Kaffeenachmittag bleibt wichtig

Sozialverband VdK sucht bei ehrenamtlicher Arbeit nach neuen Wegen

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Die Zukunft der ehrenamtlichen Arbeit im VdK im Blick: Helmut Löber (links) aus Hoof und Elke Bublitz (rechts) suchen nach neuen Wegen. Bublitz arbeitet eng mit den übrigen Vereinen in Niestetal zusammen.

Baunatal. Der Sozialverband VdK steht für kompetente Unterstützung von Menschen mit eher kleiner Geldbörse in Fragen des Schwerbehindertenrechts oder der Rente. Doch zugleich verbindet man damit das Bild betagter Senioren, die beim Kaffeeklatsch zusammensitzen und sich über alte Zeiten unterhalten.

Von diesem Image der ehrenamtlichen Arbeit möchte der Verband weg, sagt Jürgen Dannhauer, Vorsitzender des Kreisverbands Kassel-Land.

Beim 60. Kreistreffen mit 500 Besuchern in der Baunataler Stadthalle wurde der Umbruch schon sichtbar. Dannhauer stellte ein Pilotprojekt zur Barrierefreiheit vor: Ehrenamtliche Helfer aus den Ortsverbänden sollen überprüfen, wo es in ihren Gemeinden an hürdenfreien Zugängen mangelt und auf Abhilfe drängen. Der VdK-Kreisverband hat außerdem vor geraumer Zeit eine Koordinatorin für die Freiwilligen-Arbeit im Kreisverband eingestellt. Diese beginnt aber jetzt ein Studium, ein Nachfolger wird gesucht.

Zu den neuen „Barriere-Beobachtern“ des VdK gehören auch Elke Bublitz, Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Niestetal, und Helmut Löber, Chef des Ortsverbands Schauenburg-Hoof und Juniorenvertreter im VdK. Sie werden demnächst für ihre Aufgabe beim VdK in Frankfurt geschult. Bublitz (49) und Löber (67) gehören zu den Ehrenamtlichen im VdK, die einen Wandel für unausweichlich halten.

Beide verzeichnen in ihren Ortsverbänden große Mitgliederzuwächse. Das seien sowohl ältere als auch jüngere, sagt Löber. Den Wandel im Ortsverband könne man aber nicht verordnen. „Das muss von den Mitgliedern selbst kommen“, erklärt Löber und fügt hinzu: „Wir haben viele ältere Mitglieder. Das Kaffeetrinken können wir nicht abschaffen. Das brauchen wir für das Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Das sei aber nur ein Teil der Aktivitäten. Man organisiere viele Ausflugsfahrten, die ausgebucht seien, und Vorträge zu Themen, die Senioren interessieren. Die Herausforderung sei, den jüngeren Mitgliedern ein anspruchsvolles Programm zu bieten, das diese für die ehrenamtliche Arbeit begeisterte.

Bublitz sieht das ähnlich. „Wir fahren mehrgleisig“, sagt sie. Neben den traditionellen Angeboten gebe es Info-Veranstaltungen und eine Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose, statt Kaffeenachmittag säßen die Frauen schon mal beim Brunch zusammen. Zum 65-jährigen Bestehen habe man dieses Jahr eine Jugendband aufspielen lassen. Auch die Initiative des Bergshäuser VdK, eine Boule-Gruppe zu gründen, habe man schon diskutiert. Jeder Ortsverband müsse allerdings seinen eigenen Weg finden, sagt Bublitz.

Sie findet es wichtig, dass sich der VdK im Freizeitbereich breit aufstellt. Angesichts sinkender Renten werden die Älteren im ländlichen Raum bald auf solche Angebote angewiesen sein, sagt die Ortsverbandsvorsitzende.

Von Peter Dilling

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