Auch am Donnerstag nur eine Mindestbesetzung

Kampf für Anerkennung: Klinikum-Mitarbeiter streiken in Kassel

Menschenkette vor dem Klinikum Kassel
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Mit einer Menschenkette machten die Mitarbeiter des Klinikums auf ihre Forderungen aufmerksam.

Sie fordern mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen: Mit einer Menschenkette haben die Mitarbeiter des Klinikums auf ihre Forderungen aufmerksam. Am Donnerstag wollen sie erneut streiken.

Kassel – Im Frühjahr gab es Beifall für die Corona-Helden in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Weil die Arbeitgeber diese Wertschätzung aus Sicht von Verdi und vieler Beschäftigter jedoch nicht während der laufenden Tarifverhandlungen in ihren Angeboten zeigen, hat die Gewerkschaft die Mitarbeiter des Klinikums für gestern und heute zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Nach einer Kundgebung im Nordstadtpark – auf dem Klinikgelände war diese wegen der Pandemie nicht möglich – bildeten die 450 Streikenden gestern Morgen eine Menschenkette um das Krankenhaus an der Mönchebergstraße. Die Meinung der Teilnehmer war dabei einhellig: Ihre Arbeit muss deutlich besser honoriert werden.

Das findet auch Raoul Willmann. Er arbeitet seit sieben Jahren als Krankenpfleger im Klinikum. „Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände versucht uns eine Nullrunde über drei Jahre aufzudrücken und ist nicht bereit, auf uns zuzugehen. Gerade in Coronazeiten, wo so viel für unsere Leistung applaudiert wurde, sollten wir das nicht hinnehmen“, sagt er. Man kämpfe in der Pflege nicht erst seit gestern um bessere Arbeitsbedingungen, aber jetzt reiche es. „Es geht uns gar nicht so sehr ums Geld, sondern um Entlastung.“

Krankenpflegerin Jule Finis ergänzt, die schlechten Arbeitsbedingungen während Corona seien gar nicht entscheidend, diese seien vorher schon nicht gut gewesen. „Für uns ist es ein Hohn, dass Politiker und Arbeitgeberverbände sich während der Krise sehr positiv zu unserer Leistung geäußert haben und jetzt, wenn wir bessere Arbeitsbedingungen fordern, werden wir nicht ernst genommen und stehen wieder alleine da.“ Es sei unverschämt, dass große Firmen subventioniert würden, für die Klinikmitarbeiter sei dagegen kein Geld da. „Und das, obwohl wir Personen sind, die die Gesellschaft am Laufen halten.“

Krankenpflegerin Ira erinnerte daran, dass Klinikmitarbeiter im März als systemrelevant eingestuft worden seien. Jetzt erhalte die Pflege aber doch nicht die Anerkennung, die sie verdiene. Die Bonuszahlung, die Pflegekräfte wegen der Pandemie erhalten sollten, sei zum Teil nur in der Altenpflege ausbezahlt worden. „Auch dort wurden wir verkaspert.“

Insgesamt blieb die Situation am Klinikum gestern trotz des Warnstreiks entspannt. Die Mitarbeiter standen mit Plakaten, Trillerpfeifen und Ratschen vor dem Haupteingang, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Sie trugen Masken und hielten Abstand. Patienten und Besucher, die ins Klinikum wollten, gingen an den Mitarbeitern vorbei ins Gebäude, wo eine Mindestbesetzung und ein Notdienst arbeiteten.

„Wir hoffen, dass es schnell zu einer Einigung in der Tarifauseinandersetzung kommt“, sagt Dr. Michael Knapp, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH). Grundsätzlich verfolge die GNH mit ihren Beschäftigten ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie eine Vergütungsstruktur, die den Anforderungen an einen Arbeitsplatz in einem Krankenhaus der Maximalversorgung gerecht werde. Dafür habe man Projekte definiert, mit denen dieses Ziel realisiert werden soll – wie etwa die Verstärkung der medizinisch/pflegerischen Teams sowie eine Verbesserung der klinischen Infrastruktur und damit der Arbeitsbedingungen durch Bauprojekte auf der Intensivstation und im OP.

Service: Heute hat Verdi für 13 Uhr eine Rad-Demo unter dem Motto „Zurück-Klatschen“ organisiert. Diese führt vom Klinikum zum Königsplatz. (Von Pascal Spindler und Marie Klement)

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