Kunst-Kurse

Kalligrafie: Übung und Disziplin machen die Handschrift zum Kunstwerk

+
Kalligrafie: Übung und Disziplin machen die Handschrift zum Kunstwerk

Immer weniger schreiben mit der Hand. Eine Frau aus Kassel möchte mit ihren Kursen eine Gegenbewegung etablieren. Handschrift soll wieder "in" werden - mit moderner Kalligrafie.

Die Schreib-Feder streicht mit ihrer metallenen Spitze sanft über das Papier. Zieht man sie nach unten, spreizt sie sich leicht, es fließt mehr Tinte und ein dicker Strich entsteht. Zieht man sie nach oben, entsteht ein dünner Strich. Nach und nach kommen so Buchstaben auf das dicke Papier.

Kalligrafie nennt man diese Kunst des Schön-Schreibens. Stephanie Gerstel möchte sie in Kassel etablieren. „In Regensburg, München, Aachen und Düsseldorf gibt es eine Szene, hier bis jetzt noch nicht.“ Wie viele Trends, erklärt die 44-Jährige, kommt die moderne Kalligrafie aus den USA. „Die Schrift, die ich in meinen Kursen unterrichte, basiert auf der Englischen Schreibschrift. Sie wurde in den USA modernisiert.“

Geschrieben wird mit einer sogenannten Fein-Feder aus Metall, die ihre Tinte je nach Druck abgibt. „Das Wechselspiel zwischen dicken und dünnen Linien macht den Reiz aus.“ Vor zehn Jahren hat sie angefangen, sich mit Kalligrafie zu beschäftigen.

Stephanie Gerstel zeigt die Übungsblätter für die Moderne Kalligrafie. Um diese Kunst zu erlernen, braucht es viel Disziplin und Feingefühl. In der Hand hält sie das Arbeitsgerät, eine Fein-Feder.

Zuerst habe sie nur eine Form gesucht, schöne Zitate zu Papier zu bringen. Nach und nach sei sie dem Thema näher gekommen, sogar ein Fernstudium bei einer bekannten Kalligrafin habe sie absolviert.

Ein fertig gestaltetes Kunstwerk von Stephanie Gerstel. 

Ihr Atelier hat sie in einem gut belichteten Raum in ihrer Wohnung in der Kirchditmolder Wurmbergstraße, in der sie mit ihrem Mann, der Tochter und Hund lebt, eingerichtet. „Meine Kurse halte ich aber bei einer Bekannten in Wilhelmshöhe oder in einem Bastelgeschäft in Harleshausen.“ Seit über einem Jahr gibt sie die Wochenendkurse, an denen maximal zehn Personen auf einmal teilnehmen können.

Auch das kleine n besteht aus zwei Schwreibbewegungen. Fotos: privat

„Vor allem Frauen zwischen 20 und 70 Jahren interessieren sich für das Thema. Sie wollen selbst kreativ werden und zum Beispiel Tischkarten für ihre Hochzeit entwerfen.“ Einmal sei ein Mann in einem Kurs gewesen, der einen Stammbaum in einer schönen Schrift erstellen wollte. Wer die Kunst der Kalligrafie erlernen will, muss vor allem üben, üben, üben und diszipliniert sein, erklärt Gerstel.

Man lernt Buchstabe für Buchstabe. Dies dauere etwa sechs Stunden. Gerstels Kurse sind so ausgerichtet, dass man die Kleinbuchstaben und damit die Grundlagen erlernt.

Für die Übungen, so Gerstel, eignet sich am besten schwarze Tinte. Bei der Gestaltung von Kunstwerken könne man etwas kreativer sein. Tusche, Eisen-Gallus Tinte und flüssige Aquarellfarbe in verschiedensten Tönen reiht sich auf Regalen in ihrem kleinen Atelier.

„Kalligrafie sorgt nicht dafür, dass sich die Handschrift verbessert. Aber man schreibt bewusster.“

Das kleine a besteht aus drei Bewegungen. Zuerst der zarte Strich, dann eine dickere Hlabkreisbewegung und zuletzt das Schwänzchen.

Gerstel arbeitet Hauptberuflich in einem Büro, die Kalligrafie ist ihr Hobby und Nebenerwerb. Zusätzlich zu den Kursen verkauft sie noch kalligrafische Kunst. „Ich hatte schon Aufträge von kleinen Unternehmen, Kundengeschenke zu entwerfen.“ Auch auf kleinen Kunstmärkten ist sie anzutreffen.

Für ein fertiges Bild brauche sie mehrere Stunden. Die Grundschrift – das empfiehlt sie auch allen Kursteilnehmern – zeichnet sie mit Bleistift vor. Es komme auch darauf an, wie das Geschriebene auf dem Blatt ausgerichtet ist. Danach geht es an die Gestaltung.

Das kleine l kann in einem Zug von unten nach oben geschrieben werden. Beim Hochzeihen ensteht ein dünner Strich, beim runterziehen ein dicker.

Gerade sei sie dabei, den Umgang mit dem Computerprogramm Photoshop zu lernen, damit stehen ihr weitere Gestaltungsmöglichkeiten offen. „Die Kalligrafie ist für mich ein Fass ohne Boden, umso mehr ich lerne, desto mehr kommt noch dazu“, sagt Gerstel über ihr Hobby.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.