In der Weihnachtszeit konkurrieren Kleinkünstler und Bettler in der Innenstadt

Kampf um die besten Plätze

Addy de Lüx, der Ballonclown: Zur Weihnachtszeit ist der Straßenkünstler als Weihnachtsmann verkleidet, verknotet Luftballons zu fantasievollen Figuren und verkauft sie auf der Oberen Königsstraße an Passanten. Auf unserem Bild hat er sein „Luftschwert“ in der Hand. Foto: Malmus

Kassel. Für die einen ist es nur ein Platz auf dem Gehweg, für andere ist er bares Geld wert. In der Weihnachtszeit eifern Bettler, Straßenmusikanten und Kleinkünstler in der Innenstadt um die besten Plätze.

Vergangene Woche führte der Konflikt sogar zu Handgreiflichkeiten: In der Oberen Königsstraße gerieten ein Straßenkünstler und mehrere Punker aneinander. „Normalerweise komme ich mit denen aus“, sagt Künstler Addy de Lüx, der als Ballonclown und Weihnachtsmann arbeitet.

Doch weil eine Gruppe Punker wieder einmal auf seinem Platz gesessen hat, habe er sie gefragt: „Überwintert ihr hier?“ Daraufhin seien drei Punker auf ihn losgegangen. „Ich habe mich reflexartig weggedreht“, sagt der Künstler. Dabei habe er einen Punker wohl mit einem Klappstuhl am Kopf getroffen.

Nun liege gegen ihn eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung vor. „Dabei war das doch ein reiner Reflex“, sagt er. Er sei sich keiner Schuld bewusst und schimpft auf die Punker: Sie seien schlecht fürs Geschäft, ihre Hunde nicht angeleint. Dass Streits in körperliche Auseinandersetzungen ausarten, ist laut Stadt und Polizei aber die Ausnahme.

Trotzdem zeigt der Vorfall, dass die Lage für Kleinkünstler und Straßenmusikanten problematisch ist. „Aufgrund der Vorweihnachtszeit und der damit verbundenen Stände des Weihnachtsmarktes können wir nur eine geringere Anzahl von Plätzen in der Innenstadt für Straßenmusikanten anbieten“, sagt Axel Heiser, Leiter des Ordnungsamtes.

Wer wo stehen darf, ist genau geregelt: Die Künstler brauchen eine Erlaubnis für eine Sondernutzung, die mindestens fünf Euro für drei Stunden kostet, 15 Euro werden für einen ganzen Tag fällig. „Das Betteln in der Innenstadt ist nach derzeitiger Rechtsprechung dagegen keine Sondernutzung“, erklärt Heiser. Wenn nun ein Künstler mit Erlaubnis und ein Bettler ohne um einen lukrativen Platz streiten, kann der Künstler theoretisch das Ordnungsamt rufen.

In der Praxis sei das nicht erforderlich, sagt Heiser. „Eine vernünftige Einigung vor Ort sollte möglich sein.“ Nichts könne das Ordnungsamt dagegen tun, wenn es sich um eine private Fläche handelt. Dann könne nur der Eigentümer einschreiten.

Seine eigene Erfolgsstrategie hat Tagessatz-Verkäufer Heinz Bechlars. „Ich bin schon morgens um halb neun da“, sagt er. Zu dieser frühen Stunde macht ihm keiner seinen Stammplatz in der Innenstadt neben der Buchhandlung Thalia streitig. Das Klima sei allerdings rauer geworden, bestätigt auch er.

Von Göran Gehlen und Thomas Siemon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.