Plötzliche Durchblutungsstörungen können Finger und Zehen treffen - Wärme und Entspannung helfen

Kalte Finger durch Gefäßkrämpfe

Ich habe sehr oft kalte Füße und Hände. Es kommt auch vor, dass einzelne Finger und Zehen ganz blass werden. Erst nach einiger Zeit sehen sie wieder normal aus. Kann eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken?“, fragt eine Leserin aus Kassel.

Antworten hat der Gefäßspezialist Dr. Hans-Joachim Bröker, Chefarzt der Inneren Abteilung des Diakonissen-Krankenhauses Kassel.

„In der überwiegenden Zahl der Fälle sind kalte Füße oder Hände kein Ausdruck einer ernsten Erkrankung“, sagt Bröker. Werden Finger oder Zehen bei Kälte blass und erreichen erst nach einiger Zeit wieder ihre normale Farbe, deutet dies laut Bröker auf das Raynaud-Syndrom hin. „Im Grunde ist es eine Überempfindlichkeit der kleinen Blutgefäße“, sagt der Gefäßspezialist. Dabei verkrampften sich die Gefäße, die elastisch und mit vielen Nerven versehen sind. Diese plötzliche Durchblutungsstörung betrifft vor allem die Finger. „Solche Krampf-Attacken können mehrmals am Tag auftreten“, sagt Bröker.

Frauen häufiger betroffen

Laut der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (Lehre der Gefäßerkrankungen) leiden etwa sieben bis zwölf Prozent der Bevölkerung an der Erkrankung. Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer. Die Entstehung der Erkrankung ist nicht bekannt.

Hans-J. Bröker

Auslöser können Kälte, Stress oder auch ein plötzlicher Temperaturwechsel sein. Wenn die Temperatur unter zehn Grad Celsius fällt, können bereits Anfälle auftreten, vor allem in Verbindung mit Feuchtigkeit. Auch das Händewaschen mit kaltem Wasser kann einen Anfall verursachen. „Die Erkrankung ist gutartig, kann aber im Alltag ziemlich lästig werden“, sagt Bröker. In erster Linie gelte es, Hände und Finger warmzuhalten. Viele Patienten hätten gerade im Winter mit beheizbaren Handschuhen gute Erfahrungen gemacht. Dicke Sohlen, wasserdichte und gut imprägnierte Schuhe sorgen dem Facharzt zufolge für warme und trockene Füße. „Es sollte auch genug Platz im Schuh für Einlegesohlen oder dicke Socken bleiben“, rät er. Hilfreich seien zudem Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder eine Biofeedbacktherapie. Eine Behandlung sei in der Regel nicht notwendig. Kalte Füße könnten auch ein Symptom der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) sein, einer Form der Atherosklerose (Gefäßverkalkung). Die PAVK mache sich aber durch weitere Symptome bemerkbar und betreffe vor allem Menschen über 65 Jahre sowie Risikogruppen wie Raucher, Diabetiker und Menschen mit Bluthochdruck. (mkx)

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