-13 Grad in Kassel vorhergesagt

Die kälteste Woche des Jahres: Worauf Sie jetzt achten sollten

Können die Kälte gut ab: Hunde wie dieser Tibet-Terrier haben mitunter viel Spaß bei diesem Wetter

Kassel. In der Nacht zu Mittwoch fallen die Temperaturen in Kassel laut Deutschem Wetterdienst auf bis zu minus 13 Grad, im Landkreis geht es sogar bis minus 15 runter. Was Sie zur kältesten Woche des Jahres wissen sollten.

Verglichen mit höher gelegenen Regionen, wie etwa in Teilen Bayerns, im Schwarzwald oder auch auf dem Hohen Meißner, wo es Mitte der Woche auf minus 20 Grad runtergehen kann, ist das zwar noch erträglich. Aber die Kälte bringt neben schönen winterlichen Landschaften und zugefrorenen Seen auch viele Gefahren mit sich. Auf was Eltern kleiner Kinder, Tierhalter, Autofahrer und Hobby-Schlittschuhfahrer in den kommenden Tagen achten müssen, haben wir hier zusammengetragen. Die aktuelle Wettervorhersage für Ihren Ort finden Sie hier.

Die Eisflächen

Wer den frostigen Temperaturen dieser Tage etwas Positives abgewinnen möchte, kann sich bei klarem Himmel und Sonnenschein an den schneebedeckten, malerischen Landschaften im Bergpark Wilhelmshöhe und den zugefrorenen Wasserflächen ebendort am Lac sowie in der Karlsaue und dem Buga-See erfreuen.

Doch dabei ist Vorsicht geboten. Das Anschauen der Eisflächen ist kein Problem, das Betreten aber ist verboten und geschieht auf eigene Gefahr. Während der Buga-See in städtischer Verantwortung liegt, fallen die Wasserflächen in der Karlsaue und im Bergpark in den Zuständigkeitsbereich der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Sowohl Stadt als auch MHK übernehmen keinerlei Haftung für das Betreten der Eisflächen.

Bis 2013 sorgte der Kasseler Gastronom Willi Rudolph im Übrigen noch dafür, dass auf dem Lac Schlittschuh gelaufen werden konnte. Durch Bohrmessungen überprüfte er, ob das Eis die erforderliche Tiefe von 15 Zentimetern hatte. Rudolph betrieb am Lac einen Bratwurst- und Glühweinverkauf. Zu oft sei es dafür aber nicht mehr kalt genug gewesen.

Anschauen ja, betreten nein: Die Gräben in der Karlsaue gehören zu den schönen Begleiterscheinungen des frostigen Kasseler Winters. Unser Bild zeigt den Blick von einer der Fußgängerbrücken auf den Küchengraben, im Hintergrund die Orangerie.

Das Auto

Tipps rund ums Auto während der aktuellen Kältewelle gibt Oliver Reidegeld, Pressesprecher des ADAC:

  • Das Auto muss winterfest gemacht werden. „Wichtig sind dabei die drei Bs: Bereifung, Beleuchtung und Bremsen“, sagt Oliver Reidegeld.
  • "Das Kühlwasser muss um einen Frostschutz ergänzt und der Scheibenreiniger ausgetauscht werden“, erklärt Reidegeld. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Sommermischung abgelassen werden sollte, bevor die Wintermischung in die Scheibenwischanlage kommt.
  • "Ein kleines Guckloch reicht nicht aus.“ Laut Reidegeld müssen alle Scheiben freigekratzt werden. Achtung: Die Seitenspiegel werden hierbei häufig vergessen.
  • Reidegelds letzter Tipp: „Auch wenn es am Anfang kalt ist, nicht mit Winterjacke fahren.“ Die gepolsterten Jacken beeinträchtigten die Funktion des Sicherheitsgurts und könnten bei einem Unfall zu Quetschungen führen.

Die Kleidung

Bei diesen Temperaturen helfen häufig auch die dicksten Klamotten nichts. Der Frost dringt auch durch die x-te Baumwollschicht. Angela Colell-Solle und Lys Weber vom Sportmode-Laden Wellensteyn am Königsplatz geben praktische Tipps für die richtige Kleidung in den kalten Tagen.

  • "Das altbekannte Zwiebelprinzip ist immer noch aktuell, denn die Luftschichten dienen der Isolation“, erklärt Angela Colell-Solle. Zu enge Klamotten wärmten nicht und zu weite erzielten ebenfalls nicht den gewünschten Effekt. "Je kälter es ist, desto länger sollte die Jacke sein, denn die Oberschenkel sind sehr kälteempfindlich“, sagt Lys Weber. Besonders winddichte Jacken seien bei den momentanen Temperaturen wichtig.
  • "Oft wird vergessen, dass der Körpern sich den unterschiedlichen Temperaturen anpassen muss“, sagt Angela Colell-Solle. So sollte man beim Betreten eines Geschäftes, eines Cafés oder der Bahn die Jacke öffnen, gegebenenfalls sogar ganz ablegen. Der Körper habe es so leichter, sich zu akklimatisieren.
  • Weiter rät Lys Weber, dass man stets Mütze und Schal tragen sollte, denn über den Kopf verliert man die meiste Wärme. Dem schließt sich auch der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) an: Bei diesen Temperaturen drohen Fußgängern und Radlern Erfrierungen an ungeschützten Ohren, Fingern, Zehen oder der Nase. Deshalb empfiehlt der Berufsverband, um einem Kältebrand vorzubeugen, eine reichhaltige, wasserfreie Gesichtscreme sowie Fäustlinge statt Fingerhandschuhe, denn so bleiben die Hände länger warm. Beim Fahrradfahren rät der BVDD dazu, eine Skimaske zu tragen.

Die Kleinkinder

Im Winter sollten Kinder, insbesondere Babys, möglichst dick eingepackt und im Gesicht gut eingecremt werden. Dr. Gerhard Bleckmann rät zu einer fettigen Gesichtscreme. Wasserhaltige Cremes sollte man vermeiden, weil eine Wasserschicht auf der Nase schnell einfriert. Der Baunataler Kinderarzt meint aber, dass Eltern mit ihren Kleinen sorglos an die frische Luft gehen können. „Im ersten Lebensjahr orientiert man sich bei Kleinkindern an der Nackentemperatur, nicht an den Händen oder der kalten Nase. Wenn Babys beim Spaziergang im Kinderwagen ruhig und entspannt schlafen, gibt es kein Temperaturproblem.“

Bei Neugeborenen solle man anfangs jedoch kürzertreten. Nach ein paar Wochen könne man aber ruhig mit ihnen auch länger draußen bleiben. „Da gibt es keine zeitlichen Einschränkungen, wenn man merkt, das Kind kann die frische Luft im Schlaf genießen.“

Gabriele Haase vom Gesundheitsamt Kassel fügt hinzu: „Wichtig ist, den Kinderwagen von unten mit einer Styroporplatte, Isomatte oder Decke zu isolieren. Damit schützt man das Baby rundum vor eisiger Kälte.“ Auch sei es wichtig, dem Kind Mütze, Schal und Fäustlinge anzuziehen – auch die Füße zusätzlich mit einer Decke zu wärmen. „Die Kinder werden immer in dicke Schneeanzüge gepackt, aber die Füßchen werden oft vergessen. Einfache Schühchen oder Socken sind bei der Kälte allein nicht ausreichend, sagt sie. Wenn der Kinderwagen im Hausflur stehen gelassen wird, empfiehlt Haase außerdem: „Immer die Tragetasche mit in die Wohnung zu nehmen, damit sie bis zum nächsten Ausflug nicht zu kalt für die Babys wird.“

Die Tiere

Da Hunde nicht über Streusalz gehen sollten, schon ga nicht mit verletzten Pfoten, empfiehlt Carsten Pflücker vom Tierheim Wau-Mau-Insel Überschuhe. Lange Spaziergänge seien völlig in Ordnung. Bloß ältere Hunde solle man ein wenig vor Kälte schützen und ihnen vorher einen „Winterspreck“ anfüttern. „Katzen soll man im Winter nicht aussperren. Freigänger brauchen nur einen mit Stroh ausgelegten Unterschlupf, um sich zurückzuziehen“, sagt er. Kleintiere wie Hasen und Hamster lasse man nicht im Stall draußen stehen. Um den Wind einzudämmen, solle man sie in der Garage unterbringen.

Die Rohre

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) warnt vor großer Brandgefahr, wenn einfrierende Rohre unsachgemäß aufgetaut werden.

  • Um Rohre frostfrei zu halten, sollte man die Wasserleitungen in unbeheizten Räumen abstellen und die Rohre entleeren. Die Leitungen mit einem Frostwächter sichern, wenn sie nicht abgestellt werden können.
  • Zum Auftauen von Wasserleitungen Haartrockner, Heizlüfter oder Tüchter, die in heißes Wasser getaucht wurden, verwenden. Auch Heizmatten oder Wärmflaschen sind gute Hilfsmittel. Auf keinen Fall sollte man zu diesem Zweck eine Lötlampe oder ein anderes offenes Feuer benutzen, da dies oft zu Bränden führen kann.
  • Um im Winter sicher zu heizen, sollte ein offenes Feuer in der Wohnung vermieden werden. Durch unvollständige Verbrennung kann es zur Bildung von Kohlenmonoxid kommen, was zu Vergiftungen führt. Sicherer sind Heizlüfter oder Kachelöfen. Da gilt es, auf ausreichend Abstand zu brennbaren Gegenständen achten.

Mit Anne-Michèle Woelbert

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