Brandbomben und Schrott

Kampfmittelräumdienst hat in Aue- und Bergpark zwölf Sprengkörper geborgen

Jede Menge Schutt unter der Karlswiese: Michael Boßdorf, der Leiter der Gärten der MHK, neben einem Berg Ziegeln. Diesen haben die Kampfmittelräumer aus dem Boden geholt. Fotos: Ludwig

Kassel. Nach und nach gelangen die Spuren des Zweiten Weltkriegs an die Oberfläche: Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes haben bei ihrer Suche im Aue- und Bergpark in den vergangenen Wochen bereits elf Stabbrandbomben und eine 15-Kilo-Brandbombe geborgen.

Die Munition sei aber nicht so empfindlich gewesen, weshalb die Experten die Bomben nicht vor Ort entschärft hätten, sagt Michael Boßdorf, Leiter der Gärten der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Sie seien in einem Sicherheitsbehälter abtransportiert worden.

Die Firma OBK Kampfmittelbergung aus Mecklenburg-Vorpommern untersucht im Auftrag der MHK die beiden Parks auf Blindgänger. In einer ersten Phase haben OBK-Mitarbeiter auch die Karlswiese vor der Orangerie sondiert. Nach Auswertung alter Luftbilder hatten die Experten zuvor festgestellt, dass es dort besonders viele Bombeneinschläge gegeben hatte. „Deshalb vermuten wir dort viele Blindgänger“, sagt Boßdorf.

13 Bombenkrater

Bis zum Grundwasser gegraben: Eine der ausgehobenen Gruben, in der Schrott steckte.

Allein im vorderen Drittel der Karlswiese würden derzeit 13 verfüllte Bombenkrater mit einem Bagger geöffnet. An diesen Stellen seien bei der Sondierung Anomalien im Boden festgestellt worden. Neben fünf Stabbrandbomben und der 15-Kilo-Brandbombe stießen die Bombenentschärfer auf Kriegsschutt und Schrott: Alte Teile eines Parkzauns, ein Topf, eine Wanne, Wasserrohre und Fundamente der früheren Beschilderung im Park. „Bisher nichts von historischem Wert“, sagt Boßdorf.

Unter der Rasenfläche verbirgt sich aber nicht nur Altmetall, sondern auch jede Menge Bauschutt. „Er stammt aus dem Krieg, aber sicher auch vom Wiederaufbau der Orangerie in den 70er-Jahren“, sagt Boßdorf. Mit dem Schutt seien die Krater seinerzeit verfüllt worden.

Bis zum 19. Dezember soll die Bombensuche vor der Orangerie fortgesetzt werden. Parallel dazu wird im Bergpark gesucht, wo schon sechs Stabbrandbomben entdeckt wurden. Vor Weihnachten gehen die Bombensucher in die Winterpause. „Wir hoffen, dass wir bis dahin mit der Karlswiese fertig sind“, sagt Boßdorf. Im Frühjahr würden die Arbeiten fortgesetzt, die noch Jahre dauern würden.

Völlig ungefährlich: Ein alter Topf mit Henkeln.

Im hinteren Teil des Aueparks seien deutlich weniger Bomben niedergegangen, weil dieser weiter von der Innenstadt entfernt liege, sagt der Leiter der Gärten.

Dass die Karlswiese durch den Baggerarbeiten wieder beschädigt wurde, sei ärgerlich, so Boßdorf. Die Schäden am Rasen, die nach dem Hessentag entstanden waren, seien erst im Herbst 2013 aufwendig beseitigt worden. Seinerzeit sei die Blindgängersuche noch nicht absehbar gewesen.

Anfang 2014 gestartet

Sie war Anfang 2014 beschlossen worden, nachdem bei Instandsetzungsarbeiten im Bereich Neuer Wasserfall des Bergparks die Frage nach Blindgängern bei der MHK aufkam. Im März 2014 war mit den Voruntersuchungen begonnen worden.

Von Bastian Ludwig

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