1. Startseite
  2. Kassel

Esther Kalveram ist SPD-Direktkandidatin

Erstellt:

Von: Christina Hein

Kommentare

Esther Kalveram freute sich über den Rückhalt als SPD-Direktkandidatin. Es gratulierten Johannes Knöfel vom SPD-Ortsverein Nord-Holland (links) und Asib Malekzada (rechts), Kalverams Ersatzbewerber.
Esther Kalveram freute sich über den Rückhalt als SPD-Direktkandidatin. Es gratulierten Johannes Knöfel vom SPD-Ortsverein Nord-Holland (links) und Asib Malekzada (rechts), Kalverams Ersatzbewerber. © Dieter Schachtschneider

Die SPD hat sich für den Wahlkreis Kassel-Ost zur Landtagswahl aufgestellt: Esther Kalveram ist Direktkandidatin.

Kassel – Das Ergebnis ist deutlich: Die SPD-Landtagsabgeordnete Esther Kalveram ist bei der Konferenz zur Aufstellung des Direktkandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis Kassel-Ost mit 85,2 Prozent klar gewählt worden. Von den 81 SPD-Mitgliedern, die sich im Elisabeth-Selbert-Haus in Niederzwehren getroffen haben, gaben ihr 69 ihre Stimme; fünf enthielten sich, sieben stimmten gegen Kalveram.

Damit steht fest, dass die SPD zur Landtagswahl im Herbst 2023 mit Kalveram für den Osten und Ron-Hendrik Hechelmann für den Kasseler Westen antritt. Hechelmann und seine Ersatzbewerberin Teslihan Ayalp waren vor zwei Wochen nominiert worden. Hechelmann, der die Veranstaltung am Samstag als Parteichef hätte moderieren sollen, war verhindert: Er war in der Nacht zuvor zum zweiten Mal Vater geworden.

„Wir wollen die Besten ins Rennen schicken“, hatte Bürgermeisterin Ilona Friedrich vor der Wahl als Fürsprecherin Kalverams erklärt. Nach 24 Jahren Opposition in Wiesbaden sei der Zeitpunkt gekommen, dass die SPD wieder das Ruder übernehme.

Thevagar Mohanadhasan unterlag als Ersatzbewerber für die SPD-Dirkektkandidatur in Kassel.
Thevagar Mohanadhasan unterlag als Ersatzbewerber © Schachtschneider, Dieter

Für Kalveram spreche viel: Erfahrung, Tatkraft, soziale Verantwortung, Urteilsvermögen, Humor, das Herz am rechten Fleck und eine große Nähe zu den Menschen. Das waren die Stichworte, die für Kalverams Kompetenz angeführt wurden. Soweit war man sich einig.

Auf den Knackpunkt und die Missstimmung der Veranstaltung kam Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels in einem Nebensatz zu sprechen. „Ich danke Thevagar Mohanadhasan, dass er seine Kandidatur gegen Esther Kalveram zurückgezogen hat.“ Der 27-jährige Juso Mohanadhasan hatte Anfang November überraschend angekündigt, als „Wahlalternative“ zu Kalveram für die Direktkandidatur anzutreten. Das hatte für Aufregung innerhalb der SPD gesorgt. Daraufhin hatte Mohanadhasan – auch nachdem ihm dies von Genossen ans Herz gelegt worden war, wie er sagte – seine Bewerbung zurückgezogen. Er wollte so „zur Beruhigung der Partei beitragen“, hatte er der HNA gesagt.

Jetzt wurde er abgestraft – als Kandidat für die Ersatzbewerbung. Die Genossen hatten für diese Wahl als Bewerber Asib Malekzada (34) aus dem Hut gezaubert. Mit 48 Stimmen wählten sie ihn. Mohanadhasan unterlag mit 31 Stimmen.

Das Bemerkenswerte an der Veranstaltung war, dass über eine Stunde lang über die Ersatzbewerber gestritten beziehungsweise für sie geworben wurde. Ein Dutzend Genossinnen und Genossen meldeten sich zu Wort, um zum Teil mit viel Empathie für Malekzada oder Mohanadhasan zu sprechen.

Dabei kam von den älteren unverhohlen Kritik an Mohanadhasan zum Ausdruck. Dass er als Herausforderer Kalverams seinen Hut in den Ring werfen wollte, wurde ihm offenbar übel genommen. Nach zum Teil emotionalen Wortbeiträgen meldete sich am Ende Isabel Carqueville, die sozialdemokratische OB-Kandidatin gegen Amtsinhaber Christian Geselle, zu Wort und sagte: „Zwei Kandidaten sollten wir doch als Stärke empfinden.“

Kommentar

Flammende Reden hielten die Genossen (es waren tatsächlich ausschließlich ältere Männer) auf Asib Malekzada als „idealen“ und „loyalen“ Ersatzbewerber und damit Nachrücker für die gerade gewählte Direktkandidatin Esther Kalveram. Im Überschwang fielen dann schon mal Sätze wie: „Als Asib damals zu uns kam, habe ich ihn erst mal unter meine Fittiche genommen.“ Sowas ist vielleicht gut gemeint, klingt aber gönnerhaft.

Oft schwang – indirekt aber auch unverhohlen – Kritik an Malekzadas Mitbewerber um das Amt, Thevagar Mohanadhasan, mit. Warum? Der hatte zuvor die Unverfrorenheit besessen, sich als Direktkandidat und damit als Herausforderer Kalverams anzubieten. Vielleicht hat sich der 27-jährige Juso ungeschickt verhalten, indem er nicht alle Ortsvereine in seine Pläne eingebunden und damit viele Genossen überrascht hatte. Das wurde ihm vorgeworfen. Einige Sozialdemokraten haben sein Ansinnen wohl als umstürzlerisch empfunden. Und behandelten ihn entsprechend wie einen Verräter. Aber wer hätte denn was zu befürchten gehabt? Sind mehr Bewerber – egal wo – nicht in jedem Fall eine demokratische Qualität?

„Wir brauchen keine schräge Diskussion über Jung und Alt“, hatte sich Wolfgang Decker während der Wahlkreiskonferenz eingemischt, als er merkte, dass die Stimmung im Saal genau diese gefährliche Richtung einnahm.

Eine solche Polarisierung ist das Kontraproduktivste, was sich eine Partei leisten kann. Man möchte der Kasseler SPD raten: Nutzt die Energie und das Potenzial der Jungen als größte Chance, die politische Arbeit überhaupt haben kann. Bekämpft sie nicht.

Auch interessant

Kommentare