Die SPD nominierte Ulrike Gottschalck erneut als Bewerberin zur Bundestagswahl

Kandidatin fürs Parteiherz: SPD stellt Gottschalck erneut zur Bundestagswahl auf

Hohe Zustimmung für Ulrike Gottschalck: Die Kandidatin bei der Delegiertenkonferenz in Eppos Clubhaus mit Ehemann Falk und den Enkelinnen Amelie (links) und Lara. Hinten von links die SPD-Unterbezirksvorsitzenden Jürgen Kaiser (Stadt) und Uwe Schmidt (Landkreis Kassel). Foto:  Schwarz

Kassel. Die Frau, die die SPD im Raum Kassel vor drei Jahren vor einem Kandidaten-Fiasko bewahrte, will auch im Herbst 2013 „den Wahlkreis wieder überlegen gewinnen“: Für dieses Ziel bekam Ulrike Gottschalck am Freitagabend in Eppos Clubhaus langen, demonstrativen Applaus.

Mit 93 Prozent Zustimmung wurde die 57-jährige Sandershäuserin von den Parteidelegierten aus Stadt und Landkreis erneut auf den Schild gehoben.

Zu den 147 Stimmberechtigten im Saal hatten sich viele weitere Genossen gesellt und sorgten für drangvolle Enge. Laut Kassels SPD-Chef Jürgen Kaiser war der „symbolträchtige Ort“ bewusst gewählt worden: Quasi in letzter Minute hatte Gottschalck am 23. Juli 2009 dort vor den Delegierten ihre Bereitschaft bekundet, aus dem Landtag nach Berlin zu wechseln - und damit verhindert, dass die SPD in der Affäre um den durch justizrelevante Frauengeschichten verbrannten Bewerber Rainer Pfeffermann plötzlich ohne Bundestagskandidat dastand.

Obwohl den Namen Pfeffermann am Freitag niemand in den Mund nahm, prägte er die Grundstimmung im Saal und die Weise, wie Ulrike Gottschalck das Parteivolk zu motivieren suchte: Nur weil „alle an einem Strang gezogen“ hätten, sei es gelungen, „eine große Krise zu meistern“, sagte sie gleich zu Beginn ihrer Rede, in der sie vor allem das Bedürfnis nach sozialdemokratischer Nestwärme und geordneten Parteiverhältnissen bediente.

Direkte Attacken auf die politische Konkurrenz hörte man wenig. Nur einmal nannte Gottschalck ihren Mitbewerber Norbert Wett von der CDU „blauäugig“, wenn der verspreche, der Koalition gegen eine Vergemeinschaftung der Eurokrisen-Schulden eintreten zu wollen: „Diese Situation haben wir längst.“ Die SPD setze auf neue Besteuerungsregeln, um „wild gewordenen Spekulanten und Großbanken“ Grenzen zu setzen, was „eine Frage der Gerechtigkeit und des Anstandes“ sei. Dies traf den Nerv der Genossen ebenso wie Gottschalcks Berliner Politbetriebs-Impressionen von „FDP-Jüngelchen im Designeranzug“.

Lesen Sie auch:

Bundestagswahl 2013: Gottschalck tritt für die SPD an

Im Kontrast dazu empfahl sich die Kandidatin durch Geradlinigkeit und Lebenserfahrung. Sie widmete ihrem Herzensthema Chancengleichkeit einigen Raum, wetterte gegen die „Kita-Fernhalteprämie“ der Koalition und streifte ansonsten von der Nebeneinkünfte-Debatte über Mindestlöhne bis zur Städtebauförderung ein breites Spektrum von SPD-Wahlkampfthemen. Applaus gab es vereinzelt an Stellen, wo Ulrike Gottschalck ausnahmsweise nicht erläuterte, sondern stark zuspitzte und etwa forderte: „Minijobs müsste man im Grunde alle abschaffen.“

Nach der Bewerberinnenrede sah sich Landrat und Landkreis-Parteichef Uwe Schmidt veranlasst, am Mikrofon noch einmal deutlich kämpferische, emotionalere Töne anzuschlagen: „Die können es nicht, die müssen abgewählt werden!“ Das kam dramaturgisch im rechten Moment und brachte Stimmung in den Saal: Wenngleich die Genossen von Ulrike Gottschalck wissen, dass sie unbeirrt für ihre Überzeugungen streitet, hatten manche solche markigeren Worte vermisst.

Von Axel Schwarz

Hintergrund: Wahlkreis umfasst Stadt und Umgebung

Der Wahlkreis 168 (Kassel) umfasst die Stadt Kassel sowie Vellmar, Fuldatal, Espenau, Ahnatal, Kaufungen, Niestetal, Nieste, Helsa, Lohfelden, Fuldabrück und Söhrewald. Alle anderen Kommunen in den Altkreisen Hofgeismar und Wolfhagen sowie Baunatal und Schauenburg sind dem Wahlkreis 167 (Waldeck) zugeordnet. In beiden Gebieten gewannen die SPD-Bewerber bei der Bundestagswahl 2009 das Direktmandat.

Gegen Ulrike Gottschalck, die seit dieser Zeit den Wahlkreis 168 im Berliner Reichstag vertritt, hat die CDU am vorvergangenen Wochenende den Kasseler Unternehmensberater und Stadtverordneten-Fraktionschef Norbert Wett (47) ins Rennen geschickt.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.