Kälteeinbruch wirkt sich auf viele Branchen aus – Notschlafstellen für Obdachlose

Kälteeinbruch: Das große Frieren geht los

Viele Batterien machen schlapp: Werner Schröder von der gleichnamigen Autowerkstatt an der Westendstraße am Königstor beim Wintercheck eines Wagens. Foto: Schachtschneider

Kassel. Das hatten viele Autofahrer fast vergessen: Zugefrorene Pkw-Scheiben, leergeorgelte Batterien und weitere winterbedingte Lästigkeiten machen ihnen den morgendlichen Weg zur Arbeit schwer. Auch im Reparaturgewerbe und vielen weiteren Branchen macht sich der Kälteeinbruch bemerkbar.

Autowerkstätten

„Mein Auto springt nicht an.“ Den Satz hört Werner Schröder von der gleichnamigen Kfz-Werkstatt am Königstor derzeit öfter. Viele Batterien machen bei der Kälte schlapp. In der Werkstatt werden sie aufgeladen oder ausgetauscht. Gerade Wagen von Kurzstreckenfahrern sind gefährdet, weiß der Kfz-Meister. Die viele Elektronik in den neueren Fahrzeuge verschärfe das Problem, weil sie viel Strom fresse. Neben Problemen mit der Batterie rechnet Ingo Flaßpöhler, Serviceleiter im Autohaus Glinicke, in den nächsten Tagen auch mit durch die Kälte brüchig gewordenen Türdichtungen und eingefrorenen Schlössern. Wer jetzt noch keinen Frostschutz in Kühler und Scheibenwaschanlage hat, der hat ebenfalls ein Problem.

Bauwirtschaft

„Wir sind derzeit extrem gehandicapt“, sagt Hans-Friedrich Siebert, Disponent beim Bauunternehmen Emmeluth. Nicht nur der gefrorene Boden mache den Bauleuten zu schaffen. Es dauere morgens auch recht lange, Bagger, Radlader und andere Maschinen in Gang zu bringen. „Außerdem lassen sich bestimmte Materialien bei Frost einfach nicht verarbeiten“, sagt Siebert. Das treffe auch auf die firmeneigene Sand- und Kiesgrube bei Lohfelden zu: Weil gefrorener Sand nicht gesiebt werden könne, seien Engpässe an den Baustellen denkbar.

Haustechnik

Wie in jedem Winter wird die Haustechnikfirma Föbus täglich ein halbes Dutzend Mal gerufen, weil Heizungen ausgefallen sind. „Jetzt, wo es so kalt ist, müssen wir binnen zwei, drei Stunden reagieren“, sagt Kundendienstleiter Sascha Wagner. Wenn es länger frostig bleibe, seien vermehrte Einsätze wegen geplatzter Wasserleitungen absehbar. Wagners Tipp: offene Kellerfenster schließen und Zapfstellen im Garten leeren, damit das nicht passiert.

Stadtwerke / KVG

Bei den Kasseler Verkehrs- und Versorgungsbetrieben hat der Frost laut Sprecher Ingo Pijanka noch nicht zu Schäden geführt. Ob und wo Leitungsrohre geborsten sind, werde sich erst herausstellen, wenn es wieder taut. Die Weichen der Straßenbahnschienen können laut Pijanka nicht einfrieren: „Die sind beheizbar.“

Hilfe für Obdachlose

Notschlafstelle: In den Wohncontainern des Vereins Soziale Hilfe - im Bild die Sozialarbeiter Stefan Jünemann und Amrei Tripp - können Obdachlose Schutz vor der Kälte finden. Die Container sind neben einer Heizung mit Bett, Tisch, Stuhl, Kommode und Kaffeemaschine ausgestattet. Foto: Malmus

Beheizbar sind auch die sechs Notschlafcontainer, die der Verein Soziale Hilfe für Wohnungslose bereithält. Wer bei minus zehn Grad oder noch kälteren Temperaturen im Freien übernachten muss, kann sich den Tod holen. Sieben Menschen finden in den über das Stadtgebiet verteilten Containern Schutz vor der Kälte. Für den Notfall gibt es einen weiteren in Reserve. „Wir passen auf, damit jeder, der Hilfe braucht, auch Hilfe bekommt“, sagt Werner Scharenberg vom Verein Soziale Hilfe. Derzeit seien in Kassel 38 Menschen bekannt, die keine Wohnung haben, nur ein halbes Dutzend davon lebe aber auch tatsächlich auf der Straße. Nicht alle, die „Platte machen“, wollten untergebracht werden, sagt Scharenberg. Auch im Winter nicht. „Wir können niemanden zwingen.“

Von Katja Rudolph und Axel Schwarz

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