Michael Heitmann neuer Leiter des Amtes für Verbraucherschutz und Tiergesundheit

Er kämpft für die Kunden

Hat die Lebensmittelkontrolle im Blick: Dr. Michael Heitmann ist neuer Chef des Amtes für Verbraucherschutz und Tiergesundheit. Foto:  Koch

Kassel. Es gibt ein Thema, das dem Lebensmittelexperten Dr. Michael Heitmann besonders auf den Nägeln brennt: Funktioniert bei Restaurants, Imbissen, Fleischereien und Märkten, also allen Betrieben, die gewerblich Lebensmittel abgeben, die vorgeschriebene Eigenkontrolle?

Heitmann, der seit August neuer Leiter des städtischen Amtes für Verbraucherschutz und Tiergesundheit (bislang Amt für Veterinärdienst und Lebensmittelüberwachung) mit 18 Mitarbeitern ist, bezweifelt das. Studien zufolge klappe die Eigenkontrolle nur in großen Betrieben, das sind gerade mal 15 bis 20 Prozent. Bei mittleren und kleinen Unternehmen gebe es einen „gewissen Nachholbedarf“, sagt Heitmann. In seinem ersten Monat als Chef des Amtes für Verbraucherschutz habe er festgestellt, dass es auch bei Kasseler Betrieben Defizite gebe, „ohne das in Zahlen ausdrücken zu können“.

Eine Aufgabe von Heitmann und den vier weiteren städtischen Lebensmittelkontrolleuren ist es festzustellen, ob die Betriebe das seit 1998 von der Europäischen Union (EU) vorgeschriebene Eigenkontrollsystem anwenden. Die Kontrolleure sind in Kassel für 2199 Betriebe zuständig. „Unsere Betriebskontrollen sind risikoorientiert“, sagt Heitmann. Ein Unternehmen, das nur Mineralwasser abfüllt, habe ein geringeres Produktrisiko als beispielsweise eine Metzgerei.

Was wird bei der vorgeschriebenen Eigenkontrolle von den Unternehmern erwartet? Dass Händler und Gastronomen die Temperatur der Kühlgeräte dokumentieren, ist für Heitmann „das A und O“. Zudem setzt er voraus, dass die Unternehmer im Sinne einer Risikominimierung eine Bewertung ihrer Lieferanten vornehmen. Man sollte nicht akzeptieren, wenn verderbliche Lebensmittel mit einer Temperatur von über fünf Grad geliefert werden. „Lieferanten wissen, bei wem sie zu warme Ware loswerden können.“

Zudem erwarten die Lebensmittelkontrolleure eine Hygieneschulung der Mitarbeiter. Mit Blick auf die hohe Fluktuation sei das in der Gastronomie besonders wichtig. Obwohl es eine allgemeine Dokumentationspflicht gebe, sei eine „systematische Dokumentation leider fast die Ausnahme“, sagt Heitmann.

Die Kontrolleure seien aber nicht nur zum Kontrollieren da, sondern stünden den Betrieben in erster Linie beratend zur Seite. Daher sei es nicht erforderlich, dass ein kleiner Imbiss-Betreiber, der die Risiken seines Betriebes nicht selbst bewerten könne, unbedingt einen teuren Sachverständigen engagiert.

Der Chef der Lebensmittelüberwachung verweist auf Leitlinien der Verbände, die auch im Internet zu finden sind. Wenn ein Unternehmer allerdings bei der zweiten oder dritten Nachkontrolle immer noch nichts an den Defiziten in seinem Betrieb geändert habe, dann müsse er auch mit Sanktionen rechnen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.