Museumslandschaft startet Rettungsaktion für historisches Bleiguss-Figurenensemble von Wilhelmsthal

Kaputte Putten suchen Paten

Charme und Verfall: Dieser Putto auf der Mauer zur Grotte blickt weiterhin auf Wasserbecken und Park. Er zählt zu den wenigen sanierungsbedürftigen Bleigussfiguren, deren Zustand noch einen Verbleib an Ort und Stelle erlauben. Foto: Binienda-Beer

Wilhelmsthal. Einst waren die Putten der Glanzpunkt von Schloss Wilhelmsthal. Kaum irgendwo in Deutschland findet sich ein vergleichbares Ensemble wie in der historischen Gartenanlage. Davon ist Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), überzeugt. Witterungseinflüsse und Vandalismus haben den Zeugen einer glanzvollen höfischen Epoche im Laufe der Zeit allerdings so schwer zugesetzt, dass der überwiegende Teil vor zwei Jahren durch die MHK demontiert und im Depot eingelagert werden musste. Nun startet die MHK eine Spendenaktion.

28 einst prächtig vergoldete Bleigussfiguren in detailgenauer künstlerischer Ausarbeitung bildeten 260 Jahre im Schlosspark den prunkvollen Skulpturenschmuck rund um die Grotte und entlang des Wasserbeckens. Nun müssen sie gerettet werden. Der geschätzte Restaurierungsaufwand beläuft sich auf eine Dreiviertelmillion Euro. Ohne Unterstützung geht das nicht. Die MHK hat deshalb für das wertvolle Figurenensemble von Wilhelmsthal die Aktion gestartet.

„Rettet die Putten, bevor es zu spät ist“, appelliert Dr. Küster an die Öffentlichkeit. Die liebenswerten Götterboten, der Rest eines ehemals noch üppigeren figürlichen Parkschmucks, seien nur mit erheblichem finanziellen Aufwand für die Zukunft zu erhalten. Ein Projekt, das die MHK auch angesichts der gebotenen umfangreichen Sanierung von Schloss und Wasserspieltechnik finanziell nicht realisieren kann. Gastronom Helmut Wenzel (Immenhausen), Inhaber des Waldhotels Schäferberg, lieferte den gedanklichen Anstoß zu der öffentlichen Spendenaktion. Der leidenschaftliche Wilhelmsthal-Liebhaber stellte sich mit einer Großspende als erster Putten-Pate in den Dienst der guten Sache. Bei einem Informationsabend, zu dem Wenzel am Donnerstag Vertreter aus Kultur und Wirtschaft ins Waldhotel Schäferberg eingeladen hatte, fanden sich weitere Spender. Damit stehen die ersten 10 000 Euro im Zuge der Aktion bereit. Willkommen sind nicht nur große, sondern auch viele kleinere Spenden. Denn: Allein die Restaurierung einer einzelnen Putte oder Figurengruppe verschlingt zwischen 8000 und 60 000 Euro.

Erste Gruppe bereits fertig

Die Wilhelmsthaler Bleiguss-Skulpturen stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Bedeutende holländische und englische Bildhauer, die besten ihrer Zeit, schufen für die Wilhelmsthaler Grottenanlage allegorische Putti, Götterfiguren und Wasserspeier. Wie Metallrestauratoren den alten Figuren zu neuem Glanz und Charme verhelfen können, beweist bereits eine aus Landesmitteln beispielhaft wiederhergestellte große Skulpturengruppe vom Plateau der Grotte. Sie steht jetzt erst einmal im Schloss und kann nach dessen Wiedereröffnung am 15. April im Eingangsbereich bewundert werden. Nach Abschluss der Jahre dauernden Restaurierung soll das Putten-Ensemble eines Tages geschlossen an seinen Ursprungsort zurückkehren. Spendenaktion: Kontoinhaber: HCC Historisches Erbe, Bank: Landesbank Hessen Kassel, Kontonummer: 100 2443, BLZ: 500 500 00, Verwendungszweck: MHK Putten Wilhelmsthal.

Von Dorina Binienda-Beer

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