Lebensmittelausgabe in Coronazeiten

Kasseler Tafel: Aufmerksamkeit während Welthungerwoche „kann Schub geben“

Gerlinde Appelbaum reicht Christina B. eine Tüte voller Lebensmittel.
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Gerlinde Appelbaum reicht Christina B. eine Tüte voller Lebensmittel.

Der Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm und das Stattfinden der Welthungerwoche: Das Thema Hunger stand zuletzt deutlich im Fokus. Das kann auch der Kasseler Tafel helfen. Vor allem in Coronazeiten.

Kassel – Vorsichtig schiebt Gerlinde Appelbaum eine mit Lebensmitteln beladene Plastiktüte unter einer Plexiglasscheibe hindurch nach draußen, wo Christina B. sie sicher in ihrem mitgebrachten Einkaufstrolley verstaut. „Dankeschön“, sagt B., ehe sich Appelbaum auch schon wieder umdreht, hinter der Plexiglasscheibe verschwindet, durch den Raum huscht und nach den nächsten Tüten mit Brot, Wurst, Obst und Gemüse greift.

Appelbaum ist ehrenamtliche Helferin bei der Kasseler Tafel, unterstützt dort regelmäßig bei der Lebensmittelausgabe. Rund 3500 Menschen versorgt die Tafel im Stadtgebiet, darunter fast 1200 Kinder. Armut und Hunger sind präsent – auch in Kassel.

„Ich halte es für sehr wichtig, dass so was Öffentlichkeit erfährt“, sagt Helga Schmucker-Hilfer, 2. Vorsitzende der Kasseler Tafel. Dass das Welternährungsprogramm zuletzt den Friedensnobelpreis erhalten hat, sei großartig. „Auf so etwas werden auch potenzielle Helfer und Spender aufmerksam.

Kasseler Tafel während Corona: Fünfmal in der Woche werden Lebensmittel ausgegeben

Auch durch die Welthungerwoche vergangene Woche rücke das Thema wieder mehr ins Bewusstsein der Leute. „Das kann uns einen richtigen Schub geben“, sagt sie. Fünfmal in der Woche gibt die Kasseler Tafel Lebensmittel aus. Drei Autos fahren morgens durch die Stadt, klappern knapp 60 Geschäfte ab, um Lebensmittel für die Ausgabe einzusammeln. „Momentan reicht das ganz gut aus“, sagt Schmucker-Hilfer.

An diesem Tag gegen 9.30 Uhr hat sich vor dem Haupteingang an der Wiener Straße bereits eine kurze Schlange gebildet. Die Bedürftigen tragen Maske, halten Abstand. Es wird getuschelt, viele kennen sich.

Rot-weiße Absperrbänder und Markierungen auf dem Boden weisen den Weg zur Lebensmittelausgabe. Normalerweise wählen die Bedürftigen ihre Lebensmittel selbst aus. Doch seit es das Virus gibt, ist das nicht mehr möglich. Seither ist alles anders. „Mittlerweile ist alles vorgepackt, die Leute müssen die Lebensmittel nur noch abholen“, erklärt Schmucker-Hilfer.

Kasseler Tafel während Corona: Bedürftige sind froh, dass sie versorgt werden

So wie Werner Maier. Er kommt alle zwei Wochen zur Tafel. „Ich finde, es ist eine Errungenschaft für einen Sozialstaat, dass es so was gibt“, sagt der 67-Jährige. Allerdings: Dass eine Einrichtung wie die Tafel in Deutschland überhaupt nötig ist, sei „eine Schande für solch ein reiches Land“.

Maier hat sich dick angezogen, Ohren und Haar mit einem Kapuzenpullover bedeckt. Es ist kalt. „Ich stehe schon etwas länger hier draußen in der Schlange, aber das ist kein Problem“, sagt er. Er sei froh, dass er bei der Tafel überhaupt versorgt werde. Vor allem während Corona.

Bei der Tafel erhält jeder Unterstützung, der Bedürftigkeit über Sozialbescheide nachweisen kann. Dann gibt die Tafel Berechtigungskarten aus, mit denen die Leute Lebensmittel erhalten.

Maier: „Das Konzept funktioniert, auch in Coronazeiten. Ich hoffe, dass man uns während des Virus nicht vergisst.“ (Von Pascal Spindler)

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