Unmut und Sorge

Kampf um Daimler-Jobs in Kassel: 100 Stellen in Gefahr

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Läuft gut: Die Lkw-Achsenproduktion im Daimler-Werk in Kassel. Unser Archivfoto zeigt Sascha Wiegandt und Matthias Hinz (hinten) mit letzten Handgriffen an der fertig montierten Actros-Hinterachse.

Kassel. Im Kasseler Lastwagen-Achsenwerk des Daimler-Konzerns wachsen Unmut und Sorge über die diskutierte Verlagerung der Hinterachswellen- und Achsgehäuse-Produktion. Das würde nach Angaben von Betriebsratschef Dieter Seidel fast 100 Jobs am Standort kosten.

Er bezeichnete die Pläne des Managements in der  Betriebsversammlung am Dienstag als „Kriegserklärung“ und kündigte an, dass es „richtig raucht, wenn es so kommt“.

Hintergrund der Verlagerungsabsichten ist die laufende strategische Neuausrichtung der Lkw-Komponentenwerke Kassel, Mannheim und Gaggenau mit insgesamt 20.000 Beschäftigten. Im Kern geht es darum, was künftig selbst hergestellt oder zugekauft wird.

Unterdessen haben die Betriebsräte der betroffenen Standorte eine Allianz geschmiedet. „Wir werden mit einer Stimme sprechen, wenn es um die nicht genügend gewürdigte Beschäftigungssicherung geht“, ließ Seidel keinen Zweifel an der Kampfbereitschaft der Beschäftigten.

Bei den Verlagerungsplänen geht es weniger um Einsparungen bei der Produktion selbst, sondern vielmehr um den Wegfall notwendiger Investitionen. Der Chef der Lkw-Sparte, Wolfgang Bernhard, hat zu VW-Zeiten bereits versucht, Komponentenfertigung an Dritte zu vergeben. So wollte er im Werk Kassel in Baunatal den Abgasanlagenbau komplett schließen und stellte auch den Getriebebau infrage. Beide Bereiche arbeiten heute dank des intelligenten Umbaus durch den heutigen Werkleiter Prof. Dr. Hans-Helmut Becker hochprofitabel.

Werkleiter Ludwig Pauss betonte, dass es noch keine abschließenden Entscheidungen gebe und zeigte sich zuversichtlich, dass eine für alle Seiten vertretbare Lösung gefunden werde. Er sehe die Dinge „nicht dramatisch“.

Unterdessen verspürt das Werk aktuell eine kleine Auftragsdelle. Grund sind Vorzieheffekte im Zusammenhang mit der Umstellung der Umweltnorm bei Lkw von Euro 5 auf 6, wodurch viele Kunden vor dem Jahreswechsel stark orderten, was jetzt in den Auftragsbüchern fehlt. Seidel betonte aber, dass alles im grünen Bereich sei, zumal es im Transporterbereich besser laufe als erwartet. Dennoch habe man um Karneval herum zwei Tage Betriebsruhe gehabt, und im März sollen wahrscheinlich zwei Schichten wegfallen.

Fürs Gesamtjahr sieht es nach seinen Angaben aber prächtig aus. Der Ausstoß soll nochmals um neun Prozent auf fast 590.000 Achsen steigen. Die Beschäftigung der 2900 festen und 66 befristeten Mit- sowie der 110 Leiharbeiter ist laut Seidel vollumfänglich gesichert. „Akut muss sich niemand Sorgen machen“, sagte er.

Pauss gab sich zurückhaltender. Er erwartet, dass 2014 besser werde als das abgelaufene Jahr. Vor allem die gute US-Konjunktur verspreche eine gute Auftragslage. Einen Schub werde auch der Anlauf des neuen Van-Hinterachsgetriebes bringen.

Von Jose Pinto

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