Der Ausländerbeirat und türkische Vereine wollen weite Wege nach Frankfurt sparen

Kampf für türkisches Konsulat in Kassel

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Wollen ein türkisches Konsulat in Kassel: (von links) Kamil Saygin, Vorsitzender des Ausländerbeirats, und der türkische Generalkonsul Ilhan Saygili.

Kassel. 25.000 Türken leben in Stadt und Landkreis Kassel, sagt Kamil Saygin, Vorsitzender des Ausländerbeirates. Jeder Erwachsene davon müsse im Durchschnitt bis zu zweimal im Jahr nach Frankfurt zum türkischen Generalkonsulat fahren, um dort Behördengänge zu erledigen.

Das sei stets ein sehr zeitaufwändiges Unterfangen.

Seit 25 Jahren bemühten sich der Ausländerbeirat der Stadt Kassel, die Ausländerbeiräte umliegender Kommunen und türkische Vereine deshalb darum, dass ein ständiges türkisches Konsulat in Kassel eingerichtet wird.

Dieses Anliegen werde auch von dem türkischen Generalkonsul Ilhan Saygili aus Frankfurt unterstützt, sagt Saygin. Als der Generalkonsul am Freitag in Kassel bei der Gedenkfeier für den von Neonazis ermordeten Halit Yozgat war, habe er dies noch einmal unterstrichen. Das Frankfurter Generalkonsulat, das derzeit für fast 300.000 Türken in Deutschland zuständig sei, würde dadurch auch entlastet.

Eine Belastung für die Kasseler Türken stellten hingegen die Behördenfahrten nach Frankfurt dar. Saygin zählt auf: Morgens um 5 Uhr müsse man abfahren, damit man im Generalkonsulat eine Reihennummer für die Formalitäten bekomme. Wegen mancher Anliegen müsse man gleich mehrmals (zwei- bis dreimal) in die Mainmetropole fahren. Oft gebe es Probleme, vom Arbeitgeber dafür Urlaub zu bekommen.

Saygin will über das Anliegen der nordhessischen Türken demnächst mit dem Botschafter in Berlin sprechen. „Notfalls fliegen wir auch nach Ankara und reden dort mit den zuständigen Politikern.“ Ob ein Konsulat in Kassel eröffnet wird, dazu müsse sich die türkische Regierung erst entscheiden, die auch alle Kosten für Miete und Mitarbeiter zu tragen habe. Fasse die türkische Regierung diesen Entschluss, müsse sie anschließend einen Antrag bei der Bundesregierung stellen. Saygin ist zuversichtlich, dass von deutscher Seite einem türkischen Konsulat in Kassel nichts im Wege steht. Von der Stadt Kassel erhoffe sich der Ausländerbeirat Hilfe bei der Suche nach passenden Räumlichkeiten.

In den 1990er-Jahren hatten Mitarbeiter des Generalkonsulats Frankfurt bereits einmal im Monat eine Sprechstunde in Kassel angeboten. Dadurch mussten weniger Kasseler Türken nach Frankfurt fahren, sagt Saygin. Leider habe es dieses Angebot nur zwei Jahre gegeben. Grund sei das Wiener Abkommen. Demnach dürfen Mitarbeiter von Konsulaten nur in Konsulatsgebäuden arbeiten.

Der Ausländerbeirat und die türkischen Vereine wollen nicht, dass in Kassel eine Zweigstelle des Frankfurter, sondern ein eigenständiges Konsulat eingerichtet wird. Das neue Konsulat könnte dann für den Regierungsbezirk Kassel, Südniedersachsen, Paderborn und Westthüringen zuständig sein, sagt Saygin.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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