Kämmerer Barthel: Hallenbäder werden wichtiger

Kassel. Seit 1959 führen die Städtischen Werke eine Statistik über die Besucherzahlen in den Frei- und Hallenbädern in Kassel. „Immer wenn ein Bad neu geöffnet oder geschlossen hat, wirkte sich das auch auf die Zahlen aus“, sagt Heidi Hamdad, Sprecherin der Städtischen Werke.

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Die Eröffnung des Hallenbads Süd in Oberzwehren Ende 1971 brachte den Höhepunkt der Statistik. Im Jahr 1972 kamen mehr als 1,4 Millionen Menschen in die Bäder. Seitdem ging es bergab mit den Besucherzahlen, langsam, aber beständig.

Warum in den 80er-Jahren die Besucherzahlen so einbrachen, dafür haben die Werke auch einen Erklärungsansatz: Die Bugaseen böten seitdem in den Sommermonaten eine kostenlose Alternative zu den Freibädern. Ausreißer nach oben gab es in besonders heißen Sommern: Im Jahrhundertsommer 2003 besuchten 446 000 Menschen die Bäder, das waren über 100 000 Besucher mehr als 2002.

Video aus dem Archiv: Bauarbeiten am neuen Auebad gehen voran

Von diesen wetterbedingten Ausnahmen abgesehen, machen die Städtischen Werke und die Stadt das veränderte Freizeitverhalten der Menschen für den Rückgang der Besucher verantwortlich. „Als ich Kind war, ging man entweder ins Schwimmbad oder spielte Fußball“, sagt Kämmerer und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel (59). Heute gebe es jede Menge Trendsportarten als Alternative zum Schwimmbad. Hamdad sieht auch die Fitnessstudios mit Sauna und Pool als Konkurrenz zu den städtischen Bädern. „Wer dort Mitglied ist, zahlt nicht zusätzlich Eintritt im Schwimmbad.“

Barthel setzt bei der Planung der Bäderlandschaft besonders auf die Hallenbäder. „Die bekommen einen höheren Stellenwert. Besonders für ältere Menschen ist ein Ganzjahresangebot wichtig.“ Mit Blick auf die hohen Kosten hinterfragt Barthel die Freibäder, die nur wenige Monate im Sommer geöffnet haben. Wegen der dramatischen Schuldenkrise plädiert er dafür, erst in ein bis zwei Jahren über die Zukunft der sanierungsbedürftigen Freibäder in Harleshausen und Wilhelmshöhe zu entscheiden.

Beim Neubau des Kombibads am Auedamm, das im Frühjahr 2013 eröffnet werden soll, setze man auf ein großes Freizeitangebot, auf das Saunagelände und die Möglichkeit, das 50-Meter-Becken für Sportschwimmer und die sogenannten freien Schwimmer teilen zu können. Dem Bäderdezernenten ist es zudem wichtig, dass den Besuchern, auch den berufstätigen, verlässliche Öffnungszeiten geboten werden. Das sei ein großes Plus an dem Ende 2010 neu eröffneten und modernen Hallenbad Süd in Oberzwehren, das täglich mindestens von 10 bis 22 Uhr geöffnet hat.

Das belegen die Städtischen Werke durch Zahlen. Laut Sprecherin Hamdad besuchten im vergangenen Jahr fast 80 000 Menschen das Bad in Oberzwehren. Vor der Sanierung seien im Durchschnitt nur 62 000 Besucher ins Bad an der Heinrich-Plett-Straße gekommen.

Hintergrund: Bäder sind seit jeher defizitär

„Städtische Bäder sind seit jeher defizitär“, sagt Bernd Reyer, der in der Kämmerei für den Sachbereich Schwimmbäder zuständig ist. Auch in den 60er- und 70er-Jahren seien Schwimmbäder ein Zuschussgeschäft gewesen. Je weniger zahlende Gäste kommen, desto höher falle natürlich der Zuschussbedarf aus Steuermitteln aus.

Im Jahr 2010 habe die Stadt die Bäder mit knapp 3 Mio. Euro bezuschusst, sagt Reyer. Die Bezuschussung sei in den verschiedenen Bädern unterschiedlich hoch ausgefallen. Im Stadtbad Mitte sei pro Besucher ein Zuschuss von 3,88 Euro angefallen, im Freibad am Auedamm 8,83 Euro, im Freibad Wilhelmshöhe 1,55 Euro und in Harleshausen 1,71 Euro. Reyer geht davon aus, dass der Zuschussbedarf für die Betriebskosten im Jahr 2011 durch die Wiedereröffnung des Hallenbads Süd weiter gestiegen ist (Zahlen liegen noch nicht vor).

Von den 244 000 Menschen, die 2010 die städtischen Bäder besuchten, haben nur 186 283 Eintritt bezahlt. Für die 57 752 Schüler und Vereinsmitglieder, die in die Bäder kamen, ist der Eintritt frei.

Im Stadtbad Mitte und im Hallenbad Süd kostet der Eintritt 3,50 Euro (ermäßigt 2 Euro), in den Freibädern Wilhelmshöhe und Harleshausen 3 Euro (ermäßigt 2,50 Euro). (use)

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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