichtbewusst. Ihm büchst bestimmt kein Schaf aus.

Im Windschatten der Büsche ist es wirklich etwas erträglicher. Frank Plötzer erzählt, wie er sich gegen die Kälte schützt.

Bewegung hilft

Spezialunterwäsche, wie sie auch Jäger tragen, Thermohose, Bundeswehrstiefel, dicke Socken, ein dünner Fleecepulli, ein dicker Wollpullover, Jacke, darüber der typische Schäferumhang gegen den Wind und als Kopfbedeckung ein Hut. Mindestens genauso wichtig wie die Kleidung: „Nicht nur rumstehen, sondern in Bewegung bleiben“, sagt Frank Plötzer. So ein richtiger Winter sei ihm allemal lieber als Dauerregen und Schlamm. Auf der anderen Seite: Selbst das sei besser, als nur in der Bude zu hocken. Und die Schafe? Würden die nicht lieber in einem warmen Stall stehen? „Denen geht es genau so wie mir“, sagt Frank Plötzer. Die Tiere seien es gewohnt, bei Wind und Wetter draußen zu sein. „Glauben Sie mir, die lieben das“, sagt der Schäfer.

Dann geht er wieder zurück zu seiner Herde. Frieren und über die Kälte jammern? Das ist wohl alles eine Frage der richtigen Kleidung - ein Fell tut es auch - und der richtigen Einstellung.

Von Thomas Siemon

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