Kasseler in Ägypten sprechen über die aktuelle Lage im Land – Ruhe in der Touristenregion

„Kairo steht nicht in Flammen“

Amira El Ahl

Kassel / Kairo. Bisher kannte man Ägypten vorwiegend als friedliches Urlaubsland. Doch seit Tagen gehen die Menschen in Städten wie Kairo und Suez zu Tausenden auf die Straße und demonstrieren. Wir fragten in Ägypten lebende Kasseler, wie sie die Situation empfinden.

„Kairo steht nicht in Flammen“, sagt die in Kassel geborene Auslandskorrespondentin Amira El Ahl (33), die seit vier Jahren in der ägyptischen Hauptstadt arbeitet. In den Vierteln, in denen nicht demonstriert wird, merke man von den Aktionen nichts. Sie habe keine Angst, auf die Straße zu gehen, allerdings, so gibt sie zu, sei sie aufmerksamer als normal. Man müsse jetzt abwarten, was am Freitag nach den sogenannten Freitagsgebeten passiere.

El Ahl: „Dann kommen die Christen aus der Kirche und die Muslime aus der Moschee. Wenn so viele Menschen auf der Straße sind, könnte es zu größeren Ausschreitungen kommen.“ Auch der Kasseler Ulrich Huth (56), der als Manager der Jaz-Hotelkette 47 über ganz Ägypten verteilte Hotels betreut, gibt sich entspannt. Am Mittwochabend sei er von Kairos Stadtmitte zu einer Veranstaltung in einen Außenbezirk und nachts um 1 Uhr von dort wieder zurückgefahren. „Ich habe noch nicht mal etwas vom Ausgangsverbot gemerkt“, sagt Huth, der seit 17 Jahren in Ägypten lebt.

Die Sorgen, die man sich in Deutschland macht, kann er trotzdem verstehen. Da sehe man im Fernsehen 10 000 Demonstranten in Kairo. Doch für die Millionenstadt, so Huth, sei das „ein voll besetzter Tahrir-Platz, um den der Verkehr ein bisschen umgeleitet werden muss“.

Kein Vergleich mit Tunesien

Sein Bruder Thomas (46) ist Manager des Steigenberger Al Dau Resorts im Touristenzentrum Hurghada. „Hier ist es völlig ruhig, und das wird hoffentlich auch so bleiben“, sagt Thomas Huth. Hurghada sei sicher. Für Berlin habe man auch keine Reisewarnung ausgegeben, als in Stuttgart Polizisten und Tausende von Demonstranten aneinandergerieten.

In Hurghada lebt auch der deutsche Honorarkonsul Peter-Jürgen Ely (71). Von 1969 bis 1981 war Ely Leiter der Abteilung Medizinische Physik im Klinikum Kassel (damals Städtische Kliniken), bevor er als Direktor an das Misr International Hospital in Kairo ging. In Hurghada herrsche die übliche Betriebsamkeit, es gebe nicht das geringste Anzeichen für einen Aufruhr, sagt Ely, der auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Außerdem könne man die Aufstände in Tunesien nicht mit den Demonstrationen in Ägypten vergleichen. „In Tunesien wollten sie eine Diktatur beenden, hier geht es um wirtschaftliche Verbesserungen.“

Mehr zum Thema Ägypten auf unseren Politik-Seiten.

Von Wilhelm Ditzel

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