Georg du Mont war Stadtkommandant von Kassel

Kanadier erforscht Familiengeschichte: Kasseler Vorfahre kämpfte einst um Akropolis

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Wurde im Krieg zerstört: Dieses Haus (rechts) an der Marktgasse hatte Georg du Mont 1697 erbaut. Im Krieg wurde es zerstört. Nur noch das Eingangsportal ist erhalten.

Kassel. Er ist ein Beispiel dafür, wie Flüchtlingsfamilien in ihrer neuen Heimat Bedeutendes bewegt haben: Generalleutnant Georg du Mont. Der Hugenotte wurde unter Landgraf Karl Kommandant von Kassel.

Als Befehlshaber des hessischen Regiments war du Mont (1650 - 1705) zuvor nach Griechenland entsandt worden, um gegen die osmanischen Besatzer zu kämpfen. Dabei versuchte er den Parthenon in Athen vor der Zerstörung durch Kanonen zu retten. Sein Nachfahre Jeffrey de Fourestier aus Kanada hat nun seine Familiengeschichte und das Wirken seines mehrfach Urgroßonkels Georg du Mont aufgearbeitet.

Georg du Monts Vater war als Protestant im katholisch dominierten Frankreich verfolgt worden. Er floh nach Kassel, wo er 1641 die Bürgerrechte erhielt und noch im selben Jahr heiratete. Das Paar bekam fünf Kinder. Sohn Georg du Mont legte nach einer umfassenden Schulbildung eine erstaunliche Karriere beim Militär hin. Nachdem er in der niederländischen Armee und für das Militär der damaligen Hansestadt Osnabrück gedient hatte, kehrte er nach Kassel zurück.

Er hoffte, das Kommando der Republik Venedig zu bekommen, die gegen das Osmanische Reich kämpfte. Doch Landgraf Karl hatte für Georg du Mont, den Zeitgenossen als „noch jugendkräftigen, aber bereits schon vielversuchten Krieger“ beschrieben, andere Pläne. Er machte den Hugenotten zum Befehlshaber des hessischen Regiments.

Als solcher wurde er samt Regiment nach Griechenland geschickt, wo er unter dem Kommando eines venezianischen Generals gegen die Osmanen kämpfte. Der Handel mit Soldaten war ein lukratives Geschäft für die deutschen Fürsten. Zunächst war du Mont mit seinen Mannen daran beteiligt, die Halbinsel Peloponnes von den Osmanen zurückzuerobern.

Jeffrey de Fourestier

Am 21. September 1687 erreichten die Truppen schließlich auf Schiffen den Hafen von Athen. Georg du Mont erhielt den Befehl, mit tausend Mann die dort verschanzte osmanische Armee zu belagern. Etwa 500 bis 600 Osmanen hatten sich auf die Akropolis zurückgezogen und diese zu einer Festung ausgebaut.

Ein osmanischer Überläufer erzählte den Belagerern, dass die Osmanen ihr Kanonenpulver im Parthenon gelagert hätten. Georg du Mont versuchte, die Venezianer davon abzuhalten, direkt auf die antike Stätte zu feuern, schreibt Jeffrey de Fourestier. Doch der venezianische General habe den Parthenon mit Mörsern beschießen lassen. Als am Abend des 26. September 1687 das Munitionslager explodierte, wurde das Bauwerk stark beschädigt. Die Osmanen waren geschlagen – vorerst.

Zeichnung von 1707: Sie zeigt den Beschuss des Parthenon.

Viele der herumliegenden Bruchstücke des Parthenons wurden von den Soldaten mit in die Heimat genommen. Noch im 19. Jahrhundert bedauerte ein Museumsdirektor, „daß die hessischen Soldaten nicht mehr derartige Köpfe aus den Trümmern des Parthenons in ihren Tornistern mit nach Kassel gebracht hätten.“

Als Georg du Mont nach Kassel zurückkehrte, soll sein Regiment noch aus 184 Mann bestanden haben. 1697 baute er sich ein stattliches Haus im barocken Stil an der Marktgasse 17. In dem Gebäude sollen auch Bruchstücke des Parthenon verbaut worden sein, wie sich die Kasseler seinerzeit erzählten. 1705 starb Georg du Mont.

Vor der Zerstörung: In dem Haus lebten auch die Grimms. Um das ganze Bild zu sehen, klicken Sie oben rechts.

100 Jahre später, 1805, bezogen die berühmten Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit ihrer Familie eine Wohnung in dem Haus. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde es zerstört. Erhalten blieb nur der Eingang des Hauses, der später an der Straße „Graben“ als Denkmal aufgestellt wurde.

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