Kasselwasser schickte fünf Mitarbeiter mit Hochdruckspülwagen in das Ahrtal

Kasseler Kanalreiniger halfen im Katastrophengebiet

Einsatz von Kasselwasser im Ahrtal: die Kanalreiniger Leon Ohrbach (links) und Edwin Götz.
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Einsatz von Kasselwasser im Ahrtal: die Kanalreiniger Leon Ohrbach (links) und Edwin Götz.

Fünf Mitarbeiter von Kasselwasser reinigten Kanäle im Ahrtal nach der Flutkatastrophe.

Kassel – „Man fährt mit dem Gefühl nach Hause, dass man helfen konnte. Man hofft aber auch, dass einem selbst niemals so etwas passieren wird“, sagt der 23-jährige Leon Ohrbach, Kanalreiniger bei Kasselwasser. Er und vier weitere Kollegen waren ab dem 3. August nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im Einsatz. Vier Wochen lang haben die Mitarbeiter von Kasselwasser abwechselnd dabei geholfen, dass in dem Katastrophengebiet die großen Abwasserkanäle von innen freigeräumt werden.

Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal, bei der 133 Menschen ums Leben kamen, wurden neben Straßen, Häusern und Brücken nämlich auch Kläranlagen und Abwasserleitungen zerstört. Durch das Hochwasser waren zum Teil die Schachtkonen und -deckel von den Schächten gespült worden, sodass große Mengen von Geröll, Steinen und Mauerstücken in den Kanal gelangten.

Das Technische Hilfswerk habe in die noch vorhandenen Wohnungen Notrohre gelegt, damit die Menschen überhaupt noch auf Toilette gehen konnten, sagt Kanalreiniger Matthias Popelar, der ebenfalls in den Orten Antweiler, Schuld und Insul im Einsatz war. Ebenso wie die Kollegen Edwin Götz, Peter Schäffer und Christian Wagner.

Die Männer, die täglich bis zu zwölf Stunden in dem Katastrophengebiet im Einsatz waren, hätten sich dafür alle freiwillig gemeldet, sagt Arno Bauer, Abteilungsleiter Betrieb bei Kasselwasser. Für das Kasseler Ver- und Entsorgungsunternehmen sei es sofort klar gewesen, dass man den Menschen in dem Katastrophengebiet Hilfe anbiete, so Bauer.

Kasselwasser schickte nicht nur die fünf Mitarbeiter in das Ahrtal, sondern stellte auch das leistungsstärkste Fahrzeug des Unternehmens zur Verfügung, sagt Sachgebietsleiterin Meike Rau, die den ganzen Einsatz von Kassel aus organisiert hat.

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen vierachsigen Hochdruckspülwagen, der 32 Tonnen wiegt, und mit Wasserrückgewinnung und zwei Hochdruckpumpen ausgestattet ist, die jeweils 333 Liter pro Minute pumpen können. Vor Ort wurde der Spülwagen noch durch einen Saugbagger, der die Schuttmengen aus dem Kanal an die Oberfläche beförderte, unterstützt. Trotz dieser Technik war es Tag für Tag erforderlich, dass die Kanalreiniger selbst in die Schächte hinabstiegen, um diese von Baumstämmen und Bauholz zu befreien. Zum Teil haben sie die Kanäle mit einer Schippe freigelegt, um das Spül- und Saugrohr einzubringen.

Dabei waren sie nicht nur mit Sicherheitsgurten ausgerüstet, sondern auch mit einem Gaswarngerät. „Der Heizölgeruch war sehr heftig“, sagt der 58-jährige Matthias Popelar aus Espenau mit Blick darauf, das bei der Katastrophe auch viele Heizungen ausgelaufen sind.

Das Ausmaß der Zerstörung könne man sich nicht vorstellen, sagt Popelar. Dort, wo früher ein Park mit Fahrradweg gewesen ist, sei nichts mehr gewesen. Das Ausmaß wird auch am folgenden Vergleich deutlich: In den vier Wochen haben die fünf Mitarbeiter so viel Geröll aus 250 Metern Kanal geholt wie im ganzen Jahr im gesamten Kanalnetz der Stadt Kassel.

„Ich wohne selbst an einem Gewässer in Obermeiser“, sagt Leon Ohrbach. Er sei fassungslos, was Wasser für eine Kraft entwickeln könne, um ganze Siedlungen wegzureißen. „Bei einem normalen Hochwasser kommt das Wasser und geht wieder zurück, nur der Schlamm bleibt“, sagt Ohrbach. Im Ahrtal sei nichts übrig geblieben. Er wisse, dass die Menschen dort weiterhin auf viel Hilfe angewiesen sind.

Der Einsatz der Kanalreiniger aus Kassel ist abgeschlossen. Dennoch will Kasselwasser weiterhelfen. Wenn die Kanäle gereinigt sind, werde man Kollegen ins Ahrtal schicken, die diese mit elektronischen Kanalspiegeln auf Schäden untersuchen, kündigt Meike Rau an. (use)

Sie befreiten die Kanäle in dem Katastrophengebiet von Schutt: die Kanalreiniger Leon Ohrbach (links) und Matthias Popelar.

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