Land will Prüfungen entschärfen

Kanaltests: Stadt setzt Kontrollen privater Hausanschlüsse unverändert fort

Kassel. Hauseigentümer aus Kassel, die aufgrund der hessischen Eigenkontrollverordnung (EKVO) ihren privaten Wasseranschluss sanieren lassen mussten, könnten mehr Geld ausgegeben haben als nötig.

Denn nun will Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich die Kriterien überdenken, die bisher für die Kanalprüfung gelten. Ziel sei es, die Anforderungen abzusenken, sagt Ministeriumssprecher Thorsten Nehls. Ungeachtet dessen setzt der Kasseler Entwässerungsbetrieb (KEB) seine Kontrollen wie bisher fort.

Für den KEB, der ab 1. April unter dem Namen „Kasselwasser“ firmiert, kam die Entscheidung der Ministerin, die Dichtigkeitstests auszusetzen, überraschend. „Das sorgt für Verwirrung und ist nicht praktikabel“, sagt Uwe Neuschäfer, stellvertretender Betriebsleiter. Weil das Hessische Wassergesetz und die Kasseler Abwassersatzung, in denen die Überprüfung verankert ist, nach wie vor Gültigkeit hätten, würde sie in Kassel unverändert fortgesetzt.

In Kassel sind seit 2008 etwa 1000 der 40 000 Kasseler Hausanschlüsse durch die KEB geprüft worden. Während die Kontrollkosten auf die Wassergebühren umgelegt werden, mussten viele Hauseigentümer ihre undichten Anschlüsse für 2000 bis 4000 Euro sanieren lassen. Die EKVO sieht vor, dass alte Kanäle (vor 1996) bis 2025 inspiziert sein müssen, neuere bis 2040.

Wegen dieser weiter bestehenden Pflicht ergäben sich für Eigentümer, die ihren Anschluss bereits reparieren ließen, keine Nachteile, sagt Neuschäfer. Ministeriumssprecher Nehls räumt aber ein, dass Umfang und Kosten der Sanierungen zukünftig geringer ausfallen könnten. In den nächsten Tagen werde das Ministerium mit dem Städtetag und dem Hessischen Städte- und Gemeindebund neue Standards festlegen. Wie die Kommunen im Landkreis Kassel mit Puttrichs Ankündigung umgehen, ist laut Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn noch unklar.

Von Bastian Ludwig

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