OB-Kandidat Ernst Wegener (CDU) liebt Kunst und Kultur

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Setzt auf die kulturellen Schätze Kassels: Ernst Wegener, hier vor dem Tempelchen neben der Neuen Galerie, will für Kassels Museen und Parks werben.

Kassel. Er ist ein Stadtmensch, liebt Kunst und Kultur, Rheingauer Riesling und gute Pralinen. Das Wadenbeißen, wie er es nennt, überlässt Ernst Wegener, Oberbürgermeister-Kandidat der CDU, lieber der Fraktion.

Der Politneuling aus Wiesbaden, der Amtsinhaber Bertram Hilgen (SPD) auf dem Chefsessel im Rathaus ablösen will, kommt auf leisen Sohlen daher.

Ein Schöngeist, der sich im Wahlkampf an der Haustür die Sorgen der Menschen anhört. Meist Rentner, die über vernachlässigte Straßen und Bürgersteige klagen. Und darüber, dass das Geld nicht reicht. „Da ist man als Politiker in einer wahnsinnig schwierigen Situation“, sagt er mit ernster Miene über Hartz IV und die Grundsicherung im Alter. Er hört trotzdem zu. „Ich spreche furchtbar gern mit Menschen. Ich höre mir gern Geschichten an“, sagt er. Dass er keine politische Vergangenheit hat, sieht er als Vorteil.

Der 55-Jährige, den in Kassel kaum einer kennt, wirbt um Sympathie. Dass er vielleicht zu gutgläubig ist, zu wenig an anderen Menschen zweifelt, räumt er ein. Derartige Bekenntnisse machen ihn sympathisch, sind in der Politik aber - wie er weiß - eher hinderlich. Der hochgewachsene Oldtimer- und Motorradfan will als Mensch überzeugen, ein spannendes Thema hat er nicht.

Eine Stadtplanung aus einem Guss, statt „Flickschusterei“, mehr Präsenz der documenta zwischen den Ausstellungen, eine bessere Anbindung der Uni an die Innenstadt - das wollen andere auch. Wegener lobt das Kulturzentrum Schlachthof. Das „Aushängeschild der Soziokultur“ habe eine Aufwertung verdient. „Die haben großartige Projekte.“ Er will die Vereinsarbeit stärken, die Stadt für Fachkräfte attraktiv machen. Vor allem aber die Kasseler Museen, die er bestens kennt, ins rechte Licht rücken.

Und als Oberbürgermeister „Chefsachen zu Ende führen“. Beim Thema Salzmann hätte er sich nicht in letzter Minute in die Suppe spucken lassen, sagt er über die geplatzten Pläne für das Industriedenkmal. „Das hätte ich 100-prozentig anders organisiert.“ Spricht’s und schiebt noch eine Spitze hinterher: In Kulturfragen würde er zwar nicht auf Beratung verzichten, wohl aber auf einen festen Berater.

Kaum Spielraum

Schwierig wird’s beim Schuldenabbau: Kitas, Schulen, Kultur und Freizeitangebote kosten Geld. „Man muss Schwerpunkte setzen“, sagt der Kandidat. Also bei den Ausgaben sparen. Spielraum im Haushalt gebe es kaum, und am Rathauspersonal sollte man nicht rühren. Und ob sich mit der Regionalreform tatsächlich viel einsparen lasse, sei fraglich.

Der Abteilungsleiter im Kunstministerium hat für den Wahlkampf zwei Jahresurlaube geopfert. Er wohnt in einer kleinen Wohnung im Wilhelmshöher Marstall. Seine Chancen schätzt er als gut ein. Das linke Lager sei mit SPD, Piraten, AUF-Kassel und Kasseler Linke breit gestreut, was zulasten der Sozialdemokraten gehe. Wenn aus dem Wahlsieg nichts wird, will Wegener ins Ministerium zurückkehren. Doch daran will er nicht denken. „Ich bin ein gnadenloser Optimist“, sagt er.

Zur Person:

Ernst Wegener (55) stammt aus Witzenhausen. Er wurde als siebtes Kind der Familie geboren und hat eine Zwillingsschwester. Aufgewachsen ist er im südhessischen Wächtersbach. Nach dem Abitur in Gelnhausen und dem Wehrdienst in Wetzlar studierte er in Bonn, München und Wien Geschichte und Kunstgeschichte. Wegener arbeitete als Journalist zunächst beim regionalen Fernsehen, ab 1993 als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Zehn Jahre später wechselte er ins Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Seit 2006 ist er stellvertretender Leiter der Abteilung Kunst und Kultur. Von April bis Juli 2009 war Wegener kommissarischer Leiter der Museumslandschaft. Der CDU gehört er seit 2005 an. Seine Töchter Thyra (21) und Emmi (20) zog er nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1994 allein groß. Der Kulturliebhaber wandert, reist und kocht gern. Er fährt einen Oldtimer, einen englischen Sportwagen, Baujahr 1973.

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