Prognose bis 2030: Kasseler Umweltmeteorologen haben eine Klimakarte für die Region erstellt

Kampf der dicken Luft in Nordhessen

Klimakarte: Prof. Dr. Katzschner, Umweltmeteorologe von der Uni Kassel, weiß, wo es in Nordhessen in den kommenden Jahren besonders heiß wird. Foto: Dilling

Kassel. Die Welt will den Klimawandel stoppen. Doch Professor Dr. Lutz Katzschner, Umweltmeteorologe an der Uni Kassel, hat wenig Hoffnung, dass das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, noch erreichbar ist.

Die globale Aufheizung der Atmosphäre werden die Menschen auch in Nordhessen zu spüren bekommen, sagt der Wissenschaftler. Bis 2030 erwartet er immer länger dauernde Hitzeperioden und häufigere austauschärmere Wetterlagen: In den Städten und Ballungsräumen hängt dann die sprichwörtlich „dicke Luft“ wie unter einer Glocke. Stickoxide und Feinstäube belasteten die Gesundheit der Bewohner. Empfindliche und gehandicapte Menschen leiden dann unter Hitzestress.

Katzschner hat die globalen Klimaprognosen auf das Gebiet des Zweckverbands Raum Kassel (ZRK) und Nordhessen heruntergebrochen. Auf seiner Klimakarte sieht man die „Hotspots“ tiefrot. Das sind die Gebiete, die unter dem Klimawandel besonders zu leiden haben werden. Seine Forschung ist Teil des Verbundprojekts „Klimaanpassungsnetzwerk Nordhessen“ im Programm KLIMZUG („Klimaanpassung zukunftsfähig gestalten“) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Heute Weichen stellen

Bei der Entwicklung der regionalen Klimakarte konnten die Kasseler Wissenschaftler auf bestehende Prognosen und eigene Messungen zurückgreifen, beispielsweise am Holländischen Platz und den meteorologischen Daten vom Hohen Meißner der Landesanstalt für Umwelt. Die Ergebnisse seiner Forschung sind Katzschner eindeutig. Es müssten bereits heute von Politik und Planern Weichen gestellt und Konsequenzen gezogen werden, wenn die Folgen des Klimawandels Nordhessen in 20 Jahren nicht so hart treffen sollen wie befürchtet.

„Es ist eine große Aufgabe für die Stadt Kassel, die Frischluftzufuhr nicht weiter abzuriegeln“, sagt Katzschner. Er gehört deshalb zu den entschiedenen Gegnern des geplanten Gewerbegebiets auf dem Langen Feld in Niederzwehren.

Die Vielfalt der nordhessischen Landschaft mit seiner thermisch ausgleichenden Wirkung müsse erhalten bleiben, die Anstrengungen zur Luftreinhaltung verstärkt werden, und die Funktion bestimmter Gebiete für den Klimaschutz in den Mittelpunkt aller Planungen rücken, fordert Katzschner. Außerdem müsse sich der Wintertourismus umstellen. Denn der Schnee werde immer weniger.

Gebiete mit Wald gewinnen

Nach Katzschners Prognose werden die Stadtteile Bettenhausen und Waldau zu den Verlierern des Klimawandels zählen, Stadtteile wie Brasselsberg und Bad Wilhelmshöhe kommen besser weg. Das liegt unter anderem an deren Nähe zum Wald und dessen kühlender Wirkung.

Katzschner will auf Grundlage seiner Prognosen nun eine Informationsbroschüre schreiben. Die könnte ein Leitfaden für Politiker und Planer beim Kampf gegen den Klimawandel werden. (pdi)

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