Tag des Kaffees: „Kaffee ist Kommunkation“

Kaffee ist sein neues Glück: Ex-Starclub-Betreiber Ohlendorf arbeitet als Barista

Der Kasseler Barista Götz Ohlendorf eröffnet in der Innenstadt von Kassel eine Kaffeeschule.
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Fast zwei Jahrzehnte betrieb er das Varieté Starclub: Nun arbeitet Götz Ohlendorf als Barista. Demnächst eröffnet er eine Kaffeeschule in der Kasseler Innenstadt.

Fast zwei Jahrzehnte macht Götz Ohlendorf die Kasseler mit seinem Varieté Starclub glücklich. Dann kam die Insolvenz. Nun hat er als Barista eine neue Leidenschaft und eröffnet eine Kaffeeschule.

Kassel/Vellmar – In diesen Wochen kommt es vor, dass Götz Ohlendorf seinen ersten Kaffee des Tages erst um 11 Uhr trinkt. Das ist ungewöhnlich für den ehemaligen Betreiber des Varietés Starclub. Der 56-Jährige liebt Kaffee seit jeher und hat sich zum Barista ausbilden lassen. Was ein Sommelier etwa für Weine ist, ist Ohlendorf nun für Kaffee.Doch weil er gerade sein Elternhaus in Vellmar ausbaut, wohnt er derzeit mit seiner Partnerin in einer Pension. Da kommt er manchmal nicht zum Morgenkaffee.

Mit Baustellen kennt sich Ohlendorf aus. Vor einigen Jahren war sein ganzes Leben eine. Fast zwei Jahrzehnte betrieb er den Starclub, die meiste Zeit in der Goethestraße, zwischenzeitlich in der Kurfürstengalerie. Einige Jahre hatte er auch noch ein Varieté in Fulda. „Wie viele Menschen in all den Jahren fröhlich aus dem Starclub gegangen sind“, sagt Ohlendorf.

Doch dann musste er Insolvenz anmelden. Es folgten Gerichtsverfahren: „Ich hatte alles verloren.“ Eine Zeit lang arbeitete der gebürtige Kasseler in einem Golf-Club in Lauterbach im Vogelsberg, wo er für die Gastronomie verantwortlich war und hin und wieder auch Varieté-Künstler auftreten ließ. Dann sagte sich der ehemalige Betreiber einer Veranstaltungsagentur: „Ich habe 30 Jahre Menschen begeistert. Ich wollte immer meine Leidenschaft weitergeben.“

Nun gibt er seine Kaffee-Leidenschaft weiter. Zwei Jahre lang besuchte er Schulungen im renommierten Kaffee-Institut Goran Huber in Innsbruck. Er ließ sich vom Nürnberger Barista-Weltmeister Christian Ullrich fortbilden, weil er von den Besten lernen wollte. Mit 56 saß er neben lauter Zwanzigjährigen und legte seine Bachelor-Prüfung ab.

Mit seiner mobilen Kaffeebar, die unter anderem aus einem dreirädrigen Piaggio-Ape-Kleintransporter besteht, ist er auf Messen, Stadtfesten und bei Veranstaltungen in Golf-Clubs unterwegs. Auch bei Heimspielen der Bundesliga-Handballer der MT Melsungen baut er seinen „Mit Herz und Bohne“-Stand auf.

Ohlendorf weiß, dass die Deutschen mehr Kaffee trinken als jedes andere Getränk, 166 Liter pro Kopf und Jahr. Während Corona ist der Konsum noch mal angestiegen. Ohlendorf wundert das nicht, denn Kaffee ist mehr als nur ein Getränk: „Kaffee ist Kommunikation. Man sagt, dass man sich auf einen Kaffee trifft, selbst wenn man keinen trinkt.“

Baristas können äthiopische und vietnamesische Kaffeebohnen auf den ersten Blick unterscheiden. Sie wissen, wie welche Bohnen wo angebaut werden und wie sie am besten geröstet und zubereitet werden.

All das möchte Ohlendorf ab Winter in seiner neuen Kaffeeschule vermitteln, die er in seinem Depot in der Rudolf-Schwander-Straße eröffnen will, wo es Seminare, aber auch Kulturveranstaltungen geben soll, etwa Lesungen und Konzerte mit Kaffee. Es spricht einiges dafür, dass der Mann, der das Varieté nach Kassel gebracht hat, die Menschen nun dort glücklich macht.

Wenn er am ehemaligen Starclub vorbeifährt, verspürt er vor allem Wehmut. Er weiß, dass er Fehler gemacht hat. Und er ärgert sich, dass man bei Google erst einmal die Berichte vom Ende des Varietés findet, wenn man seinen Namen eingibt – und nicht all die Kritiken über tolle Premieren.

Seine Starclub-Nachfolger haben längst aufgegeben. Nun ist dort ein Verein zuhause, der auch Kultur auf die Bühne bringen will. Ohlendorf könnte sich vorstellen, dort einmal im Jahr ein Varieté-Programm zu organisieren. Für guten Kaffee würde dann auch gesorgt sein.

Tag des Kaffees: Fakten

Der 1. Oktober ist Tag des Kaffees. Fünf nützliche Fakten rund um das liebste Getränk der Deutschen.

Das wichtigste Anbauland für den deutschen Kaffeemarkt ist Brasilien. 31 Prozent des in Deutschland getrunkenen Kaffees stammen von dort. Dahinter liegen Vietnam (25 Prozent) und Honduras (9 Prozent).

Eine Tasse Kaffee besteht zu 98 Prozent aus Wasser. Darum stimmt es auch nicht, dass Kaffee dem Körper Wasser entzieht. Einer der häufigsten Fehler, den Laien begehen, ist laut Götz Ohlendorf zu heißes, zu hartes oder zu weiches Wasser.

Experten wie Ohlendorf unterscheiden historisch zwischen drei Wellen des Kaffeekonsums. Während der ersten Welle wurde Kaffee einfach so getrunken – und zwar, bis die Kanne leer war. In der zweiten Welle machten Unternehmen wie Starbucks auch hierzulande Cappuccino und Milchkaffee populär. In der dritten Welle interessieren sich die Konsumenten auch dafür, wie das Produkt angebaut und hergestellt wird. Auch Umweltfragen spielen heute für viele eine Rolle.

.Ein Trend lautet „Cold Brew“. Laut Ohlendorf war die Nachfrage nach kalt zubereiteten Kaffee noch nie so hoch wie heute. Kalt kann Kaffee dann auch mit Grapefruit, Bitter Lemon oder sogar Baileys gemischt werden.

.Im gerösteten Kaffee sind mehr als 850 Aromen und Geschmacksnuancen enthalten. Auch darum riecht Kaffee so gut. Das empfinden selbst Menschen so, die lieber Tee als Kaffee trinken.

Von Matthias Lohr

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