Gezielte Fehlinformationen beseitigen

Kampf gegen Fake News: Uni Kassel ist an Forschung zum Thema beteiligt

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Bewusste Falschmeldungen im Internet sind ein großes Problem: Die Kasseler Uni arbeitet gemeinsam mit anderen Hochschulen daran, auf technischem Weg manipulative Informationen schnell ausfindig zu machen und zu löschen.

Kassel. Wenn Fake News, also bewusst gefälschte Informationen, im Umlauf sind, müssen sie schnell entlarvt werden. Auch die Uni Kassel arbeitet an Strategien zur Eindämmung von Fake News.

Innerhalb weniger Stunden würden sich solche manipulativen Nachrichten in Sozialen Netzwerken und auf Internetplattformen verbreiten, sagt Prof. Alexander Roßnagel, Leiter des Fachgebiets Öffentliches Recht an der Uni Kassel. Im bundesweiten Forschungsprojekt „Dorian“ arbeitet die Kasseler Hochschule mit daran, Strategien zur Eindämmung von Fake News zu entwickeln.

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Projekt arbeiten Juristen, Medienwissenschaftler, Psychologen, Informatiker und Journalisten gemeinsam daran, Fake News automatisch zu erkennen und zu bekämpfen. Wenn eine gefälschte Botschaft erst millionenfach geteilt und mit einem Like-Button versehen wurde, sei der Kampf um die Meinungsführerschaft schon verloren, sagt der Jurist. Dann bleibe immer etwas von der unwahren Geschichte hängen.

Alexander Roßnagel

Dabei ist das Phänomen der Fake News nicht neu. Schon immer wurden gezielte Fehlinformationen eingesetzt, um politische oder persönliche Ziele zu erreichen. „Durch das Internet und die Möglichkeit der viralen Verbreitung hat sich das Problem verschärft“, sagt Roßnagel.

Aufgrund der Vielzahl von Fehlinformationen und der Unübersichtlichkeit des Internets wird im Projekt „Dorian“ an einer technischen Lösung gearbeitet, Fake News aufzuspüren. Dies sei möglich, weil oft so genannte Social Bots zum Einsatz kommen. Das sind Programme, die in Sozialen Netzwerken menschliche Verhaltensmuster simulieren und so etwa den Eindruck erwecken, dass Tausende hinter einer bestimmten Meinung stehen. Diese Programme seien technisch identifizierbar. Gleiches gelte für manipulierte Bilder.

Juristische Dimensionen im Mittelpunkt

Die Kasseler Wissenschaftler werden sich aber vor allem mit der juristischen Dimension beschäftigen. „Ein schwieriges Feld, denn es gilt die Meinungsfreiheit. Eine Lüge ist nicht per se strafbar“, sagt Roßnagel. Dafür müsse erst der Straftatbestand der Beleidigung, üblen Nachrede oder Volksverhetzung erfüllt sein. Im Einzelfall müsse geprüft werden, ob es sich um eine zulässige Meinungsäußerung oder eine Tatsachenbehauptung handelt. Das Beispiel des US-Präsidenten Trump zeige, dass selbst der Begriff Fake News Interpretationsspielräume lässt. „Für Trump sind alle Informationen Fake News, die ihm nicht passen.“

Ende 2019 soll die Forschung abgeschlossen sein. Dann sollen Empfehlungen an Politik, Bürger und Medien weitergegeben werden. Dies scheint auch dringend nötig. Denn bisher sind nur einige große Plattformen wie Twitter oder Facebook verpflichtet, Beschwerdemanagementsysteme zu betreiben. Innerhalb weniger Stunden müssen diese vermeintliche Fake News prüfen und gegebenenfalls löschen.

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