Gewerkschaft kritisiert, dass Winterhosen erst zu Frühjahrsbeginn getestet werden sollen

Kalte Beine bei der Polizei

Nicht warm genug: Die dünnen Stoffhosen der hessischen Polizeiuniformen seien bei Winterkälte eine Zumutung, sagt die Polizeigewerkschaft GdP. Demnächst will das Innenministerium wintergeeignete Hosen testen lassen. Foto:  Koch

Kassel. Viele nordhessische Polizisten schnattern in ihren dünnen blauen Uniformhosen, wenn sie bei Winterkälte etwa einen Unfall aufnehmen müssen. Die Polizeigewerkschaft GdP fordert seit Jahren wärmere Beinkleider.

Nun reagiert das Innenministerium und sucht freiwillige Teilnehmer für einen „Trageversuch Winterhose“ – der aber wohl erst stattfinden wird, wenn der Frühling bereits mit großen Schritten Einzug hält.

Das Innenministerium hat jetzt an die Polizeipräsidien geschrieben und angekündigt, in den nächsten 14 Tagen werde man abfragen, welche Beamten an einem Hosen-Test teilnehmen wollen. „Einen Hohn“ nennt das der nordhessische GdP-Vorsitzende Stefan Rüppel.

Mit einer Unterschriftenaktion im Frühjahr 2011 hätten 400 Polizisten aus der Region die Einführung einer wintertauglichen Uniformhose gefordert. Ziel sei es gewesen, rechtzeitig vor der nächsten kalten Jahreszeit eine Lösung zu finden, sagt der Polizeigewerkschafter. Doch beim Innenministerium sei man offenbar „in den Winterschlaf getreten“.

Dass nun zur Frühlingszeit warme Beinkleider ausgegeben werden sollen, werde von vielen kältegeplagten Beamten mit Frust und Sarkasmus quittiert, sagte Rüppel. Die Aktion komme eindeutig zu spät.

Landespolizeipräsident Udo Münch teilte dazu auf Anfrage mit, die blauen Uniformstücke seien vor ihrer Einführung ausführlich erprobt und von Testpersonen aus dem Polizeidienst für geeignet befunden worden. Trotzdem hätten Beamte seit drei Jahren die Möglichkeit, sich zulasten ihres Bekleidungsgeldkontos lange Thermo-Unterhosen selbst zu beschaffen. Dieses Angebot werde gut angenommen. Versuche mit einem einknöpfbaren Innenfutter für die reguläre Uniformhose seien hingegen nicht auf Zuspruch gestoßen.

Weil das Thema „fortwährend in der Diskussion“ sei, wurde laut Münch im September 2011 beschlossen, eine mittlerweile in Thüringen vorhandene Winterhose auch bei der hessischen Polizei zu erproben. „Diese Erprobung steht unmittelbar bevor“, sagte der Landespolizeipräsident.

Nach Angaben der GdP führt nicht nur Kälte an den Beinen zu Verdruss, sondern auch die Enge in hessischen Polizeiwagen vom Typ Opel Insignia. Die sind laut Gewerkschafter Rüppel mit Sportsitzen ausgestattet, das enge Gestühl sei im Polizeialltag aber völlig untauglich: Kein Verantwortlicher für die Fahrzeugbeschaffung habe sich jemals ins Auto gesetzt mit jener Ausrüstung, die Streifenbeamte am Gürtel mitführen müssen, meint Stefan Rüppel: „Er wäre sofort wieder ausgestiegen.“

Zu eng für Hunde

Auch die Laderaumgröße der Insignias sei nicht ausreichend: „Die Hundeboxen, die dort verbaut werden, sind fast ein Fall für den Tierschutz.“

In Nordhessen seien lediglich 16 Prozent aller Streifenwagen von diesem Typ, sagte dazu der Landespolizeipräsident. Kritik aus dem Polizeialltag – etwa in Bezug auf die Sitze – werde aufgegriffen und bei ständigen Nachbesserungen abgearbeitet. Dem Ministerium sei bekannt, dass es für große Hunderassen im Insignia zu eng sei. In diesem Jahr würden hessenweit 45 Mercedes-Vitos angeschafft, die Platz für größere Hundetransportboxen böten.

Von Axel Schwarz

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